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Werner Rößler klagt seit Jahren gegen Enso

Seit April 2005 streitet Werner Rößler mit der Enso (damals noch Esag). Der Seifhennersdorfer fordert Schadensersatz von dem Energieversorger. Auf Werner Rößlers Grundstück am Richterbergweg in Seifhennersdorf steht ein Freileitungsmast.

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Von Romy Kühr

Seit April 2005 streitet Werner Rößler mit der Enso (damals noch Esag). Der Seifhennersdorfer fordert Schadensersatz von dem Energieversorger. Auf Werner Rößlers Grundstück am Richterbergweg in Seifhennersdorf steht ein Freileitungsmast. Von diesem führt eine Freileitung in sein Haus.

Mit diesem Hausanschluss wird das Wohnhaus seit Jahrzehnten mit Strom versorgt, bis auf den Vorfall im April 2005 gab es keine Probleme. An besagtem Tag wurde die Stromversorgung unterbrochen, weil sich eine sogenannte Freileitungsklemme, die das Kabel hält, gelöst hatte. Es kam zu einer Überspannung, die elektrischen Geräte von Werner Rößler wurden zerstört. „Das passierte aus heiterem Himmel, es war kein Gewitter in Sicht“, erinnert sich Rößler. Auch ein Elektriker konnte im Haus nichts feststellen. Draußen am Mast sah er aber Funken schlagen.

Rößler schickte der Enso eine Schadensaufstellung. Auf eine Entschädigung wartet er bis heute. Mittlerweile hat er den Zittauer Rechtsanwalt Torsten Mengel mit dem Fall beauftragt. Mengel ärgert, dass die Enso in solchen Fällen meist nicht haftbar zu machen ist.

Keine Einigung in Sicht

„Das ist wie ein Staat im Staate“, sagt der Jurist. Dieser Status sagt er, sei überholt. Er rühre aus der Zeit her, in der die Versorger noch staatlich waren. Heute sei alles privatisiert. Mit seinen Kunden könne man als Unternehmen so nicht umgehen. „Die Enso beruft sich darauf, dass nicht fahrlässig gehandelt wurde, sondern die Anlagen regelmäßig überprüft worden sind.“ Der Stromversorger erklärt außerdem, es sei durchaus möglich, dass sich zum Beispiel durch Wind, solche Freileitungsklemmen lösen. Das könne man nicht gänzlich ausschließen, heißt es im Schriftverkehr der Enso mit dem Kläger.

Seit vier Jahren schreiben sich nun beide Seiten hin und her. Rechtsanwalt Mengel sagt, dass sein Mandant rein rechtlich gesehen wenig Chancen hat, seinen Schaden ersetzt zu bekommen. „Aber aus Gesichtspunkten der Kundenfreundlichkeit könnte die Enso einlenken“, so der Standpunkt des Anwalts.

Darauf lässt sich die Enso nicht ein. Pressesprecherin Claudia Kuba: „Das wäre ungerecht gegenüber anderen Kunden.“ Es habe kein Versäumnis des Stromversorgers gegeben. „Alles liegt im Rahmen des Möglichen.“ Ein Restrisiko bleibe immer. Dagegen könnte sich der Kunde mit einem technischen Überspannungsschutz absichern, der leicht einzubauen ist oder eine Versicherung abschließen, die auch Überspannungsschäden abdeckt. Trotzdem würde der Stromversorger natürlich alles dafür tun, das Risiko so gering wie möglich zu halten. Deshalb würden die Anlagen auch regelmäßig kontrolliert. Dass der Mast nicht gerade ein schönes Bild abgibt, habe nichts mit seiner Sicherheit zu tun, erklärt Claudia Kuba. „Er besteht aus Korrosionsträgerstahl.“ Da sei es normal, dass er Rost ansetzt.

Kein Erdkabel geplant

Außerdem dementiert die Presse-Sprecherin, dass Beschwerden wie die von Werner Rößler, immer zugunsten der Enso ausgingen. „Bei über 400000 Netzkunden kommen schon öfter Anfragen. Jeder Einzelfall wird geprüft.“

Dass es überhaupt noch Freileitungen gibt, sei nicht unüblich, so die Enso-Sprecherin. Aus Kostengründen werden Erdkabel nur dann verlegt, wenn die Leitung veraltet ist und ohnehin erneuert werden muss oder zum Beispiel im Zusammenhang mit Straßenbaumaßnahmen. Am Seifhennersdorfer Richterbergweg bleibt die Freileitung vorerst bestehen. Mast und Leitungen seien in gutem Zustand, es sei nicht vorgesehen, hier auf Erdkabel umzustellen.