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Wespenalarm im Wohngebiet

Töpferstraße. Im Sommer haben die Kammerjäger in Bautzen besonders viel zu tun. Ratten, Motten und Ameisen nisten sich in Häusern und Gärten ein.

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Von Heiko Engel

Schädlingsbekämpfer Karsten Pech packt seinen Wespenkoffer für den Einsatz in Gesundbrunnen. Ein letzter Kontrollblick: Imkerhut mit Bienenschleier, tödliches Wespengas und Spezialschaum – alles da. Der heiße Sommer beschert Karsten Pech und seinen Kollegen zurzeit volle Auftragsbücher. „Ich bin zwölf Stunden unterwegs, weiß manchmal gar nicht, wo ich zuerst hinfahren soll“, sagt der 49-Jährige. Gelernt hat er Zahntechniker, sattelte um und rückt seit 1984 Ungeziefer auf den Leib. 1988 legte Karsten Pech die Meisterprüfung ab und übernahm vor einigen Jahren die Bautzener Holzschutz- und Schädlingsbekämpfungs-GmbH in der Töpferstraße.

Der Senftenberger steuert seinen Lieferwagen mit dem Firmenlogo durch den dichten Stadtverkehr. Das kommt nicht bei allen Kunden gut an. „Manche legen Wert auf Diskretion“, sagt Karsten Pech. „Dann nehme ich ein Auto ohne Aufschrift.“ Lebensmittelhersteller wollen eben nicht mit Ratten, Mäusen oder Schaben in Verbindung gebracht werden. Dabei tummelt sich in Backstuben und Wurstküchen meistens gar kein Ungeziefer, Karsten Pech: „Ich mache vorbeugende Schädlingsbekämpfung.“ Mit giftfreien Lockstoffen auf Klebefallen zum Beispiel.

In Wohnungen sind es oft Lebensmittel-Motten, die sich in halb vollen Packungen ganz hinten im Schrank rasend schnell vermehren und Mieter in Panik versetzen. „Ich gebe erst Tipps, was ohne Gift geht. Wenn das nicht hilft, kommt die chemische Keule“, erzählt Karsten Pech. Das überlebt zwar keine Motte, aber Schränke und Regale müssen danach sorgfältig ausgewaschen werden. – Jetzt im Sommer sind es vor allem Ameisen, die in Wohnungen und Kellern nach Nahrung suchen. „Egal, ob Alt- oder Neubau“, weiß der Ungeziefer-Experte. Er legt vor den Häusern Köder aus, die die Ameisen in ihr Nest tragen. „Dadurch wird die Königin vergiftet, legt keine Eier mehr und das Volk stirbt.“ Drinnen arbeiten Karsten Pech und sein Angestellter mit „Ameisengel“. Immer wieder muss er sich auch um Ratten kümmern. „Die Tiere kommen oft aus der Kanalisation hoch.“ Durch die Trockenheit finden sie in den Rohren kaum noch etwas zu fressen, und auch die Urlaubszeit sorgt für Nahrungsmangel. „Da werden Toiletten weniger gespült.“

Karsten Pech hält vor einem der Wohnblocks in der Max-Planck-Straße, vor der Eingangstür im Innenhof sind die Insekten schon zu sehen. Unter der Dämmung haben sie sich eingerichtet, summen geschäftig um die Glastür, verschrecken die Bewohner. „300 bis 500 Tiere leben in einem Nest“, schätzt Karsten Pech, zieht sich den Imkerhut über, sprüht für Wespen tödliches Gas hinein und verschließt anschließend das Einflugsloch mit Schaum. „In ein, zwei Stunden ist von den Wespen nichts mehr zu sehen.“ Zehn Minuten später sitzt er wieder im Wagen, der nächste Wespen-Einsatz wartet.