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Werkzeugbauer investiert trotz Krise

In der Spritzerei stehen die Maschinen, die sonst rund um die Uhr laufen, am Wochenende still. „Die Schichten am Sonnabend und Sonntag lassen wir jetzt aus“, sagt Siegfried Spank, Geschäftsführer der Wedo Formenbau und Kunststoffverarbeitung in Doberschau.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

In der Spritzerei stehen die Maschinen, die sonst rund um die Uhr laufen, am Wochenende still. „Die Schichten am Sonnabend und Sonntag lassen wir jetzt aus“, sagt Siegfried Spank, Geschäftsführer der Wedo Formenbau und Kunststoffverarbeitung in Doberschau. Weil durch die Autoindustrie weniger Teile abgerufen werden, ist die Produktion seit Dezember zurück gefahren und für die Beschäftigten Kurzarbeit angesagt.

Fast in jedem Auto vertreten

Doch Spank ist froh, dass die Autokrise seinen Betrieb weit weniger hart trifft als den Mutterkonzern AKT in Gardelegen (Sachsen-Anhalt), der heftige Einbrüche zu verzeichnen hat. Denn in Doberschau ist die Spritzerei, wo Verkleidungen, Blenden oder Konsolen hergestellt werden, ohnehin das kleinere Standbein mit nur 28Mitarbeitern.

Im Hauptgeschäftsfeld, dem Formenbau, entstehen jene Werkzeuge, die für die Herstellung der verschiedenen Kunststoffteile im Spritzgussverfahren nötig sind. Dieser Bereich soll laut Geschäftsführer zum Kompetenzzentrum innerhalb des Konzerns ausgebaut werden, um von hier aus auch Märkte in Osteuropa, unter anderem in Russland, zu erschließen.

Dennoch macht Spank kein Hehl daraus, dass es auch in diesem Bereich immer schwieriger wird, Aufträge zu akquirieren. Unter dem herrschenden Preisdruck vergebe selbst der Mutterkonzern häufiger Aufträge nach China oder Portugal. „Früher haben wir zu 80Prozent für Gardelegen gebaut, heute sind es nicht mal mehr 40Prozent“, sagt Spank. Dennoch arbeite die Firma Wedo mit seinen insgesamt 175Beschäftigten, darunter 15Lehrlinge, nach wie vor zu 80Prozent für die Automobilindustrie. Ob Formen für Teile vom Handschuhfach, Armaturenbrett, die Front-Blende mit dem Opel-Zeichen oder den Mercedes-Stern für die Radkappen – „es gibt praktisch kein deutsches Auto, in dem wir nicht an irgendeiner Stelle vertreten sind“, sagt Spank. Aber auch Werkzeuge für Gehäuseteile von Haushaltsgeräten oder Computern wurden bei Wedo schon gefertigt.

Mit Blick auf die Autokrise versuche man, mehr von solchen Aufträgen hereinzuholen, „aber der Markt ist weitestgehend aufgeteilt“. Das hält Wedo jedoch nicht davon ab, weiter zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So fließt 2009 eine halbe Million Euro unter anderem in ein neues Tieflochbohrzentrum. „Damit können wir diese Technologie dann auch anderen Unternehmen als Dienstleistung anbieten.“ Auch eine eigene Poliererei wird gerade aufgebaut. Dort bekommen bestimmte Teile der Formen den letzten Schliff, damit die später damit gespritzten Kunststoffteile eine wirklich glatte Oberfläche haben.

„Wir haben jetzt Aufträge bis in den April“, blickt Siegfried Spank zuversichtlich voraus. Denn trotz aktueller Absatzprobleme arbeiten die Autohersteller an Neuentwicklungen. In die ist auch der Mutterkonzern in Gardelegen eingebunden, was für beide Standorte neue Aufträge mit sich bringt. Denn für neue Modelle werden schließlich auch neue Formen gebraucht.