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Whisky-Träume in Kirschau

Die Spirituosenmanufaktur hat jetzt eigene Brennanlagen. Damit will der Chef auf einem Gebiet Sachsens Nummer eins werden.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Kirschau. Ein besonderer Schnaps macht den Anfang: Wenn Martin Wagner Mitte dieses Monats erstmals seine eigenen Brennanlagen zur Produktion nutzt, füllt er Bier in die Kessel. Heraus kommt am Ende ein Bierbrand. Er wird das erste Produkt sein, dass die Sächsische Spirituosenmanufaktur an ihrem Firmensitz in Kirschau brennt. Bisher nutzte Gründer, Inhaber und Geschäftsführer Martin Wagner dafür die Technik im Oberguriger Bierbrauhaus.

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Jetzt hat er selbst zwei Brennanlagen. Sie wurden in den vergangenen Tagen in einer alten Halle auf dem Gelände der ehemaligen Vegro-Brache in Kirschau installiert. Derzeit erfolgt die Inbetriebnahme. Unter strenger Kontrolle. Vier, fünf Zollbeamte sind dazu mehrere Stunden lang vor Ort. Danach bekommt Martin Wagner alle notwendigen Papiere ausgehängt. „Mitte April kann ich dann hoffentlich mit der Produktion beginnen“, sagt der Kirschauer. Mit der Herstellung von Spirituosen fing er 2014 an. Nachdem die ersten Produkte lange genug gereift waren, startete er vor reichlich zwei Jahren den Verkauf.

Alte Halle ist Übergangsquartier

Weil das Geschäft schneller Fahrt aufnimmt als gedacht, investierte Martin Wagner eher als ursprünglich geplant in eigene Anlagen. Seit Jahresbeginn hat er eine alte Halle im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes etwas abseits der Kirschauer Friesestraße saniert. Mit jeder Menge Eigenleistungen. Einst diente das Gebäude als Kesselhaus, später als Werkstatt für die benachbarten Textilfabriken. Zuletzt stand es leer. Nachdem innen der alte Putz abgehackt war, wurden die Wände im unteren Bereich neu verputzt. Oben und an der gemauerten Gewölbedecke sind die roten Ziegel sichtbar geblieben. Sie wurden sandgestrahlt und versiegelt. Auch der Fußboden ist erneuert worden. Da es weder Wasser- und Abwasser- noch Stromanschluss gab, musste Martin Wagner auch dafür sorgen. Außerdem hat er neben dem Gebäude zwei Gastanks aufgestellt, mit deren Inhalt die Brennanlagen beheizt werden. Letztere sind der absolute Blickfang in der Halle. In ihren glänzenden Kupfer- und Edelstahlteilen spiegeln sich die Ziegelwände. Die Größere, die für den Rohbrand genutzt wird, fasst 600 Liter; die Kleinere für den Freinbrand 200 Liter. „Das sind meines Wissens nach aktuell die modernsten Anlagen im Osten Deutschlands“, ist Martin Wagner stolz. Sie wurden speziell für seine Bedürfnisse angefertigt; sowohl was die äußeren Maße als auch die Technik betrifft. Über die Kosten hält er sich bedeckt.

Medaillen für Handgemachtes

Ein Brennvorgang dauert vier bis fünf Stunden. Die ganze Zeit über ist Martin Wagner dabei vor Ort, prüft zum Beispiel Temperaturen, nimmt Einstellungen an den Anlagen vor, überwacht den Prozess. Ohnehin setzt der Mann, der gelernter Brauer und Mälzer ist, nach dem Wechsel in die Spirituosenbranche und unter anderem in der Wilthener Weinbrennerei gearbeitet, aber auch Wirtschaftsingenieurwesen sowie Management studiert hat, auf Handarbeit. Die Rohstoffe kommen überwiegend aus der Region, zum Beispiel von Streuobstwiesen, die der 35-Jährige selbst bewirtschaftet, oder von Bauern. Doch nicht nur Obst verarbeitet der Unternehmer zu Schnaps, sondern zum Beispiel auch Brot, Espresso oder eben Bier. Über 40 Sorten Brände, Geiste und Liköre umfasst das Sortiment. Sie werden gegenwärtig in knapp 100 Gaststätten ausgeschenkt und vielen – vor allem kleineren – Läden sowie übers Internet vertrieben. Das meistverkaufte Produkt ist derzeit der Ebereschen-Likör. Mit ihm hat Martin Wagner jetzt auch einen Preis gewonnen. Beim Craft Spirit Awards – einem Wettbewerb, zu dem kleine Handwerksbetriebe aus aller Welt ihre Spirituosen einreichen – bekam er für den Ebereschen-Likör eine Silbermedaille und für außerdem für seinen Brotbrand eine Bronzemedaille.

Neubau geplant

Die eigenen Brennanlagen ermöglichen dem Unternehmer eine Steigerung der Produktion um etwa 50 Prozent. An vier bis fünf Tagen pro Woche sollen sie künftig laufen. „In den nächsten zwei Jahren werde ich enorm viel produzieren“, sagt Martin Wagner. Grund dafür ist ein besonderes Projekt. In Zusammenarbeit mit der Löbauer Bergquellbrauerei stellt er einen eigenen Whisky her; voraussichtlich 25 000 Liter pro Jahr. „Damit bin ich der größte Whisky-Produzent in Sachsen“, sagt Martin Wagner. Der Verkauf beginnt frühestens in fünf Jahren. Denn diese Spirituose muss nach der Herstellung lange lagern. Wagner hat sich dafür spezielle Fässer angeschafft und eine weitere Halle an einem anderen Standort saniert. Da er die anfallende Arbeit nicht mehr allein bewältigen kann, beschäftigt der Unternehmer jetzt eine Mitarbeiterin. Sie übernimmt die Büroarbeit aber auch andere Aufgaben.

Die Halle, in der die Brennanlagen der Spirituosenmanufaktur jetzt stehen, ist übrigens nur gemietet. Sie dient lediglich als Übergangsquartier. Direkt daneben hat Martin Wagner 1 800 Quadratmeter Land gekauft. Darauf will er einen Neubau errichten. Allerdings erst, wenn die einstige Vegro-Brache besser erschlossen ist. Die Stadt Schirgiswalde-Kirschau beginnt gerade damit, eine neue Straße zu bauen.