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Werden Dörfler jetzt bestraft?

Eltern wollen sich nicht mit den Zahlungsmodalitäten des Schülertickets abfinden. Petition wird erst im Juni geprüft.

Von Catharina Karlshaus

Die dreifache Mutter aus dem Großenhainer Ortsteil Strauch versteht die Welt nicht mehr. Wieso soll sie Geld für etwas bezahlen, das durch die gesetzliche Schulpflicht in Deutschland doch ohnehin abgedeckt sein müsste? „Diese Pflicht besagt doch nun einmal ganz klar, dass meine Kinder eine Bildungseinrichtung besuchen müssen. Dass sich diese nicht gleich vor der Haustür befindet und sie deshalb nur mit einem Bus hinfahren können, kann uns doch jetzt nicht zum Nachteil gereichen“, schimpft die 35-Jährige. So wie andere Eltern auch habe sie vor ein paar Wochen gewissermaßen nur durch Zufall davon erfahren, dass sie künftig die Fahrkarten für das kommende Schuljahr im Voraus bezahlen soll. „Ich finde es eine bodenlose Frechheit! Wenn uns die Zabeltitzer Grundschule nicht freundlicherweise darauf hingewiesen hätte, wäre es vielleicht an uns vorüber gegangen“, empört sich die junge Frau.

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Und sie ist mit ihrem Unmut längst nicht mehr allein. Seit dem Bekanntwerden der geänderten Satzung über die Schülerbeförderung – vom Kreistag im Dezember vergangenen Jahres beschlossen – gingen nicht nur zahlreiche Beschwerden im Landratsamt Meißen ein. Mittlerweile wurde auch eine Petition empörter Eltern an den dritten Beigeordneten Andreas Herr übergeben. Diese, so Behördensprecherin Dr. Kerstin Thöns, wendet sich eindeutig gegen die beschlossene Vorauszahlung zum 15. Juli. „Die Mitglieder des Technischen Ausschusses werden sich damit in ihrer Sitzung Anfang Juni befassen. Man muss abwarten, wie dort entschieden wird“, so Thöns. Wie sie betont, bedeute die zeitliche Abfolge aber auf jeden Fall, dass vor Beginn des neuen Schuljahres keine andere Regelung zu erwarten sein kann. Die Eltern demnach den jetzt vorgegebenen Zahlungstermin Mitte Juli einhalten müssten. „Denn selbst wenn der Technische Ausschuss zugunsten der Petition entscheidet, muss die Satzung durch das betreffende Referat noch einmal geändert werden und der Kreistag sich mit der Problematik wieder grundlegend beschäftigen“, erklärt Kerstin Thöns das Prozedere.

Viel Schelte für eine Neuregelung der Zahlung also, mit der die Kreisbehörde doch nach eigenem Bekunden nur alte Missstände beseitigen wollte. In der Vergangenheit seien nämlich regelmäßig Lastschriften geplatzt, weil die Konten einiger Eltern nicht gedeckt waren. Die Schülertickets waren zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ausgegeben, und das Amt blieb auf seinen Außenständen sitzen. Um weitere Löcher in der Kreiskasse zu vermeiden, sei eben beschlossen worden, Fahrausweise zum Bezug über die Schule nur noch bei Vorauszahlung des Eigenanteils bereitzustellen. „Die Sorgeberechtigten müssen davon aber nicht Gebrauch machen. Sie können die Tickets ja alternativ selbst beschaffen und danach zur Abrechnung einreichen“, gibt Michael Tomeit, beim Landratsamt für die Schülerbeförderung zuständig, zu bedenken.

Ein Rat, den zumindest die verärgerte Straucherin umsetzen will. Sie hat sich für den Kauf einzelner Fahrkarten entschieden, auch wenn sie das unterm Strich teurer käme. „Anders können wir diese ungeplante Ausgabe von fast 600 Euro aber nicht abfedern. Mein Mann und ich gehen zwar beide arbeiten, aber so kurz vor den Sommerferien ist das finanziell einfach nicht möglich.“

Was die gebürtige Berlinerin und somit Großstädterin besonders an der Angelegenheit aufregt: Die Familie habe sich im Interesse ihrer Kinder bewusst dafür entschieden, aufs Land zu ziehen. Frische Luft sollte der Nachwuchs ebenso garantiert bekommen, wie das Aufwachsen in der Natur und das Bewusstsein, dass Kühe nicht lila sind. „Und jetzt wird uns das Gefühl vermittelt, dass gerade Familien auf dem Land total benachteiligt sind. Nicht nur, dass dort die Schulen bewusst geschlossen werden. Nun müssen wir auch noch für solche Entscheidungen bezahlen, weil die Wege ja logischerweise länger sind. Das ist unglaublich!“