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Widersprüche im Boxer-Prozess

Zwei Türsteher sollen 2011 in Neukirch einen Mann schwer verletzt haben. Doch die Aufklärung ist schwierig.

© Uwe Soeder

Von Stefan Schramm

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Ein bisschen Party machen am Wochenende. Das war das Ziel einer Gruppe junger Männer, die überwiegend aus Doberschau-Gaußig stammten, als sie vor vier Jahren gemeinsam nach Neukirch fuhren. Dort war Disko im Hotel Oberland. Doch die Nacht endete für einen von ihnen mit einer sehr schweren Gesichtsverletzung im Krankenhaus. Wie es dazu kam, wollte gestern das Schöffengericht des Amtsgerichts Bautzen erhellen. Doch die Beweisaufnahme gestaltete sich schwierig. Während der Hauptverhandlung ergaben sich viele Widersprüche. Nun sollen in dem Fall weitere Zeugen gehört werden. Deshalb konnte die Kammer unter Vorsitz von Dr. Dirk Hertle gestern noch kein Urteil sprechen.

Auf der Anklagebank sitzen zwei Männer, die in besagter Nacht nach Aussage des Partyveranstalters als Türsteher engagiert waren. Einem von ihnen, dem 35-jährigen Leipziger Boxer Maik K., legt die Staatsanwaltschaft zur Last, einem 31-Jährigen aus Gnaschwitz in der Nacht zum 6. Februar 2011 vor dem Hotel mit einem schlagstockähnlichen Gegenstand einen sehr heftigen Schlag ins Gesicht versetzt zu haben. Bei dem Schlagwerkzeug handelte es sich laut Anklageschrift vermutlich um eine metallene Stabtaschenlampe, wie sie in Security-Kreisen mitunter benutzt wird.

Das Opfer ging daraufhin zu Boden und war vorübergehend bewusstlos. Wie sich im Krankenhaus herausstellte, erlitt es bei der brutalen Attacke einen offenen Schädelbasisbruch, weitere Gesichtsfrakturen unter anderem am Nasenbein sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Als gravierend hatte sich zudem die Verletzung des linken Auges erwiesen. Der Mann trug eine Linsentrübung davon, später kam es zur Ablösung der Netzhaut. Auf dem betroffenen Auge hat er deshalb nur noch etwa fünf Prozent Sehvermögen. Dem Chefarzt der Bautzener Augenklinik Dr. Nasser Al-Ashi zufolge, der in der Verhandlung als Sachverständiger aussagte, werde sich dieser Zustand lebenslang nicht mehr verbessern – trotz der bislang drei durchgeführten Operationen. Bis heute ist das Opfer krankgeschrieben.

Folgenschwere Parkplatz-Rangelei

Maik K. soll das Opfer laut Zeugenaussagen zudem ins Gesicht getreten haben, als es am Boden lag. Vor Gericht bestritt er, die Tat begangen zu haben. Vielmehr schob den Angriff seinem Mitangeklagten Christopher H. in die Schuhe, der sich allerdings nicht zu den Vorwürfen äußern wollte. K. sprach davon, dass während einer Rangelei auf dem Personalparkplatz hinter dem Hotel neben ihm plötzlich eine Person zu Boden gegangen sei, woraufhin eine Taschenlampe wegrollte. Da darauf eventuell Fingerabdrücke gewesen seien, habe er sie daraufhin an sich genommen, um seinen Security-Kollegen zu schützen. Denn Christopher H. habe Angst vor Rache aus dem Freundeskreis des Opfers der Attacke gehabt – und später zu Unrecht Maik K. beschuldigt, der Täter zu sein.

Dass auch der 31-jährige Christopher H. auf der Anklagebank Platz nehmen musste, hat aber noch einen anderen Grund. Gemäß der Anklageschrift soll er einen Zeugen, der seinem kurz zuvor KO-geschlagenen Freund zu Hilfe kommen wollte, kurzerhand ebenfalls niedergeschlagen und eine Platzwunde an der Schläfe zugefügt haben. Danach hätten sich beide mutmaßlichen Täter vom Ort des Geschehens entfernt. Aufgrund von Zeugenaussagen wurden sie jedoch später noch ermittelt.

Stark betrunken

Vorangegangen sei der Auseinandersetzung ein Vorfall auf einer Toilette im Inneren des Hotels Oberland. Das spätere Opfer habe dort in zumindest betrunkenem Zustand – ein Alkoholtest ergab 2,6 Promille – den Spülkasten eines Klos beschädigt und sich beim Reparaturversuch die Hand verletzt. Mit dem Partyveranstalter habe es sich dann auf die Zahlung von 100 Euro Schadenersatz geeinigt und sei im Anschluss daran von der Security des Gebäudes verwiesen worden. Während der Wartezeit auf das bereits bestellte Taxi habe der Mann in der Nähe uriniert. Danach sei es zu dem tätlichen Übergriff gekommen.

Insbesondere in den Zeugenvernehmungen ergaben sich jedoch während der Verhandlung viele Widersprüche, unter anderem im zeitlichen Ablauf des Geschehens. Zudem gibt es zahlreiche Ungereimtheiten im Vergleich der Aussagen, die die Zeugen gegenüber der Polizei machten. Große Probleme bereitete ferner die Frage, was die Zeugen selbst gesehen hatten oder was sie nur vom Hörensagen von ihren Kumpels über den Vorfall wussten. Einige meinten, sich nunmehr nach vier Jahren besser an den bzw. die mutmaßlichen Täter erinnern zu können als bei ihren Aussagen, die sie teils nur wenige Wochen oder Monate nach der Tat gegenüber der Polizei gemacht hatten. Die Verhandlung wird am 13. Februar im Amtsgericht fortgesetzt.

Freitag, 13. Februar, 9 Uhr: Fortsetzung der Verhandlung im Amtsgericht Bautzen, Lessingstr. 7. Raum 128

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