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Wie aus Lorenz ein Ritter wird

Mehr Mädchen als Jungen interessieren sich für das Leben im Mittelalter. Damals hätten sie aber nichts zu sagen gehabt.

Von Claudia Erbert

„Oh, das sind aber viele“, staunen die Mitarbeiter der Burg Kriebstein, als sie sehen, wie viele Kinder und Eltern sich zur Führung versammelt haben. Sie teilen zwei Gruppen ein und machen sich auf den Weg. Die Gruppe von Jörg Möbius beginnt im Schlafzimmer von Schneewitschen. Hier erklärt er den Kindern ausführlich die Besonderheiten des „Abtritts“ zu früheren Zeiten. „Die Tür war nur geschlossen, wenn gerade niemand drauf war, schließlich wollte man denjenigen nicht vom Gespräch abschneiden. In der oberen Etage gibt es sogar Doppelsitzer mit einem Fenster auf Augenhöhe, da hättet ihr euer Tischgespräch gar nicht zu unterbrechen brauchen“, erklärt er den Kindern, die nur teilweise seinen geschönten Worten folgen können. Erstaunlich direkt erzählt er dann, warum die Burgbewohner mehrmals im Jahr mit Sack und Pack umziehen mussten: „Wenn der Vorratskeller leer war, sie woanders verwalten mussten oder einfach, wenn man sich komplett eingeschissen hatte. Dann kamen sie erst nach dem nächsten großen Regen zurück, wenn der Felsen wieder sauber gespült war.“

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Dann geht es an die große Holztruhe im nächsten Raum. „Komm du mal her“, wird Lorenz nach vorn gerufen. Der Achtjährige aus Chemnitz, der mit seinen Großeltern da ist, wird eingekleidet. „Die komplette Rüstung anzulegen würde eine ganze Stunde dauern, wir machen nur einen Teil.“ Es gibt ein Hemd, eine Kapuze, darüber eine Kettenkapuze, einen Brustpanzer und zum Schluss nach einen Helm. „Hältst du’s noch aus?“, fragt Jörg Möbius. Nachdem Lorenz auch noch das Schwert in die Hand bekommt, wird er wieder befreit und scheint gleich einige Zentimeter zu wachsen, als die Last von ihm genommen wird.

In der Rüstkammer erfahren noch mehr Kinder, die sich vorgestellt hatten, mal Ritter zu werden, dass sie schon mit acht Jahren an eine Burg gebracht worden wären, wo sie als Pagen arbeiten müssten, bis sie mit 14 zum Knappen werden können. Tischsitten, Tanzen und Benehmen allen Ständen gegenüber hätten sie gelernt und wären dann mit einer reichen Unbekannten verheiratet worden.

So richtig begeistert sind die Kinder von der Vorstellung nicht und froh, wieder in ihre Welt zurückkehren zu können.