merken
PLUS Görlitz

Wespensommer kommt auf Hochtouren

An einem Tag behandelt die Notfallambulanz im Klinikum fünf Patienten mit Wespenstichen.

Eine Wespe nascht Erdbeerkonfitüre auf einem Brötchen.
Eine Wespe nascht Erdbeerkonfitüre auf einem Brötchen. © Peer Grimm/dpa (Archiv)

Der Görlitzer wollte nur gemütlich frühstücken. Am Sonnabend in seinem Lieblingscafé, mitten in der Stadt. Herzhaft biss er in ein belegtes Brötchen herein, um kurz danach einen starken Schmerz in der Zunge zu spüren. Er hatte eine Wespe übersehen. Obwohl die Café-Mitarbeiter ihn gleich mit Eis versorgten, wurde es kurz darauf eng im Mund, der Stich schwoll an. Also ab in die Notaufnahme des Görlitzer Klinikums.

Dort war er an diesem Sonnabend nicht der einzige Patient. Fünf Personen stellten sich mit Wespen- oder Bremsen-Stichen vor, bestätigt Klinikums-Sprecherin Katja Pietsch gegenüber der SZ. Darunter zwei "richtige" Notfälle, aber  bei allen bestand keine Lebensgefahr, ein Patient kam sogar erst zwei Tage nach dem Stich ins Klinikum. 

JABS
JABS – Euer Zukunftsportal
JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

Bislang prägten Mückenschwärme diesen Sommer, deren Bestand wuchs durch das wechselhafte Wetter im Juli. Dass im Moment aber aus dem Mücken- ein Wespensommer wird, kommt für die Mediziner nicht überraschend. "Bei Wespen entwickelt sich ab Ende Juli, Anfang August die höchste Individuenzahl, was wir dann als starke Aktivität wahrnehmen", erklärt Katja Pietsch. "Damit erhöhen sich automatisch auch die Zahl der gestochenen Menschen und deren Behandlungszahlen." Insofern gehören Wespenstiche jetzt zum Alltag für Rettungsdienste. 

Allerdings tut sich die Wissenschaft schwer, generelle Aussagen zum Wespenbestand zu tätigen. Dr. Andreas Taeger, Leiter des Deutschen Entomologischen Instituts von Senckenberg im brandenburgischen Müncheberg, verweist auf viele Faktoren, die ganz lokal dazu führen, dass Wespen mehr oder weniger auftreten. Anders als bei Mücken wird der Wespenbestand auch nicht beobachtet deutschlandweit. Wenn aber ein Nest in der Nähe ist, dann könnte schon der Eindruck entstehen, dass mehr Wespen fliegen.

Nicht nur der Wespenbestand kann sehr unterschiedlich sein, auch die Reaktion der Menschen auf einen Stich. Während mancher nur eine kleine Schwellung von wenigen Minuten feststellt, können sie sich bei anderen bis zu einer Größe von 30 Zentimetern auswachsen, tagelang anhalten und auch zu Quaddeln am ganzen Körper, Hitzewallungen, Frösteln, Kreislauf- oder Magen-/Darmbeschwerden führen. Dann sollte man den Notarzt rufen oder die Notambulanz der Kliniken aufsuchen, das trifft auch bei Atemproblemen oder Schwellungen im Mund- oder Halsbereich zu.  "Dort werden dann Medikamente in die Blutbahn gegeben und die Patienten sowie ihre Vitalfunktionen überwacht", erklärt Katja Pietsch.

Weiterführende Artikel

Die Dresdner Wespenretterin

Die Dresdner Wespenretterin

Marion Loeper fängt Bienenschwärme ein und setzt Wespennester um. In diesem Sommer hat sie besonders viel zu tun. Das liegt auch an Corona.

Wespen blockieren Briefkasten in Hähnichen

Wespen blockieren Briefkasten in Hähnichen

In Hähnichen haben sich Wespen ausgerechnet in einem Briefkasten der Deutschen Post ein Nest gebaut. Kunden müssen ihre Post jetzt anderswo einstecken.

So erlebte es auch der Görlitzer am Sonnabend. Er bekam mehrere Infusionen gegen Entzündungen sowie Kühlungen im Mund. Und konnte abends wieder nach Hause, dankbar über die schnelle Hilfe im Klinikum. Auch bei den anderen vier Patienten verlief alles glimpflich. Nach einigen Stunden der Überwachung in der Notfallambulanz wurden sie nach Hause geschickt.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz