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Wer zieht ins Radeburger Rathaus ein?

Sonntag ist Bürgermeister-Wahl. Geworben haben die Kandidaten viel. Wer siegen will, braucht aber über die Hälfte der Stimmen.

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Von Sven Görner

In der Zille-Stadt geht in den nächsten Wochen eine Ära zu Ende. Bürgermeister Dieter Jesse (parteilos) räumt nach 21 Jahren im Amt freiwillig seinen Stuhl. Vielleicht ist diese schon an DDR-Verhältnisse erinnernde Dauerpräsenz ein Grund dafür, dass vor anderthalb Monaten noch viele Radeburger ratlos mit den Schultern zuckten, wenn man sie nach ihrem Favoriten für die Nachfolge an der Rathausspitze fragte.

Andreas Hübler (54), wurde von der Unabhängigen Liste Radeburg (ULR) nominiert, die er selbst mit ins Leben gerufen hat. Er ist parteilos, verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel. Der Bärnsdorfer ist Diplomingenieur für Verkehrsbauwesen und Immobilien
Andreas Hübler (54), wurde von der Unabhängigen Liste Radeburg (ULR) nominiert, die er selbst mit ins Leben gerufen hat. Er ist parteilos, verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel. Der Bärnsdorfer ist Diplomingenieur für Verkehrsbauwesen und Immobilien
Birgit Kretschmer (43),  ist die Kandidatin der CDU. Die Parteilose wird aber mit Ausnahme der ULR auch von den anderen Parteien und Gruppen im Stadtrat unterstützt. Die Verwaltungsfachfrau wohnt in Moritzburg, ist verheiratet und hat einen erwachsenen So
Birgit Kretschmer (43), ist die Kandidatin der CDU. Die Parteilose wird aber mit Ausnahme der ULR auch von den anderen Parteien und Gruppen im Stadtrat unterstützt. Die Verwaltungsfachfrau wohnt in Moritzburg, ist verheiratet und hat einen erwachsenen So

Mittlerweile sieht das etwas anders aus. Denn alle drei Bewerber haben seit dem Ende der närrischen Zeit viele Klinken geputzt und Hände geschüttelt. Sie stellten sich auf Versammlungen in den Ortsteilen vor, gingen in Vereine, Jugendclubs und Unternehmen, waren bei Senioren und der Feuerwehr. Wer wollte, konnte sich ein Bild von den zwei Frauen und dem einen Mann machen, die den Amtsinhaber bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag ablösen wollen. Und vor allem konnten Interessierte erfragen, wie die Kandidaten dafür sorgen wollen, dass es dem Zille-Städtchen auch weiterhin gut geht.

Die meiste Arbeit, sich bei den Radeburgern bekanntzumachen, musste zweifellos Birgit Kretschmer leisten. Die Bewerberin aus Moritzburg war für fast alle Radeburger die große Unbekannte. Insofern waren die beiden Konkurrenten – Andreas Hübler und Michaela Ritter – ihr vor einem Monat noch ein beachtliches Stück voraus. Inzwischen ist es der 43-jährigen Verwaltungsfachfrau aber wohl gelungen, etwas von diesem Vorsprung aufzuholen. Dass die Parteilose von der CDU nominiert wurde und sie obendrein mit Ausnahme der ULR auch alle anderen im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen hinter sich weiß, ist ein Vorteil. Allerdings sind Bürgermeisterwahlen in solch kleinen Orten meist klassische Personenwahlen.

Uns so hört und sieht man genau hin, was die Bewerber sagen und wie sie auftreten. Die gut gemeinte Absicht von Stadt-CDU-Chef Christian Damme, mit seinen Moderationen die von ihm ausgewählte Kandidatin zu unterstützen, kamen daher auch nicht bei allen Besuchern der ersten Infoveranstaltungen gut an. Schließlich waren diese gekommen, um die Bewerberin zu hören. Wer sich ein Bild von allen drei Kandidaten machen wollte, musste einige Zeit investieren. Denn anders als im benachbarten Moritzburg, wo am Sonntag ebenfalls ein neuer Bürgermeister zu wählen ist, stellten sich die Radeburger Bewerber in getrennten Veranstaltungen vor. Besucht wurden sie im Schnitt von 20 bis 30 Leuten. Diesen lagen meist die Probleme ihrer Ortsteile am Herzen. Fehlende Radwege und die Unterstützung der Vereine waren häufig wiederkehrende Themen.

Hört man sich dieser Tage in Radeburg um und fragt die drei Kandidaten, scheint alles darauf hinauszulaufen, dass es am Sonntag noch keine Entscheidung geben wird. Denn für einen Sieg sind in diesem Wahldurchgang mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erforderlich.

Andreas Hübler kann bei einem Teil der Wähler vermutlich damit punkten, dass er als ehemaliger ehrenamtlicher Bürgermeister von Bärnsdorf und langjähriger Gemeinde- und Stadtrat gut über die Radeburger Kommunalpolitik Bescheid weiß. Der Dauerstreit mit der CDU, deren Fraktionssprecher im Stadtrat er einmal war, könnte andere Radeburger wiederum abschrecken, ihn zu wählen. Denn an den jetzigen Lagern, die vier ULR-Leute auf der einen und der Rest der 18 Stadträte auf der andren Seite, wird sich vorerst nichts ändern. Ohne eine Stadtratsmehrheit wäre Hüblers Handlungsspielraum als Bürgermeister aber begrenzt.

Vielleicht hat Michaela Ritter ja die größten Chancen. Sie kennt sich in Radeburg aus, ohne an bestimmte Gruppen gebunden zu sein. Als einzige der drei parteilosen Kandidaten ist sie als unabhängige Einzelbewerberin ins Rennen gegangen.

An der Wahl am Sonntag teilnehmen können nach Auskunft von Dietlind Groß, der Vorsitzenden des Gemeindewahlausschusses rund 6 300 Radeburger. Die neun Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Es gibt zwei Besonderheiten: Aufgrund des Neubaus der Kita Gartenstraße wird das sonst dort untergebrachte Wahllokal in der Kita Sophie Scholl eingerichtet. Und die Bärnsdorfer können diesmal in dem neuen Feuerwehrgerätehaus auf der Schmiedestraße wählen.