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Berühmtester Görlitzer hat ein neues Denkmal - in Zgorzelec

Die Partnerstadt am polnischen Neißeufer hat eine Fußgängerzone erhalten. Und einen neuen Kreisverkehr. Dessen Gestaltung überrascht.

Die neue Jakob-Böhme-Skulptur im Zentrum von Zgorzelec.
Die neue Jakob-Böhme-Skulptur im Zentrum von Zgorzelec. © Nikolai Schmidt

Schick ist sie geworden. Die neue Fußgängerzone in Zgorzelec.  Dabei wurde die Ulica Bohaterow Getta, eine der zentralen Verkehrsadern der Görlitzer Nachbarstadt, grundlegend umgestaltet. Wer von den Einkaufszentren Zgorzelec Plaza oder Carrefour wieder in Richtung Görlitz fährt, passiert die Getta-Straße. Sie ist auch weiterhin eine Einbahnstraße und wird nicht - wie anfänglich geplant - völlig für den Autoverkehr gesperrt, allerdings gibt es nur noch eine, deutlich eingeengte Fahrspur in Richtung Grenze. Dafür sind die Bürgersteige zu einer Flaniermeile verbreitert worden, mehrere moderne Pavillons stehen für den Handel zur Verfügung, eine Radspur gibt es zudem. Und natürlich erhofft sich Zgorzelec, dass sich dort nun weitere Cafés und Restaurants  ansiedeln und ihre Stühle und Tische im Sommer draußen aufstellen.

So sieht der neue Kreisverkehr mit der Jakob-Böhme-Skulptur im Zentrum von Zgorzelec aus. An den riesigen Pflanzkübeln befinden sich Sitzgelegenheiten. Eine neue Radspur führt rundum den Kreisel.
So sieht der neue Kreisverkehr mit der Jakob-Böhme-Skulptur im Zentrum von Zgorzelec aus. An den riesigen Pflanzkübeln befinden sich Sitzgelegenheiten. Eine neue Radspur führt rundum den Kreisel. © Nikolai Schmidt

Der Zgorzelecer Bürgermeister, Rafael Gronicz, verbindet mit der Umgestaltung das Ziel, ein Zentrum für seine Stadt zu schaffen, mit Cafés und Läden, fußläufig erreichbar. Auch setzt er in diesen Umbau seine Hoffnung, Besucher von der deutschen Seite weiter in die Stadt zu locken - bislang verbleiben sie fast ausschließlich am Neißeufer oder fuhren gleich zu den Einkaufstempeln am Rande der Stadt.

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Zgorzelec war vor dem Kriegsende als Stadtteil von ganz Görlitz nur eine weitere Wohnsiedlung ohne zentrale Einrichtungen. Die befanden sich alle auf dem Westufer der Neiße im historischen Kern der Stadt. Nach der Teilung der Stadt durch die deutsch-polnische Grenzziehung entlang der Neiße, blieb Zgorzelec somit lange Jahre als Stadt ein Provisorium.

Nach 1990 änderte sich die Lage komplett. Weil Deutschland seine Ostgrenze zu Polen als dauerhafte Grenze anerkannte, verschwand die Sorge bei den Polen, auch nach über 40 Jahren nach Kriegsende von den Deutschen wieder aus den früher einst zu Deutschland gehörenden Gebieten in Niederschlesien vertrieben zu werden. Weil damals noch viele Vertriebene in Deutschland lebten, die damit endgültig auf ihre Heimat verzichten mussten, war das für Deutschland ein schwerer Schritt. Aber mit dieser Sicherheit gingen Städte wie Zgorzelec daran, nicht nur ihre Historie aufzuarbeiten, sondern auch in ihre Städte zu investieren.

Der Park Blachanca in der Nähe des Dom Kulturys.
Der Park Blachanca in der Nähe des Dom Kulturys. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Mit Geldern der Europäischen Union konnten beispielsweise die Grünanlagen rund um das Dom Kultury wieder hergestellt werden. Auch die Neißepartie unterhalb des Zgorzelecer Kulturhauses profitierte von den Mitteln aus Brüssel und wurde neu gestaltet. So entstand eine Erholungslandschaft am Ostufer der Neiße, die die Menschen verstärkt am Fluß und den angrenzenden Parkanlagen verweilen lassen. Dafür nahm Zgorzelec viel Geld in die Hand. Allein die Kosten für die Modernisierung des Boulevards beliefen sich auf mehr als drei Millionen Euro. Die Hälfte der Mittel schießt die EU zu.

Die Gelder aus Brüssel konnten nur nach Zgorzelec geholt werden, weil auch Görlitz Ko-Projekte innerhalb der Brückenpark-Vorhaben verwirklichte. Dazu zählen die Neugestaltung des Rosengartens im Görlitzer Stadtpark und des Parks des Friedens mit der Neugestaltung des Areals rund um das Jakob-Böhme-Denkmal sowie die neue, auch umstrittene Umgestaltung der Kahlbaumallee.

Das Jakob-Böhme-Denkmal im Park des Friedens in  Görlitz.
Das Jakob-Böhme-Denkmal im Park des Friedens in  Görlitz. © nikolaischmidt.de

An Jakob Böhme haben die Stadtplaner auch in Zgorzelec bei der Neugestaltung des Boulevards und des angrenzenden Kreisverkehrs gedacht. Seit Kurzem steht da eine neue Plastik, nachdem zuvor an einer Straßenkreuzung in unmittelbarer Nachbarschaft bereits ein Denkmal gestanden hatte. Die neue Plastik nun symbolisiert "Das Auge der Ewigkeit" von Jakob Böhme, mit dem der Mystiker seine Weltansicht darstellte. Ganz ähnliche Abbildungen waren auch im früheren Restaurant "Vino e cultura" auf dem Görlitzer Untermarkt zu finden, da sein ehemaliger Eigentümer auch ein großer Bewunderer des Görlitzer Theosophen war. Im Zentrum dieser Weltsicht steht das Herz als ein Symbol des Lebens und der göttlichen Liebe.

Diese Skulptur erinnerte jahrelang in Zgorzelec an Jakob Böhme.
Diese Skulptur erinnerte jahrelang in Zgorzelec an Jakob Böhme. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

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