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Zittau

Westernparodie auf der Waldbühne

Das Zittauer Theater bringt den Film "Vier Fäuste für ein Halleluja" als Welturaufführung auf die Jonsdorfer Bühne – aber nicht als 1:1-Kopie. 

Axel Stöcker inszeniert das Waldbühnen-Stück „Vier Fäuste für ein Halleluja“, das auf dem gleichnamigen Film mit Bud Spencer und Terence Hill basiert.
Axel Stöcker inszeniert das Waldbühnen-Stück „Vier Fäuste für ein Halleluja“, das auf dem gleichnamigen Film mit Bud Spencer und Terence Hill basiert. © Jan Lange

Wer kennt sie nicht, jene legendäre Szene, in der Terence Hill alias Trinity dem Falschzockerprofi Wildcat Hendricks sein ganzes Geld beim Poker abnimmt und ihm noch einige deftige Backpfeifen spendiert. Auch Axel Stöcker ist diese Szene aus "Vier Fäuste für ein Halleluja" in Erinnerung geblieben. Nun kann der Regisseur und Autor sie auf der Waldbühne Jonsdorf umsetzen. 

Das Zittauer Theater bringt die Westernparodie auf die Bühne – als Welturaufführung. Um die Rechte haben die Zittauer lange gekämpft. Im Vorjahr konnten sie ihren großen Coup verkünden, dass sie als erstes Theater überhaupt den Spencer-Hill-Film auf die Bühne bringen. Für die Realisierung ist mit Axel Stöcker ein erfahrener Waldbühnen-Akteur verpflichtet. Er inszenierte hier 2011 "Der Schatz im Silbersee" und lieferte in den Vorjahren die Buchvorlagen für die Waldbühnen-Abenteuer.

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Der Film mit Bud Spencer und Terence Hill, der 1972 in die bundesdeutschen Kinos kam, begeisterte seinerzeit auch Axel Stöcker. "Die Mischung von dummen Sprüchen und Hau-Drauf-Action war unglaublich", erinnert er sich an den Kinohit.

Die Bekanntheit des Films setze ihn nicht mehr unter Druck als andere Inszenierungen. "Die Zuschauer kommen mit bestimmten Erwartungen zur Waldbühne", weiß der erfahrene Regisseur. "Diese Erwartungen muss man auch bedienen." Gleichzeitig will ein Regisseur dem Stück eine eigene Handschrift geben. Die Frage sei deshalb, wie weit man sich ans Original halten muss und wie weit man abweichen kann. Dass der Film nicht 1:1 umgesetzt wird, ist schon allein der Waldbühne geschuldet. Sie diktiert bestimmte Bedingungen. "Für uns wäre es das größte Lob, wenn die Zuschauer den Film wiedererkennen, aber trotzdem den typischen Waldbühnen-Spaß erleben", sagt der Regisseur.

Mancher fragt sich, wie auf der waldigen und felsigen Umgebung der Waldbühne eine Western-Atmosphäre entstehen kann. Indem man den Wald und die Felsen nicht mit einbezieht, meint Stöcker und ergänzt, dass das gar nicht erforderlich sei. "Die Waldbühne sieht anders aus als die Western-Drehorte in Spanien und Italien. Das können wir nicht ändern", so der Theatermann. Dennoch soll so gut wie möglich eine Western-Atmosphäre entstehen. Die vordere, mit Sand bedeckte Bühnenfläche wird jene Wüste sein, die am Filmanfang eine wichtige Rolle spielt. Das Kloster und der Saloon, auch wichtige Film-Spielorte, dürfen nicht fehlen. "Wir können aber nicht umbauen", beschreibt Stöcker die Herausforderung für die Bühnenbildner.

Eine weitere, nicht ganz einfache Aufgabe war die Besetzung der Hauptrollen. Auch hier haben die Zuschauer bestimmte Erwartungen. Florian Graf spielt Trinity, der von Terence Hill dargestellt wurde, Andreas Hüttner ist Bambi, jene Figur, die Bud Spencer verkörperte. Während Graf fest am Haus engagiert ist und seit Längerem für die Terence-Hill-Rolle feststand, ist Hüttner als Gast tätig. Unbekannt ist er dem Zittauer Publikum nicht: Er war am Gerhart-Hauptmann-Theater von 1998 bis 2002 fest engagiert. Von seinen zahlreichen Rollen blieb vor allem eine in Erinnerung: der Borge in der "Olsenbanden"-Inszenierung. Auch die beruhte auf einem überaus erfolgreichen Kinofilm.

Die aktuelle Inszenierung dreht sich um die ungleichen Brüder Bambi und Trinity, die ihr Glück als Pferdediebe und Gauner versuchen. Doch dann müssen sie sich dem Verbrecher Parker und seiner Bande entgegenstellen, um nicht nur die Siedler, sondern auch eine komplette christliche Mission zu beschützen. Und dabei fliegt schon mal die eine oder andere Faust.

"Wir werden die Schauspieler nicht kopieren", erklärt Axel Stöcker. Wichtig bei der Umsetzung sei aber, was die Figuren kennzeichne und was sie in bestimmten Situationen machen würden. So darf Bud Spencers Schlag auf den Kopf nicht fehlen. Auch die Schlitzohrigkeit von Hill wird Florian Graf auf die Bühne bringen. Seit einigen Tagen probt das Team direkt auf der Waldbühne, wo „Vier Fäuste für ein Halleluja“ am 29. Juni seine Premiere feiert. Danach sind weitere 24 Vorstellungen geplant. Das sind mehr Aufführungen als in den Vorjahren, denn das Interesse der Fans nach Karten ist groß.

Zum Programm

Premiere: 29. Juni, 17 Uhr, auf der Waldbühne Jonsdorf

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Preise: 17 Euro; 12,75 (ermäßigt); Kinder und Schüler bis 14 Jahre zahlen 5 Euro

Karten: 03583/77555870, SZ-Treffpunkt Zittau, Neustadt 18

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