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Weshalb die Produktion von Sicherheitsgurten zurückgeht

In den vergangenen Jahren verzeichnet Autoliv einen Abwärtstrend beim Umsatz und der Mitarbeiterzahl. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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Von Cathrin Reichelt

Es ist Urlaubszeit – nicht nur bei uns, sondern auch in Ländern, in denen Zulieferbetriebe der Autoliv Sicherheitstechnik GmbH ihren Sitz haben. Deshalb wird in dem Döbelner Unternehmen, das Sicherheitskomponenten für Fahrzeuge herstellt, zurzeit nur im Zweischichtbetrieb gearbeitet. In den Ferien sei das aber nicht problematisch. Ab nächster Woche werde der Drei-Schicht-Betrieb wieder aufgenommen, erklärt Werkleiterin Silvia Tagge bei einem Besuch von Torsten Herbst. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP im sächsischen Landtag nutzt seit Jahren den nicht ganz so arbeitsreichen Sommer, um sich in einigen Unternehmen in Sachsen umzusehen und deren Sorgen vor Ort anzuhören.

Das größte Problem von Autoliv ist der seit Jahren anhaltende Rückgang des Umsatzes und damit einhergehend der Mitarbeiterzahl. Haben 2004 noch 514 Mitarbeiter knapp 28 Millionen Produkte im Jahr hergestellt, sind es zurzeit noch 246 Frauen und Männer, die reichlich 13 Millionen Erzeugnisse fertigen. Ein Ende dieses Trends sei nicht abzusehen, sagt Silvia Tagge auf Anfrage des Döbelner Anzeigers. Als Grund nennt die Werkleiterin vor allem Großkunden, die nicht mehr bereit sind, für das gleiche Produkt hier mehr zu bezahlen, als im Ausland. Sie würden dann beispielsweise nach Rumänien ausweichen. Zwar sei das Material dort auch nicht billiger als in Deutschland, aber der Lohn für die Mitarbeiter. Dadurch sei es möglich, ein preiswerteres Endprodukt anzubieten. Auch die Preise der Produkte, die Autoliv verkauft, sind stark gesunken. „Vor zehn bis 15 Jahren haben wir pro Stück das Doppelte bekommen wie heute“, sagt die Chefin.

Da hilft auch der Standort nicht mehr, den Autoliv im Jahr 1991 bei seiner Ansiedlung in Döbeln bewusst gewählt hat. „Die Stadt liegt zentral, und hier gab es Mitarbeiter mit einem großen Wissen in der Branche“, so Silvia Tagge. Denn die ersten 27 Angestellten kamen aus dem ehemaligen DBM (Döbelner Beschläge- und Metallwerk), das ebenfalls Zulieferer der Autoindustrie war. Viele dieser Mitarbeiter sind bis heute bei Autoliv beschäftigt. Dort scheinen die Rahmenbedingungen prinzipiell zu stimmen. Denn die Werkleiterin hat festgestellt, dass Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, irgendwann wiederkommen.

Das Produktionssystem im Unternehmen ist in eine ganz spezielle Richtung ausgerichtet. „Unser Ziel ist es, Leben zu retten – jeden Tag. Jeder Mitarbeiter muss sich bewusst sein, dass er eine gewisse Verantwortung hat“, meint Silvia Tagge. Auch den Zulieferern, die sich über die ganze Welt verteilen, werde dieses Prinzip nahe gebracht. „Wir haben grundsätzlich keine schlechten Erfahrungen mit Lieferanten gemacht“, so die Chefin. Bei Problemen kämen die nach Döbeln und schauten sich die Produktion an, um die Schwierigkeiten besser verstehen und abstellen zu können. Zurzeit seien deshalb Türken im Werk.