merken
PLUS

Zittau

Wie gefährlich ist Corona-Zwangspause? 

Im Westpark-Center in Zittau steht alles still. Geschäftsführer Heiko Wasser erklärt, woher er Hilfe bekommt, was zu tun ist und warum er Gänsehaut bekommen hat.

Sich buchstäblich durch die Corona-Zwangspause durchboxen, müssen sich Unternehmen wie das Westpark-Center in Zittau, das geschlossen hat.
Sich buchstäblich durch die Corona-Zwangspause durchboxen, müssen sich Unternehmen wie das Westpark-Center in Zittau, das geschlossen hat. © Rafael Sampedro (Archiv)

Heiko Wasser ist im Corona-Pausen-Modus. Der Geschäftsführer hat seinem Unternehmen ab dem morgigen Dienstag eine Zwangspause verordnet. "Wir haben uns am Appell des Zittauer Oberbürgermeisters orientiert - zum Schutz unserer Kunden, und natürlich der Mitarbeiter", sagt Wasser.  Etwa 600 Kunden steuern das Westpark-Center am Tag gewöhnlich an, darunter auch viele, die zur Corona-Risikogruppe gehören. Bis zum 19. April wird es nun nicht möglich sein, zu trainieren, Kurse zu besuchen, etwas zu essen oder gemütlich zu bowlen. "Allein der Betriebsausfall summiert sich bei uns auf bis zu 70.000 Euro im Monat", rechnet Heiko Wasser vor. Darunter sind zum einen die fehlenden Einnahmen und zum anderen die trotz Schließung bleibenden Ausgaben. Wie soll das gehen?

Mit den Fragen hat sich der Center-Chef intensiv beschäftigt. Einen Antrag auf Kurzarbeitergeld für die zehn Vollzeit-Angestellten habe er über das Lohnbüro schon eingereicht. "Das bringt auch was", sagt er. Mit bis zu 25.000 Euro Lohnkosten im Monat muss er mindestens rechnen, dass es hier Hilfe gibt, erleichtert einiges. Auch von der Möglichkeit, Unterstützung für laufende Kosten und Kredite zu bekommen, hat er gehört. Aber derzeit kommt er mit ersten Maßnahmen klar: "Die Banken sind da derzeit sehr entgegenkommend, man kann vieles stunden - außer den Zinsen", sagt er. Zudem verfüge sein Unternehmen zum Glück über eine Reserve, mit der er eine gewisse Zeit überbrücken kann.

Anzeige
Der perfekte Ort für (D)eine Ausbildung!

Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

Runterfahren, was runterzufahren geht

Diese Reserve wird er brauchen, um die bleibenden Betriebskosten zu bestreiten: "Wir werden zwar die Heizungen auf ein geringes Level runterfahren, das Wasser aus dem Becken ablassen und generell weniger Strom verbrauchen, aber ganz ohne geht es nicht", sagt Wasser. Die Kollegen aus der Küche prüften derzeit, was eingefroren und aufgehoben werden kann und was definitiv entsorgt werden muss, weil es sich nicht lange genug hält, um nach der Zwangspause noch genutzt zu werden. "Wir schieben aber auch hier einiges zusammen, damit wir auch die Kühlung etwas reduzieren können", erklärt der Geschäftsführer.

Weiterhin fällig werden die Lehrlingsgehälter. Sie sind nicht über das Kurzarbeitergeld abgedeckt und werden von den Unternehmern selbst weitergezahlt. Heiko Wasser hat seine Mitarbeiter - von denen derzeit keiner von einer Infektion oder Quarantänemaßnahme betroffen ist - jetzt erst einmal auf die Hälfte der Arbeitszeit heruntergesetzt. 

Kunden spenden ihre Beiträge

Vier bis fünf Stunden - je nach Bedarf - seien sie jetzt da und machten all das, was sonst nebenbei oder gar nicht erledigt wird: Neben einer ausführlichen Reinigung des Schwimmbereiches und des gesamten Areals können gleich noch die Fenster geputzt, die Geräte gewartet und einige organisatorische Dinge geklärt werden. "Wir planen jetzt natürlich schon für die Zeit danach", sagt Heiko Wasser, der schweren Herzens zwei Konzerte - darunter das von Feuerengel - absagen musste. Beide hatte er über ein Jahr beworben und auch viele Karten verkauft.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Corona: Akzeptanz für Ausgangsregeln steigt

Grenzöffnungen nach Ostern möglich. Dresden meldet nur wenige Neuinfektionen. Stiftung Lichtblick startet Hilfsaktion: unser Newsblog.

Symbolbild verwandter Artikel

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Immer mehr Infizierte, abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Einrichtungen und Grenzen: Neue Entwicklungen im Ticker.

Umso mehr rührt es ihn, dass auch einige Kunden ein großes Herz zeigen. Eigentlich könnten sie sich jetzt die Mitgliedsbeiträge und damit die monatlichen Überweisungen sparen. "Aber mich haben inzwischen schon viele angesprochen, die sie trotzdem überweisen wollen - als Solidaritätsbekundung mit uns", sagt der Westpark-Center-Chef und fügt hinzu: "Ich habe echt eine Gänsehaut bekommen, als ich es gehört habe - das finde ich echt gut!"

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.