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Weshalb Auto-Schrauber spenden

Seit mehreren Jahren überweist der Freundeskreis „8101“ dem Epilepsiezentrum in Kleinwachau Geld. Das ist auch im Herbst wieder so.

Martin Friedrich in der Werkstatt des Freundeskreises „8101“ in Lomnitz. Bei der Zahl handelt es sich um die alte Postleitzahl des Ortes. Vom 23. bis 25. August lädt der Freundeskreis zum Autotreffen auf das Gelände der ehemaligen Polizeischule in Feldsch
Martin Friedrich in der Werkstatt des Freundeskreises „8101“ in Lomnitz. Bei der Zahl handelt es sich um die alte Postleitzahl des Ortes. Vom 23. bis 25. August lädt der Freundeskreis zum Autotreffen auf das Gelände der ehemaligen Polizeischule in Feldsch © Steffen Unger

Lomnitz. Im vergangenen Jahr kamen immerhin 800 Euro zusammen, wie viel es in diesem Jahr sein werden, steht in zwei Wochen fest. Klar ist aber jetzt schon, dass das Geld wieder an die Förderschule im Epilepsiezentrum Kleinwachau geht. „Ja, das ist ganz sicher“, sagt Martin Friedrich.

Er steht in einer kleinen Werkstatt in Lomnitz, umgeben von tiefergelegten VW Sciroccos mit breiten Reifen und gut 300 PS unter der Haube. Fahrer solcher Autos würde man eher als gute Kunden der Bußgeldstelle vermuten, denn als Spender für Epilepsiepatienten. Wie kam es also zu der ungewöhnlichen Konstellation?

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Begonnen hat alles 2016. „Wir sind ein Freundeskreis von acht Autobegeisterten“, sagt Martin Friedrich, der als KFZ-Meister im Autohaus Franke in Bischofswerda arbeitet. In den Wintermonaten schrauben sie an den Wagen herum. Im Frühjahr geht es zum VW-Pfingsttreffen nach Bautzen. Dazu Wochenendausfahrten zu den bekannten Serpentinen bei Hohnstein. „Das ist alles sehr toll, doch etwas fehlte. Ein Termin, bei dem wir uns mit all denen zusammensetzen, die wir beispielsweise beim Pfingsttreffen kennengelernt haben.“ Deshalb die Idee, selber ein Wochenende zu organisieren, die Autos zusammenzustellen und über Motorplatzer oder das beste Chrom-Putzmittel zu quatschen. „Das haben wir das erste Mal 2016 gemacht. Damals noch auf dem Sportplatz in Lomnitz.“ 

Autos auf dem Exerzierplatz

Das Treffen war ein Erfolg. Dutzende Fahrer kamen mit ihren Autos. Auch das Publikum war begeistert. Es musste eine Fortsetzung geben. „Allerdings war inzwischen der Sportplatz saniert worden. Autos durften den Platz nicht mehr befahren. Wir mussten uns einen anderen Ort suchen.“ Martin Friedrich wusste von der großen Freifläche auf dem Gelände der ehemaligen Polizeischule in Feldschlößchen. „Ich habe dann beim Verwalter nachgefragt und die Zustimmung bekommen. Das Gelände ist ideal für uns. Ausreichend Platz und der morbide Charme passt, wie wir finden, gut zu den Autos.“ Das Treffen 2017 lockte dann noch mehr Fahrer und Besucher an, genauso das Event im vergangenen Jahr. „Wir haben dann auf dem Polizeischul-Gelände eine immer größere Fläche belegt.

Auch diesmal wird ein Teil der Autos auf dem ehemaligen Exerzierplatz stehen.“ Die Zahl der Ausstellungsfahrzeuge wird allerdings auch diesmal gedeckelt. „Wir haben maximal einhundert Stellplätze zu vergeben. Dann kommen noch unsere eigenen Wagen dazu, sodass insgesamt rund 120 Fahrzeuge zu sehen sind.“ Aufstellung nehmen dabei nicht nur getunte VWs. „Es ist alles dabei vom US-Car bis zum Oldtimer. Es ist eine ganz bunte Mischung, die die Besucher bestaunen können.“ Auch die Fahrer kommen nicht nur aus der Umgebung. „Die Weitesten reisen aus der Schweiz und dem Ruhrpott an“, sagt Martin Friedrich.

Viele kommen schon am Freitag, dem 23. August, auf das Gelände in Feldschlößchen und übernachten dann in Wohnwagen. Die meisten stellen ihre Fahrzeuge aber erst am Sonnabendmorgen auf. „Das ist dann auch der Hauptausstellungstag. An dem Tag werden die Autos von einer Jury bewertet. 16 Pokale haben wir zu vergeben. Da geht es um die Verarbeitung, um Details bei den Umbauten.“ Am Abend steigt dann eine Party. Drei DJs sind gebucht. „Das gab es anfangs nicht. Aber nach der Pokalvergabe einfach auseinandergehen, das wollten wir nicht.“ Besonders freut er sich auf die morgendlichen gemeinsamen Frühstückstafeln. „Am Sonnabend und Sonntag sitzen dann alle, die auf dem Gelände übernachtet haben, zusammen. Ich bringe die Brötchen mit.“

Vorbereitung macht viel Arbeit

Für Martin Friedrich und seine Freunde bedeutet das Treffen allerdings auch viel Arbeit: Dixie-Klos aufstellen, Wasseranschlüsse legen und für Notstrom sorgen. „Gerade eben habe ich die Ausstellungsfläche mit einer Kehrmaschine gereinigt. Schließlich will sich ja niemand einen Nagel einfahren.“ Das Treffen sei überhaupt nur möglich, weil viele mithelfen und auch Technik kostenlos zur Verfügung stellen. „Das Notstromaggregat, die Kehrmaschine, selbst der Radlader, mit dem sie her transportiert wurde, stellen meist befreundete Firmen bereit.“

Der Eintritt kostet für das gesamte Wochenende fünf Euro, wer nur zur Party am Sonnabend ab 19 Uhr möchte, bezahlt sieben Euro. „2017 haben wir nach Abzug aller Kosten erstmals ein kleines Plus erwirtschaftet. Das stellte sich die Frage, was wir damit machen. Schnell waren wir uns einig, dass das Geld gespendet wird. Wir wollten von Anfang an nie Geld mit dem treffen verdienen.“ Martin Friedrich hat dann mit dem Epilepsiezentrum Kontakt aufgenommen. „Uns war wichtig, dass es eine Einrichtung in der Region ist, dass unser Geld auch wirklich dort verwendet wird und dass es Bedürftigen zugutekommt. Das ist im Epilepsiezentrum alles gegeben.“

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