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Wie aus einer Idee ein tolles Hobby wurde

Die Line Dancers sind seit Jahren eine feste Nummer beim Dorffest in Weißkeißel. Lampenfieber hält sie nicht davon ab.

Seit dem Vorjahr haben die Line Dancers ihre schmucke Auftrittsbekleidung.
Seit dem Vorjahr haben die Line Dancers ihre schmucke Auftrittsbekleidung. © Foto: privat

Weißkeißel. Lampenfieber hat Andreas Pommer nicht. Seine Mitstreiter aber schon, gibt der Chef der Wild-East-Country-Dancers aus Weißkeißel zu. An diesem Sonnabend ist ihr Auftritt einer der Höhepunkte des Dorffestes im Freizeitpark. Und nicht jede oder jeder ist ein Naturtalent, dass ein Auftritt vor Freunden, Bekannten und Nachbarn, ja vor dem ganzen Dorf, nichts ausmacht. „Ein bisschen Aufregung gehört schon dazu“, weiß auch Andreas Pommer. Er nennt es den Adrenalinschub.

Vor zwölf Jahren war er selbst mehr oder weniger zufällig zum Line Dance gekommen. Mit seiner Frau Kornelia und den Töchtern Nadine und Nicole feierte er beim Country-Fest in Daubitz. Die Familie war sich schnell darin einig, auf Cowboy-Art zu tanzen, das würde auch ihnen ganz gut gefallen. Andreas Pommer und seine Frau brachten sich einige Tänze selber bei, mit den Schrittfolgen von DVDs. An einem Bowlingabend des Kegelvereins Weißkeißel fragte er in die Runde, ob nicht Andere Lust hätten auf einen Schnupperkurs. Sie hatten. Was daraus wurde, das hätte sich Andreas Pommer nie und nimmer träumen lassen. 2011 wurde die Gruppe mit 15 Leuten gegründet. Die meisten sind bis heute dabei. Tochter Nadine ist mit 38 Jahren die Jüngste, die Ältesten sind über 60.

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Geprobt wird jede Woche montags im Dorfgemeinschaftshaus Weißkeißel, das früher eine Turnhalle war. Um die 50 Tänze umfasst das Repertoire. Bis ein neuer Tanz richtig sitzt, braucht es ein gutes Vierteljahr. Und: Was mancher der Zuschauer als Spielerei ansieht, ist richtig Sport. Je nachdem, wie schnell die Musik ist, gerät man dabei ganz schön außer Puste. „Das hält fit.“ Andreas Pommer schmunzelt. Es gibt Deutsche Meisterschaften im Line Dance, ausgetragen vom Bundesverband für Country Westerntanz Deutschland e. V. Für die Frauen und Männer aus Weißkeißel ist das aber kein Thema. Es geht ihnen nicht um Leistungssport. Im Vordergrund steht die Freude an dem gemeinsamen Hobby. Deswegen wird auch mit viel Humor darüber hinweggelächelt, wenn doch mal bei einem Auftritt ein kleiner Patzer passiert.

Männern fehlt Mut zum Mitmachen

Gleich im Jahr der Gründung 2011 hatten die Wild-East-Country-Dancers ihren ersten Auftritt beim Dorffest Weißkeißel. Eine Pause sollten sie damals überbrücken. Sie schlugen sich so wacker, dass sie im Jahr darauf als eigene Programm-Nummer für den Nachmittag engagiert wurden. Und das kam richtig toll an. Seither gehört ihnen die Primetime am Sonnabendabend.

Inzwischen ist klar: Kein Dorffest in Weißkeißel ohne die Line Dancers. Trotzdem waren die 15 Frauen und fünf Männer bei der Generalprobe am Montag ziemlich aufgeregt. Männer, so die Erfahrung, lassen sich zwar beim Zuschauen begeistern, zum Mitmachen fehle den meisten dann aber doch der Mut. Andreas Pommer stellt Wochen vor jedem Auftritt das Programm zusammen – aus den Vorschlägen der Gruppe. Er selber mag die schnellen Tänze. Bei dem Fan der Country-Legende Johnny Cash spielt dessen Musik eine besondere Rolle. Aber nicht nur. Ausgewählt wird, was Stimmung macht. Gezeigt werden Gruppen- wie auch Paartänze. „Hinterher stoßen wir immer an“, sagt er. Manchem fällt dann vor lauter Aufregung quasi ein Stein vom Herzen. Für die Paartänze gibt es regelmäßig viele, viele Likes bei Facebook.

Wenn das Dorffest vorbei ist, rückt beim Training am darauffolgenden Montag dann schon der nächste Höhepunkt ins Visier. Vier bis fünf Auftritte haben die Wild-East-Line-Dancers Weißkeißel pro Jahr. 2019 waren sie beim Park- und Blütenfest in Kromlau oder beim Traktorverein Klein Priebus zu erleben. Sie tanzen ebenso bei Geburtstagen im Dorf. Seit 2018 in ihrer schmucken Auftrittskleidung aus schwarzer Hose, weißer Bluse oder weißem Hemd, dazu der obligatorische Lederhut. Organisatorisch ist die Gruppe dem Kegelverein Weißkeißel angegliedert. Die Mitglieder zahlen ihren Vereinsbeitrag. Sich so zu binden, war in Einzelfällen ein Grund, weshalb Interessenten für den Line Dance dann doch Abstand genommen haben. Andreas Pommer bedauert das. Denn die Gruppe wie auch viele Vereine im Revier brauchen Nachwuchs. Für einige der Countrytänzer ist es mitunter ein Problem, Beruf und Hobby unter einen Hut zu bringen. Für sich selbst hat der Schichtleiter im Tagebau Nochten/Reichwalde bisher noch immer eine Lösung gefunden.

Einen Wunsch hat Andreas Pommer dann aber doch noch. Er würde gerne mal beim Line Dance von echten Cowboys in Amerika dabei sein, sagt er und lacht.

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