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Wertvolle Sessel sollen restauriert werden

Die Neschwitzer Kultur- und Heimatfreunde werben um Spenden. Die Sessel werden seit Kurzem auch für Trauungen genutzt.

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© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Um die beiden Sessel ranken sich Legenden. Nachprüfbar ist es heute nicht mehr, aber man erzählt sich in Neschwitz, jemand habe sie im Frühjahr 1945 aus dem brennenden Neuen Schloss gerettet. Fakt ist, dass die wertvollen Stücke aus der Zeit des Rokoko in Privatbesitz gelangten und somit sie von ihrer Vernichtung verschont blieben. „Die beiden Sessel gehören zu den wenigen Gegenständen aus dem Neuen Schloss, die erhalten geblieben sind“, sagt Denkmalpfleger Heinz Rentsch aus Doberschütz. Das mache sie besonders wertvoll.

Die Möbelstücke gelangten auf verschlungenen Wegen nach Flatow bei Berlin. Ihr letzter Besitzer, Günter Rentsch, der mit Heinz Rentsch nicht verwandt ist, übergab die Sessel vor fünf Jahren an die Kultur- und Heimatfreunde Neschwitz. Der Zustand, besonders des einen Sessels, der zurzeit im Heimatmuseum ausgestellt ist, ist sehr schlecht. Das Korbgeflecht ist zerrissen, eine Verzierung wurde abgesägt, weil der Sessel unter eine Dachschräge passen sollte. Außerdem standen die Sessel wohl einige Zeit im Freien auf einer Terrasse, was ihre Substanz weiter angriff. Die grüne Farbe des Sessels ist nicht originalgetreu. Die Polster fehlen ganz.

Bereits seit einem Jahr sammeln die Kultur- und Heimatfreunde Spenden für die Restaurierung der beiden Sessel. „Bislang sind 1 100 Euro eingegangen“, sagt Vereinsmitglied Robert Burkhardt, der sich vor allem im Museumsverein engagiert. Nun soll die Spendenakquise forciert werden. Denn für die Restaurierung werden wohl um die 10 000 Euro nötig sein, schätzt der Kirchenmaler und Restaurator Heinz Rentsch ein. Die genaue Summe werde davon abhängen, inwieweit die kompliziert aufgebauten Kreide-Untergründe erhalten werden können oder komplett neu aufgebaut werden müssen.

Heinz Rentsch hat bereits eine sogenannte Musterachse angefertigt, die erahnen lässt, wie prächtig die Sessel nach ihrer Restaurierung wieder aussehen könnten. „Wir wollen so viel Originalsubstanz wie möglich erhalten“, sagt Heinz Rentsch.

Das Museumsfest vor Kurzem war eine gute Gelegenheit, um möglichst viele Menschen auf die Sessel aufmerksam zu machen. Ein Spendentopf wurde deshalb aufgestellt. Ein Auszug aus dem Buch „Letzter Herr auf Schloss Neschwitz“ zeigt ein Foto mit den beiden Sesseln im originalen Ambiente des neuen Schlosses.

Die Kultur- und Heimatfreunde bemühen sich um einen Termin, bei dem Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Landesamtes für Denkmalpflege an einen Tisch geholt werden sollen, um Fördermöglichkeiten auszuloten. Voraussetzung dafür, dass das Vorhaben gefördert werden kann, ist aber, dass die Neschwitzer ihren Eigenanteil aufbringen. Deswegen sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um Gönner und Förderer zu finden. Auf jeden Fall soll auch bei den Konzerten der laufenden Saison im Alten Schloss. Im Alten Schloss sollen die beiden Sessel nach der Restaurierung dann auch ihren endgültigen Platz finden. Dort befinden sich bereits zwei Sessel, die erfolgreich restauriert wurden und die jetzt unter anderem bei Trauungen genutzt werden.

Ganz haben die Kultur- und Heimatfreunde die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auf irgendwelchen Dachböden oder in Scheunen noch weitere Zeugnisse aus dem kriegszerstörten Neuen Schloss schlummern könnten. Hinweise sind erwünscht.