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Werden die Schüler überfordert?

Eltern beklagen zu hohen Leistungsdruck im Gymnasium. Die Schulleitung will das mit den Lehrern diskutieren.

Von Jens Hoyer

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Umfragen können sehr nützlich sein, besonders dann, wenn sie zu kritischer Selbstbefragungen führen. Im Falle des Lessing-Gymnasiums will die Schulleitung die Leistungsanforderungen an die Schüler im Kollegium diskutieren. Ausgangspunkt ist die Befragung der Eltern für den Schulnavigator der Sächsischen Zeitung. Einige Punkte stechen im Vergleich mit anderen Schulen hervor. Dazu gehören die Leistungsanforderungen, die von einem Teil der Eltern kritisch bewertet werden. Fast die Hälfte, etwa 47 Prozent, schätzt die Anforderungen im Lessing-Gymnasium als etwas oder sogar viel zu hoch ein. Damit liegt das Gymnasium weit über dem Durchschnitt in Sachsen. Auch in den Anmerkungen der Eltern kommt das zum Ausdruck „Der Leistungsdruck ist enorm. Durch Lehrer und Lehrplan werden die Kinder stark unter Druck gesetzt. Sie haben kaum noch Freizeit“, heißt es da. „Oder: „Manche Lehrer verwechseln Gymnasium mit Studium.“ Auch das wurde angemerkt: „Das Niveau an der Schule ist einfach zu hoch. Man hat den Eindruck, jeder Lehrer sucht sich extra schwere Aufgaben aus. Der Normalo-Schüler bleibt auf der Strecke.“

Schulleiter Michael Höhme hat die Ergebnisse der Elternbefragung studiert: „Diesen Punkt werden wir uns mit der Lehrerschaft genauer anschauen“, sagte er. Einige Dinge seien kritisch zu hinterfragen. Ist die Frequenz der Bewertungen besonders in den jüngeren Klassen optimal? Ist der Umfang von Hausaufgaben angemessen? Eines macht Höhme aber auch klar: Die Anforderungen an der Schule orientieren sich am Abitur. Manche Schulen mögen den Ruf haben, weniger Leistung zu fordern. Aber: „Die Abiturprüfungen sind für alle gleich“, so Höhme. Besonders in den oberen Klassen sei das Gymnasium stark leistungsorientiert. Dass die Anforderungen angemessen sind, zeige die hohe Besteherquote in Döbeln, die in manchen Jahren bei 100 Prozent liegt.

Die Fördermöglichkeiten für leistungsschwache Schüler seien allerdings beschränkt, weil die personellen Ressourcen fehlen, so Höhme. Förderunterricht ist für die Schüler der 5. und 6. Klassen vorgesehen. Nicht aber für die Klassen acht bis zehn, wo es nötig wäre, wenn die Schüler voll in der Pubertät stecken. Immerhin: Der Schulausfall spielt anders als vor zwei Jahren im Moment keine große Rolle. „In den letzten Monaten hatten wir unter zwei Prozent Ausfallquote“, sagte Höhme. Das liege zum einen an der etwas besseren personellen Ausstattung, zum anderen daran, dass es weniger Langzeitkranke gibt.

Insgesamt ist Höhme mit dem Ergebnis der Befragung nicht unzufrieden, weil im Grunde auch die Eltern zufrieden sind. Fast drei Viertel von ihnen gibt das an. Nur sieben Prozent der Kinder gefällt es nicht so richtig im Lessing-Gymnasium, wobei „überhaupt nicht“ gar nicht vorkommt. Auch Projektwochen und Arbeitsgemeinschaften, Fremdsprachen- und kulturelle Angebote finden überdurchschnittlich große Zustimmung bei den Eltern. Was nicht heißt, dass es aus ihrer Sicht nichts zu verbessern gäbe.

Wie auch schon in der Umfrage vor zwei Jahren sieht fast der Hälfte der Eltern leichte oder sogar große Probleme mit Gewalt und Mobbing an der Schule. Für Höhme ist das ein Punkt, den er nicht nachvollziehen kann. „Große Probleme haben wir definitiv nicht. Ich wüsste nicht, wann es die letzte Rauferei gegeben hat“, sagte er. An der Schule gibt es regelmäßig Veranstaltungen zur Gewaltprävention. Die „Social-Community-Guides“, Schüler größerer Klassen, bringen den Jüngeren Umgangsformen in den sozialen Netzwerken bei. Auch im Gymnasium gibt es Fälle, bei denen unappetitliche Zwistigkeiten in den sozialen Netzwerken ausgetragen werden. Die Erwartungshaltung sei in diesem Punkt sehr groß. „Die Eltern fordern Maßnahmen von der Schule ein, auf der anderen Seite haben Fünftklässler ungehemmten Zugang zu den sozialen Netzwerken. Da haben vor allem die Eltern eine Verantwortung“, sagte Höhme. Die Schule wird aber für Problemfälle bald wieder professionelle Unterstützung bekommen. Im kommenden Monat nimmt eine Sozialpädagogin ihre Arbeit auf. Die Stelle gab es schon einmal bis ins vergangene Jahr und war durch den Wegfall der Förderung ausgelaufen.

Blockunterricht ist auch ein Thema für die Eltern. Das würde den Umfang des Schulmaterials reduzieren – die Schultaschen seien manchmal sehr schwer. Blockunterricht gibt es schon, meist zweimal in der Woche, meint Höhme. Mehr als vier bis fünf Fächer seien es meist nicht am Tag. „Wir können nicht nur Mathe-Deutsch-Tage anbieten“, so Höhme. Eltern sollten kritisch prüfen, ob alles nötig ist, was in der Schultasche steckt. Es auch nicht notwendig, das Material eines ganzen Jahres im Hefter mit herumzutragen.

Deutlich unter dem Durchschnitt liegt am Lessing-Gymnasium die Zufriedenheit mit dem Schulessen. Weit über 40 Prozent der Eltern benoten das Essen mit „ein bisschen“ bis „sehr unzufrieden“. Ein Elternteil schreibt: „Durch die Umstellung des Essenanbieters Sodexo in Buffet-System ist das Essen teuerer geworden, aber leider nicht besser.“ Der Schulleiter kann die Kritik teilweise nachvollziehen – er isst selbst mit. „Ich hatte den Eindruck, dass die Qualität schwankend war in den vergangenen Wochen“, sagte er. Ein Problem sei derzeit, dass wegen der Umbauarbeiten am Hauptstandort weniger Schüler mitessen und das Buffet nicht so reichhaltig ist. „Wir haben mit Sodexo ein Gespräch geführt. Man spürt eine Verbesserung“, so Höhme.

www.schulnavigator.de

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