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Meißen ist im Fußballfieber, und das hat längst auch öffentliche Einrichtungen erfasst. Amtsgerichtsdirektor Michael Falk staunte jedenfalls am Dienstag nicht schlecht, als mitten in eine Verhandlung ein Mann mit einem Paket unterm Arm platzte. „Für Saal 1 war doch für 16 Uhr ein Fernseher bestellt“, sagte der dem verdutzten und offenbar peinlich berührten Richter. Der unterbrach die Sitzung kurz, im Saal wurde (leider) kein Fernsehgerät aufgestellt. Wer es bestellt hatte und wer das Spiel Deutschland gegen Equador gucken wollte, bleibt das Geheimnis des Gerichtes.

Doch längst nicht alles dreht sich um den Fußball in diesen Tagen. Zwei Damen von der Agentur für Arbeit in Riesa waren in dieser Woche in einer wichtigen Mission unterwegs. Sie übergaben an Betriebe Ausbildungszertifikate als „moralische Anerkennung“ für eine Selbstverständlichkeit - nämlich dafür, dass diese Betriebe ausbilden. Für diesen hochwichtigen Akt waren die Teamleiterin und die Pressesprecherin auf Tour. Und nicht nur die. Standesgemäß wurden sie mit eigenem Chauffeur und im nagelneuen 3er BMW Touring durch die Lande kutschiert. Man gönnt sich ja sonst nichts. Nun wissen wir endlich, wo unsere Arbeitslosenversicherung Monat für Monat versickert. Wäre ja gelacht, wenn es bei der Arbeitsagentur nicht für Chauffeure und Dienstwagen reichen würde. Notfalls wird eben bei den Arbeitslosen gekürzt.

Um Arbeitslose mussten sich die Kreisräte und Mitarbeiter des Landratsamtes am vergangenen Wochenende nicht kümmern. Dafür plagten einige von ihnen ganz andere Sorgen. Nikotinentzug machte einigen Teilnehmern der Partnerschaftsreise ins polnische Ostrezsow zu schaffen. Kurz hinter der Grenze zogen Claudia Hertlein (PDS), der Büroleiter des Landrates Thomas Rösch und Thomas Damme (CDU) gierig an ihrer letzten Kippe. Von da an war ihr Martyrium perfekt: Von Tankstelle zu Tankstelle ließen sie sich kutschieren. Doch entweder nahmen die Verkäufer keinen Euro oder es gab nur Marken, die sie nicht mochten. Jedesmal kehrte das Trio mit hängenden Köpfen in den Bus zurück. Die Laune sank. Ein Gutes hatte es jedoch: Da der Landrat zwangläufig mit auf Zigarettensuche musste – schließlich saßen alle in einem Bus – hat er so den Partnerkreis sehr genau kennen gelernt.