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Wetten, dass die Brücke zu groß ist, Herr Zastrow?

Wie sieht Dresdens Verkehr der Zukunft aus? TU-Wissenschaftler Gerd-Axel Ahrens kontert den FDP-Chef.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Tobias Winzer

FDP-Fraktionschef Holger Zastrow stellt sich gern als Anwalt der Autofahrer dar. Unter dem Palaisplatz im Barockviertel sollte eine Tiefgarage entstehen. Auf der Albertbrücke wollte er während der anstehenden Sanierung freie Fahrt für freie Bürger durchsetzen. Und die von der neuen Bundesregierung geplante Maut für Ausländer lehnt er sowieso ab. Als der TU-Verkehrswissenschaftler Gerd-Axel Ahrens in einem Interview mit der Sächsischen Zeitung sagte, dass der Autoverkehr in Dresden in den nächsten zwölf Jahren um 15 Prozent zurückgehen werde und deswegen der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gefördert werden müsse, läuteten Zastrows Alarmglocken.

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Wie viele Autos rollen künftig über die Waldschlößchenbrücke? Bislang sind es deutlich weniger als gedacht.Fotos: Marco Klinger, Steffen Füssel, dpa
Wie viele Autos rollen künftig über die Waldschlößchenbrücke? Bislang sind es deutlich weniger als gedacht.Fotos: Marco Klinger, Steffen Füssel, dpa © Marco Klinger
Für Holger Zastrow (FDP) ist und bleibt das Auto auch in Zukunft das wichtigste Fortbewegungsmittel.
Für Holger Zastrow (FDP) ist und bleibt das Auto auch in Zukunft das wichtigste Fortbewegungsmittel. © ZB

„Das Auto ist und bleibt das wichtigste Fortbewegungsmittel in Dresden, das belegen alle Fakten und auch der Blick auf die Straße“, ließ er per Pressemitteilung ausrichten. Die Verkehrsbelastung werde um zwei Prozent zunehmen, sagt er und bezog sich dabei auf eine offizielle Statistik der Stadt. „Es ist erstaunlich, dass immer wieder versucht wird, ohne jede Grundlage den Verkehr von morgen vorauszusagen.“

Diesen Vorwurf lässt Ahrens, der auf seinem Gebiet zu den renommiertesten Wissenschaftlern in Deutschland zählt, freilich nicht auf sich sitzen. Mit einem achtseitigen offenen Brief versucht er nun, Zastrows zum Unterstützer des öffentlichen Nahverkehrs zu bekehren und bietet ihm eine kuriose Wette an.

„Das Auto ist und bleibt voraussichtlich noch eine Weile das Verkehrsmittel Nr. 1“, schreibt Ahrens. Gleichwohl müssten Unfallzahlen, Staus und verkehrsbedingte Belastungen, wie Lärm oder Luftverschmutzung, minimiert werden. Für den Rückgang des Autoverkehrs sieht er drei Gründe. Zum Ersten führt die Entwicklung des Benzinpreises dazu, dass sich weniger Menschen ein Auto leisten können. Zum Zweiten findet bei der jüngeren Generation ein Wertewandel weg vom eigenen Wagen statt. Hauptursache sei zum Dritten, dass es 2025 viel mehr Senioren gebe. „Diese sind deutlich mobiler als frühere Rentnergenerationen. Gleichwohl können wir bereits ab einem Alter von 54 Jahren beobachten, dass die Menschen deutlich weniger Wege und Kilometer pro Tag zurücklegen.“

Der prognostizierte Rückgang von 15 Prozent sei Ergebnis von Zählungen des Straßenverkehrs und Haushaltsbefragungen. Die von der Stadt verbreitete Verkehrsprognose 2025 sei demnach veraltet und liege für den Kfz-Verkehr viel zu hoch. Sie gehöre neu berechnet.

Und dann holt Ahrens zum großen Schlag gegen die von der FDP mitverantwortete Verkehrspolitik der vergangenen Jahre aus. Die veralteten Prognosen hätten zu allerhand Fehlplanungen und unnötigen Ausgaben geführt. So seien im Tunnel am Wiener Platz, im Bramschtunnel und auf der Flügelwegbrücke heute deutlich weniger Autos unterwegs als ursprünglich angenommen.

Der Experte geht davon aus, dass auch die Waldschlößchenbrücke deutlich überdimensioniert ist. Statt der prognostizierten 45 000 Fahrzeuge würden auch in den kommenden fünf Jahren nie mehr als 30 000 Autos und Laster über die Brücke rollen. Zurzeit sind es sogar nur maximal 24 000 Autos und Laster. Ahrens ist sich dessen so sicher, dass er Zastrow in dem offenen Brief eine Wette darüber anbietet. Den Einsatz lässt er offen.

Zastrow will sich darauf aber nicht einlassen. „Wenn Professor Ahrens wetten möchte, soll er zum Pferderennen gehen.“ Und auch die Argumente des Wissenschaftlers scheinen ihn nicht zu überzeugen. „Warum ausgerechnet diese Zahlen richtig sind und nicht die, die in der noch vor gar nicht langer Zeit von Fachexperten vorgelegten Verkehrsprognose dargestellten, erschließt sich uns nicht.“