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Wer wohnt im Waldheimer Mortelbach?

Die TU Dresden kontrolliert den Erfolg der Renaturierung. Aus diesem Grund gibt es im Juni und Herbst im Bachbett verschiedene Versuchsaufbauten.

Diplom-Geografin Ulrike Haase vom Institut für Hydrobiologie an der Technischen Universität Dresden (links) und Masterstudentin Luisa Kauert überprüfen anhand von Versuchsanordnungen im Mortelbach den Erfolg der Renaturierung des Gewässers.
Diplom-Geografin Ulrike Haase vom Institut für Hydrobiologie an der Technischen Universität Dresden (links) und Masterstudentin Luisa Kauert überprüfen anhand von Versuchsanordnungen im Mortelbach den Erfolg der Renaturierung des Gewässers. © Dietmar Thomas

Waldheim. Was ist denn das, was dort hängt? Von Müll bis Bootsanlegestelle oder dem Tor zur Welt gehen die Kommentare der Waldheimer in den Sozialen Netzwerken. Gegenüber der Gasstation hängen an einer Leine Säckchen im Wasser. Außerdem wurden Plattformen mit Kacheln im Bett des Mortelbachs montiert.
Wer genauer hinschaut, findet in der Nähe der Objekte Schilder, die mit Hinweisschildchen und Kontaktdaten versehen sind. 

Es handelt sich um Versuchsaufbauten und Probestellen, um den Erfolg der Renaturierungsmaßnahme des Mortelbaches, die vor rund zwei Jahren im Bereich der Schlossmauer fertiggestellt wurde, zu kontrollieren. Das Fließgewässer gehört zum Projekt „In_StröHmunG“, welches zur Vereinbarkeit von Hochwasserschutz und gutem ökologischen Zustand von Fließgewässern geforscht hat.

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Interessierte Waldheimer können sich über das Projekt informieren.
Interessierte Waldheimer können sich über das Projekt informieren. © Dietmar Thomas

Beispielgewässer im Gesamtprojekt

​Der Mortelbach in Waldheim stellt dabei mit der damals geplanten und durchgeführten Revitalisierung eines der Beispielgewässer im Projekt dar. Geleitet werden die weiteren Forschungsarbeiten von der Diplom-Geografin Ulrike Haase vom Institut für Hydrobiologie an der Technischen Universität Dresden. Die Doktorandin führt im Nachgang eine erste Erfolgsabschätzung der Revitalisierungsmaßnahme durch. Dazu gehören regelmäßige Probenahmen zur Habitatbeschaffenheit und der Organismenzusammensetzung sowie Versuche zu sogenannten Ökosystemfunktionen, welche über den ökologischen Zustand und die Funktionalität des Ökosystems Bach Informationen liefern.

Der Mortelbach entspringt in Grünlichtenberg und führt bis nach Waldheim. Dort mündet er an der Schlossmauer in den Gebersbach, der bis zur Zschopau fließt. Dieser Abschnitt wurde in Zusammenarbeit mit der TU Dresden und dem Landschaftsarchitektur- und Ingenieurbiologiebüro Stowasserplan und weiteren Firmen naturnah saniert. Revitalisiert, wie Ulrike Haase sagt, die bereits in diese Arbeiten involviert war. Nunmehr gehe es darum, zu untersuchen, wie sich die gewässerinternen Funktionen seither entwickelt haben.

„Im Gewässer leben ja nicht nur Fische, sondern auch viele andere Lebewesen, die für den Abbau von organischem Material verantwortlich sind“, erklärt die Dresdner Wissenschaftlerin, die das Projekt gleichzeitig zum Erstellen ihrer Doktorarbeit nutzt.

Um die Arbeit der Lebewesen zu dokumentieren, werden an mehreren Stellen Säckchen mit Laub im Gewässer ausgebracht, welches von Laubfressern wie Krebstierchen oder Köcherfliegenlarven zerkleinert wird. „Wir wiegen das Laub und sehen, wie viel von wem gefressen wurde“, erklärt Haase. Aus dem gleichen Grund sind im Bachbett Kacheln ausgebracht worden, an deren Biofilm sich ablesen lässt, wie gut die Organismen im renaturierten Gebiet ihre Aufgaben erfüllen.

Laubsäckchen sollen Licht ins Dunkel des Lebens im Mortelbach bringen.
Laubsäckchen sollen Licht ins Dunkel des Lebens im Mortelbach bringen. © Dietmar Thomas

Einblick in eine verborgene Welt

​Der Versuch hat Anfang Juni begonnen und wird von Ulrike Haase und Masterstudentin Luisa Kauert bis Anfang Juli fortgeführt. Bis dahin würden die Probestellen wöchentlich kontrolliert. Außerdem sollen im Herbst und Frühjahr weitere Versuchsreihen starten. Geplant sei auch eine weitere Befischung. Bei einer ersten konnten neben zwei Bachforellen auch Bachschmerlen, Stichlinge und Elritzen verzeichnet werden. 

Außerdem sei der revitalisierte Abschnitt von einigen Organismen wie Bachflohkrebsen, Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven, Egeln und auch Schnecken besiedelt.
„Es ist eine Welt, die vielen, wenn sie nicht gerade passionierte Angler sind, verborgen bleibt“, sagt Ulrike Haase, die ihr Wissen gern mit anderen teilt. So hätte sie am Mortelbach bereits eine Kindergartengruppe getroffen und ihr Wasserorganismen gezeigt. „Die Augen und die Begeisterung waren richtig groß“, freut sich die Wissenschaftlerin über das Interesse an ihrer Arbeit. „Es gibt so viel zu entdecken, wenn man einen Stein umdreht“, sagt sie.

Und so planen Ulrike Haase und Luisa Kauert irgendwann im Herbst einen Informationstag durchzuführen. Bei dem sollen nicht nur so manch offene Frage zur Revitalisierung des Mortelbaches geklärt werden, sondern Interessierte auch einen interessanten Einblick in das Leben der Fische, Kleinlebewesen und Pflanzen im Bachbett bekommen.

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