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Wie aus einer Wein-Idee der Burg-Honig wird

Paula Schiller füllt gerade ihre erste eigene Honigernte in Gläser. Diese bereichern ab Juli das Angebot im Museumsshop der Burg Mildenstein.

Durchaus gut geschützt arbeitet Paula Schiller an ihren Bienenstöcken auf der Burg Mildenstein.
Durchaus gut geschützt arbeitet Paula Schiller an ihren Bienenstöcken auf der Burg Mildenstein. © Dietmar Thomas

Leisnig. Manch erfolgreichem Projekt liegt eine Schnaps-Idee zugrunde. Bei Remo Stäglich war es eher eine Wein-Idee. „Ich habe mir überlegt, selbst Met herzustellen“, erzählt Stäglich, Veranstaltungsmanager auf den Burgen Mildenstein und Kriebstein. Für diesen Honigwein, also den Met, hätte er größere Mengen Honigs benötigt. Also trieb ihn die Frage um, wo er den herbekommen könnte. Wieder selbst herstellen? Theoretisch ja, doch praktisch ist Stäglich davon abgekommen.

Tatsächlich hat er aber einen Teil dieser Wein-Idee umsetzen können, weil er bei seinem Arbeitgeber, der Schlösserverwaltung und Susanne Tiesler als Leiterin der Burgen an Mulde und Zschopau, ein offenes Ohr fand. Seit dem Frühjahr stehen nämlich jetzt Bienenkästen auf einem kleinen Wiesenstück der terrassenförmig angelegten Gartenanlage der Burg Mildenstein.

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Jede Ernte ein anderer Geschmack

Bevor die schätzungsweise 130.000 Honigbienen dorthin umgezogen sind, gab es Besichtigungen mit Experten, die sich schon jahrelang mit der Imkerei beschäftigen. Deren Ratschlag ist das Burgteam schließlich auch gefolgt und hat sich nicht selbst in die Materie eingearbeitet. „Denn die Imkerei ist nach Angaben der Praktiker viel aufwendiger als es Laien vermuten“, so der Veranstaltungsmanager.

Für Paula Schiller, 20 Jahre jung, ist die Imkerei trotzdem ein schönes Hobby geworden. Über ihre Mutti sei sie dazugekommen, mit ihr gemeinsam habe sie schon so manches Glas Honig gefüllt. Doch das, was ab Juli nur in limitierter Stückzahl in den Auslagen des Museumsshops der Burg Mildenstein stehen wird, das ist der erste, komplett selbst hergestellte Honig der jungen Frau.

Eines der ersten 250-Gramm-Gläschen hält sie in der Hand. „Ich habe ihn cremig gerührt“, erklärt sie die Konsistenz „ihres“ auf jeden Fall schon einmal appetitlich aussehenden Honigs. Geschmacklich dürfen sich die Käufer überraschen lassen. Denn keine der drei Ernten innerhalb eines Jahres wird schmecken wie die andere: Für die erste Ernte werden die Bienen wahrscheinlich überwiegend die Rapsblüten angeflogen sein, der Raps deshalb überwiegen. Später ist es Pollen von Linden, Akazien und Wildblüten, den die Bienen sammeln. Dann wird diese Mischung den Geschmack ausmachen. Die genauen Bestandteile kann ein Labor bestimmen. Diese Analyse muss die Jung-Imkerin nicht unbedingt nachweisen. Aber sie wird sie machen lassen. „Es interessiert mich einfach selbst“, sagt sie.

Cremig wird der Honig sein, den sich die Burgbesucher bald aufs Frühstücksbrötchen schmieren können.
Cremig wird der Honig sein, den sich die Burgbesucher bald aufs Frühstücksbrötchen schmieren können. © Dietmar Thomas

Susanne Tiesler und Remo Stäglich sind rundum glücklich, dass sie mit der 20-Jährigen aus dem Nachbarort Zollschwitz eine Imkerin für dieses Projekt gewinnen konnten. Auch mit anderen potenziellen Partnern ist Stäglich im Gespräch gewesen. Doch einigen war der Weg nach Leisnig zu weit, andere hatten keine Zeit mehr für noch mehr Arbeit. Paula Schiller dagegen kann die kleine Honigproduktion auf Mildenstein gut mit ihrem Studium für Agrarwesen in Halle/Saale verbinden. Dort hat sie auch extra noch einen Imkerkurs besucht, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten.

Für diesen Einsatz ist sie schon einmal mit einer guten Ausbeute ihrer ersten Ernte belohnt worden. Durchschnittlich zehn Kilogramm Honig kann als Ertrag von einem Bienenvolk erwartet werden. „Ich hatte 15 Kilogramm, allerdings auch von einem starken Volk“, sagt sie mit ein bisschen Stolz in der Stimme. Von diesem Volk hat sie mittlerweile einen Ableger „umgesiedelt“. Außerdem gibt es noch einen Schwarm. Einer zweiter ist ihr allerdings schon ausgebüxt.

Manchmal süßes Mittelalter

Für Susanne Tiesler ist der Honig aber mehr als eine künftige Bereicherung des Museumsshops. „Wir wollen das Thema in Zukunft auch in unsere museumspädagogischen Angebote einbauen“, sagt sie. Wenn Schulklassen wieder zu Projekttagen auf die Anlage kommen können, könne ihnen vor Ort gezeigt werden, wie das Süßungsmittel des Mittelalters entstanden ist. Auch bei Kochangeboten in der Schwarzküche könne der Honig der Mildensteinbienen bald dazu verwendet werden, Speisen zu verfeinern.

Für Individualtouristen wird noch eine Infotafel entwickelt, damit auch sie erfahren, dass eine Honigproduktion früher wahrscheinlich auf allen Burgen zum Alltag gehörte. „Einen Nachweis darüber haben wir für uns hier auf Mildenstein allerdings noch nicht gefunden“, gibt die Burgchefin zu.

Ein starkes Volk hat der 20-Jährigen aus Zollschwitz eine überdurchschnittliche, erste Ernte verschafft.
Ein starkes Volk hat der 20-Jährigen aus Zollschwitz eine überdurchschnittliche, erste Ernte verschafft. © Dietmar Thomas

Wie im Bienenstock geht es auf den Burgen in Leisnig und Kriebstein nach der coronabedingten Schließung noch nicht wieder zu. Das hängt damit zusammen, das Publikumsmagneten wie der Lebendige Burgalltag oder die Burg der Märchen abgesagt werden mussten. „Trotzdem sind wir mit dem Neustart auf beiden Burgen zufrieden“, sagt Susanne Tiesler. Fast 2.000 Besucher hätten sie und ihre Mitarbeiter über die Pfingsttage in den Einrichtungen begrüßen können.

„Es ist schön, dass die Gäste sich auch mit einem Mund-Nasen-Schutz durch die Ausstellungen bewegen.“ Das findet die Leiterin der beiden „Häuser“ durchaus bemerkenswert. Genau wie die Tatsache, dass sich die meisten an die Corona-Regelungen halten, und zwar ohne zu murren. Vom Programm her sei das Burgteam gerade dabei, zusätzliche Angebote für die Sommerferien und für alle jene zu entwickeln, die in diesem Jahr daheimbleiben wollen oder müssen.

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