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Ansturm auf dem Wertstoffhof

Nach zeitweiliger Corona-Pause haben seit Dienstag die Annahmestellen für Sperrmüll wieder geöffnet. Unglaublich, was da jetzt so alles ankommt.

Mitarbeiter André Lamer bedient die Sperrmüllpresse auf dem Wertstoffhof in Zittau-Pethau.
Mitarbeiter André Lamer bedient die Sperrmüllpresse auf dem Wertstoffhof in Zittau-Pethau. © Matthias Weber/photoweber.de

Es knirscht und kracht in der Sperrmüllpresse. Glas splittert, Holz birst, Plastik bricht. Ein junger Mann füttert die Maschine gerade mit Omas alter Badausstattung: Duschwände, Schränkchen, ein Waschbecken. Halt! André Lamer stoppt die Presse.

"Gehört das Waschbecken zum Schrank?" Der junge Mann nickt. Okay, kann weitergehen. Wäre das Waschbecken nur ein Waschbecken, dürfte André Lamer es nämlich nicht annehmen auf dem Wertstoffhof. Dann zählt das als Bauschutt. Aber ein Waschbecken mit Schrank ist ein Möbel, erklärt der Mann von der Müllabfuhr und zuckt bedauernd mit den Schultern. Verstehe diese Vorschriften, wer will. 

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André Lamer fährt bei der Entsorgungsgesellschaft Görlitz-Löbau-Zittau, kurz EGLZ, normalerweise in der Sperrmüllabfuhr mit. In dieser Woche aber hat der Chef ihn zur Verstärkung auf den Wertstoffhof nach Zittau abgestellt. Normalerweise schafft das Kollege Steffen Thomas dort alleine.

Aber in dieser Woche sind die drei Wertstoffhöfe im Landkreis nach dreiwöchiger Corona-Zwangspause erstmals wieder geöffnet. Es ist Frühling. Und vor allem: Alle haben jetzt Zeit zum Renovieren und zum Ausmisten. Der zu erwartende Ansturm auf die Annahmestellen von Sperrmüll, Schrott und Elektroschrott in Görlitz, Lawalde und Zittau könnte riesig werden, hat EGLZ-Chef Frank Ritter schon vorige Woche vermutet - und dürfte wohl Recht behalten.

Während der junge Mann die Müllpresse unermüdlich weiterfüttert, stehen schon die drei nächsten Fahrzeuge Schlange am Tor. Steffen Thomas darf immer nur einen auf den Hof lassen - Corona-Abstands-Vorschrift. "Wie in der Kaufhalle", schmunzelt er. Und besser zu viel als zu wenig Abstand.

Ausladen müssen die Kunden selber

Könnten die beiden EGLZ-Mitarbeiter nicht beim Abladen helfen, damit es schneller geht? Können sie leider nicht, sagen sie und erklären, dass das eine versicherungsrechtliche Frage sei. Es könnte ja passieren, dass sie beim Abladen irgendeinen Schaden am Fahrzeug des Kunden machen. Und dann? Wieder ein bedauerndes Schulterzucken.

Und so muss der nächste, ein älterer Mann, seinen alten Kühlschrank eben auch alleine aus dem Kombi wuchten. Hätte er sich mal noch jemanden zum Anpacken mitgebracht, so wie der Zittauer, der vorhin einen alten Teppichboden, zwei Matratzen und ein aus der Mode gekommenes Bambusrollo in die Presse gehievt hat.

Der Kühlschrank kommt in einen Extra-Container. Wenn der voll ist, geht er zu einem Entsorger nach Berlin. Der nächste ist René Burchert. Die Ladefläche des blauen Sprinters ist voll bis obenhin. "Wir haben ausgemistet", sagt der Mann aus Zittau. "Irgendwie muss man sich ja beschäftigen, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist." Und bei drei Generationen im Haus käme schon eine Menge zusammen: Kabel, Plaste, Bauteile, ein zerlegter Küchenschrank. Alles rein in die Presse.

Sperrmüll-Annahme ist kostenlos

René Borchert muss sich - wie alle anderen auch- noch in eine Liste eintragen, die im provisorischen "Bürocontainer" auf dem Wertstoffhof ausliegt. Die Annahme des Sperrmülls ist kostenlos für jeden, der im Landkreis seine Müllgebühren bezahlt. Entweder man schreibt sich in die Liste ein oder bringt eine der rosa Sperrmüllkarten mit, die dem Abfallkalender beiliegen.

Steffen Thomas und André Lamer kommen nicht zu ihrer Kaffeepause. Es ist ein ununterbrochenes Kommen an diesem Frühlingstag. Ein Fahrzeug nach dem anderen rollt auf den Hof: einer bringt alte Benzinkanister und ein altes Radio, einer eine ausrangierte Liege, ein anderer eine alte Gartenbank aus grünem Kunststoff. Ein Mann um die 60 kommt mit einem ganzen Kofferraum voller alter Leuchtstoffröhren. Rein damit. Den Inhalt des Eimers will Steffen Thomas erst mal sehen: Elektro-Zeug, aha. "Das muss dort drüben in die Baggerschaufel." Nur den Mann mit den Farbeimern muss Steffen Thomas wieder wegschicken: Farbreste gehören ins Schadstoffmobil.

Acht Tonnen ungefähr passen in so ein Sperrmüllfahrzeug. Sobald es voll ist, wird André Lamer es zur Hauptsammelstelle nach Lawalde fahren. Von dort holen den Inhalt dann die großen Ravon-Lkw ab und bringen ihn zur Müllverbrennung nach Lauta.  "Wird nicht mehr lange dauern", schätzt er mit Kennerblick. "Gleich voll, die Kiste". Ein zweites Fahrzeug steht für den nächsten Schub schon bereit. André Lamer wird wohl ein paarmal hin und her fahren müssen.

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Denn die Fahrzeugschlange am Tor reißt nicht ab. "Im Frühling ist der Ansturm immer groß", weiß Steffen Thomas aus Erfahrung. "Da renovieren die Leute und entrümpeln. Und jetzt, da viele zwangsweise zu Hause sind, haben sie dazu auch noch viel mehr Zeit als sonst", sagt er und richtet sich auch weiter auf eine arbeitsreiche Woche ein. 

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