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Wertvolle Nibelungen-Bilder kehren nach Meißen zurück

Das Stadtmuseum hat gestern begonnen, über zwölf Quadratmeter große Kartons an der Westwand der Franziskanerkirche aufzuhängen.

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Von Peter Anderson

Ab Freitag ist Meißen um eine Attraktion reicher. In der Franziskaner-Klosterkirche sollen dann acht Kartons des Dresdner Malers Julius Schnorr von Carolsfeld ausgestellt werden. Sie zeigen Zeichnungen aus dem Nibelungenlied. Nach ihrem Vorbild wurden in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts die so genannten Nibelungensäle in der Münchner Residenz der bayerischen Könige ausgemalt.

Seit gestern Vormittag ist die Mannschaft des Museums damit beschäftigt, die riesigen Kartons an der Westwand der alten Klosterkirche aufzuziehen und zu befestigen.

Als problematisch erwies sich gestern die Beschaffenheit der Westwand. Museums-Chefin Martina Fischer zufolge wurde die Wand beim Ausbau der Kirche nur vorgeblendet. In dem porösen Material dahinter fanden die Dübel zunächst keinen Halt. Mit Argusaugen überwachte Restaurator Jürgen Knoop aus Dresden die Arbeiten im Museum. Monatelang hatte er zusammen mit seinem Kollegen Carsten Wintermann die verschimmelten und bröckligen Kartons instand gesetzt. Jetzt sollen sich durch das Hängen an der riesigen Klosterwand die letzten Falten glätten. Eine Rahmenkonstruktion wurde verworfen. Die Spannungen im Papier hätten zu stark werden und Risse hervorrufen können.

Zur Eröffnung am Freitag wird der Mann erwartet, dem die wundersame Rettung der über 100 Jahre in Meißen lagernden Kunstwerke zu verdanken ist. Der Münchner Kaufmann und Kunsthistoriker Stephan Seeliger hatte 15000 Euro gespendet, um die Papierrollen vorzeigbar machen zu lassen.

In Meißen waren die Kartons im Jahr 1901 eher durch einen Zufall gelandet. Erben des großen Malers schenkten die Zeichnungen der Stadt, als das Museum gegründet wurde. Über die Jahrzehnte gerieten die insgesamt 24 großformatigen Arbeiten immer stärker in Vergessenheit, bis sie jetzt wieder entdeckt und ein Drittel von ihnen restauriert werden konnte. Für die restlichen 16 Kartons werden noch Spender gesucht.