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West-Studenten gehen die Vorurteile aus

Rund 14 Prozent der TU-Studenten stammen aus den alten Bundesländern. Ihre Einstellung zur Stadt ändert sich positiv, je länger sie in Dresden leben.

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Von Juliane Bauch (Umfrage)und Andreas Rentsch (Text)

Kim-Astrid Magister kennt die Vorbehalte gegenüber Dresden nur zu gut. Hier lebten viele Rechtsradikale, es werde ein fürchterlicher Dialekt gesprochen und ein wenig altbacken komme die Stadt auch daher. „So reden meist diejenigen, die noch gar keine richtigen Erlebnisse hatten“, sagt die Sprecherin der Technischen Universität (TU). Wer dagegen ein paar Semester hinter sich habe, rede meist ganz anders über seine Wahlheimat. Dass der Studienstandort Dresden die gängigen Vorurteile entkräften kann, zeigt die konstante Zahl von angehenden Akademikern aus den alten Bundesländern, die sich hier immatrikulieren lassen. Im Wintersemester 2008/2009 lag diese Quote bei knapp 14 Prozent. Zum Vergleich: 31,5 Prozent der rund 35000 Studenten kommen direkt aus Dresden, 22,5 Prozent aus dem Umland und dem Rest von Sachsen. Der Rest verteilt sich auf die anderen neuen Bundesländer (22 Prozent) und das Ausland (zehn Prozent).

Um den Kreis derer, die fern ihres Wohnorts studieren möchten, streiten sich viele Hochschulen. Bei den Technischen Universitäten verortet Kim-Astrid Magister die Konkurrenz in München, Aachen oder Braunschweig. Interesse verzeichnen die Studienberater vor allem aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Max Weidner ist vor zweieinhalb Jahren aus Bayreuth nach Dresden gezogen. Der 22-Jährige will Chemieingenieur werden. „Das kann man bundesweit nur an fünf Orten studieren.“ Als er sich zwischen München und Dresden entscheiden musste, wählte er schließlich die Uni, an der er keine Studiengebühren zahlen musste: Dresden.

Bereut hat der gebürtige Franke die Entscheidung nicht. Im Gegenteil: Als er vor einigen Monaten gefragt wurde, ob er für eine Image-Kampagne der sächsischen Hochschulen zur Verfügung stünde, sagte er zu. Auf der Webseite „Pack dein Studium“ findet sich nun seine „Erfolgsgeschichte“. Was fehlt, sind die weniger positiven Anfänge: Auch ihm sei der Start in Dresden nicht grundsätzlich leicht gefallen, sagt Weidner. „Ich wusste nicht, wie die Leute in meinem Alter hier so drauf sind. Nur wenige aus meinem Jahrgang sind fürs Studium in den Osten gegangen.“ Daran ändert sich offensichtlich trotz aller Werbung nicht viel. Allenfalls ganz leicht steige die Quote der Erstsemestler aus den alten Bundesländern, konstatiert TU-Sprecherin Kim-Astrid Magister.

Max Weidner hat Dresden schätzen gelernt – wenngleich er jetzt schon sicher ist, dass es ihn nach seinem Diplom woanders hin verschlagen wird. Konkret heißt das: Richtung Norden, nach Hamburg oder Bremen. Dort bieten die Niederlassungen der Kraftstoff-Multis die Chance auf einen Einstieg in die Jobwelt der Erdölbranche.