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Autohäuser fahren auf Sparflamme

Die Werkstätten in Görlitz und Niesky sind weiter offen, aber die meisten Autoverkäufer sind zu Hause.

Daniel Kuniß in der Werkstatt des Autocenter Kuniß in Niesky. In der Werkstatt mangelt es nicht an Arbeit, sagt der Geschäftsführer. Dafür ruht der Autoverkauf auch bei Kuniß.
Daniel Kuniß in der Werkstatt des Autocenter Kuniß in Niesky. In der Werkstatt mangelt es nicht an Arbeit, sagt der Geschäftsführer. Dafür ruht der Autoverkauf auch bei Kuniß. © André Schulze

Die Absperrkette signalisiert: Hier werden keine Fahrzeuge verkauft. Ein Bild, das sich dieser Tage nicht nur im Autohaus Arndt in Görlitz zeigt, sondern bei vielen Autohändlern. Geschäftsführer Bernd Budi bringt es auf den Nenner: "Der Werkstattbetrieb geht weiter, denn er gehört zur Daseinsfürsorge, aber das Geschäft mit dem Autohandel ruht."  Und um das für den Kunden sichtbar zu machen, wurde der Verkaufsraum abgesperrt. 

Das hat zur Folge, dass die Autoverkäufer bei Arndt komplett zu Hause sind. Aber auch in der Werkstatt ist weniger zu tun. "Vergangene Woche hatten wir nur zwischen 50 und 70 Prozent von dem Umsatz, den wir an normalen Tagen haben", berichtet der Geschäftsführer. Um den Kunden, deren Auto in die Werkstatt muss, entgegenzukommen, hat das Unternehmen einen Hol- und Bringedienst eingerichtet. Das heißt, das Fahrzeug wird beim Kunden abgeholt und ihm wieder vor die Haustür gestellt, sodass er persönlich nicht in der Werkstatt erscheinen muss. Eine telefonische Absprache vorher ist aber notwendig.

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Schlüssel und Papiere werden an der Tür abgegeben

Im ACO-Autohaus Henke in Niesky  ist das Telefon ebenfalls inzwischen zum wichtigsten Kommunikationsmittel geworden. "Wir halten uns strikt an die Allgemeinverfügung und lassen keinen Publikumsverkehr in unserem Haus zu", sagt Geschäftsführerin Katharina König.  Selbst der Werkstattkunde gibt an der Tür Schlüssel und Fahrzeugpapiere ab und bekommt sie dort auch wieder ausgehändigt samt seinen Fahrzeug. Zuvor ist er angehalten, telefonisch einen Termin zu vereinbaren.

Während der Betrieb in der Werkstatt langsam wieder an Fahrt gewinnt, ist auch bei Henke der Fahrzeugverkauf eingestellt. "Das heißt aber nicht, dass unsere Verkäufer untätig sind", ergänzt Katharina König. Telefonisch und per E-Mail sind diese Mitarbeiter weiterhin erreichbar für Beratungen, Auskünfte und Informationen. Zudem unterhält das Autohaus ein Flottenzentrum, in dem Fahrzeuge weiterhin an Gewerbe- und Großkunden ausgeliefert werden. Auch dort ist es im Moment ruhiger, da keine Fahrzeuge aufgrund der Schließung von Zulassungsstellen, zugelassen werden können.„Trotz der eingeschränkten Situation ist unser Team positiv eingestellt und freut sich auf jeden Werkstattkunden“, so die Geschäftsführerin.

Kontaktlos und mit zwei Meter Abstand werden die Werkstattkunden im Autocenter Kuniß in Niesky empfangen. "Der Kunde stellt das Fahrzeug mit Schlüssel und Papieren auf den Hof und wir kümmern uns dann um sein Auto", erklärt Geschäftsführer Daniel Kuniß das Prozedere. Dazu wird vor Übernahme und Übergabe das Fahrzeuginnere desinfiziert. Während der Autoverkauf geschlossen ist und nur telefonisch beraten wird, hat die Werkstatt gut zu tun, zumal der Räderwechsel auf Sommerreifen ansteht. Kurzarbeit ist bei Kuniß kein Thema. Und noch eine Erfahrung machen die Geschäftsführer Daniel und Torsten Kuniß in diesen Tagen: "Die Leute haben mehr Zeit, nicht jede Reparatur muss am gleichen Tag noch fertig werden."

Der Räderwechsel sorgt nicht nur bei Kuniß für eine bessere Auslastung der Werkstatt. Im Autohaus Büchner stehen die ersten Termine bereits im Kalender. Aber auch hier wird den Kunden empfohlen, sich zum Rad- oder Reifenwechsel vorher telefonisch anzumelden. "Wir schauen nach einem zeitnahen Termin, wo der Kunde sein Fahrzeug bei uns abgeben kann", sagt eine Servicemitarbeiterin. Denn sie hat festgestellt, dass immer noch Kunden persönlich ins Autohaus kommen und nach einem Termin fragen.  In Corona-Zeiten sollten sich das die Fahrzeugbesitzer  inzwischen abgewöhnt haben.   

Fahrzeugzulassung nur in Notfällen

Schlechte Zeiten für Kunden, die jetzt ein neues oder gebrauchtes Fahrzeug kaufen wollen oder müssen, weil das alte seinen Geist aufgegeben hat. Betroffen sind auch diejenigen, deren Fahrzeugleasing jetzt oder demnächst endet. Wie aus den Autohäusern zu erfahren ist, verlängern die Leasinggesellschaften aber die Verträge, so dass der Kunde das Fahrzeug erst einmal weiter nutzen darf. 

Offiziell dürfen keine Autos verkauft werden, weil der Geschäftsbetrieb untersagt ist. Zudem bekommen die Autohändler die Fahrzeuge nicht zugelassen, weil die dafür notwendige Behörde, also die Zulassungsstelle, geschlossen ist. Ein Problem, mit dem auch das Autohaus Büchner zu kämpfen hat. "Nur im Einzelfall werden Fahrzeuge zugelassen, wenn ein Notfall vorliegt", sagt Büchner-Geschäftsführer Dirk Friedrich. Ein solcher Notfall ist, wenn der Mann oder die Frau ohne Auto nicht zur Arbeit kommt. Dazu braucht es aber eine Bestätigung vom Arbeitgeber. Aber das sind Einzelfälle, sie retten das Autohaus Büchner nicht vor "Kurzarbeit in allen Bereichen", so Dirk Friedrich. Deshalb sind bereits die Öffnungszeiten in den sieben Filialen der Büchner-Gruppe auf 17 Uhr in der Woche verkürzt worden. Am Sonnabend bleiben die Häuser geschlossen.

Dass die Zulassungsstellen nach strengen Regeln arbeiten, bestätigt das Landratsamt. Pressesprecherin Franziska Glaubitz erklärt dazu: "Die Zulassungsstellen des Landkreises bieten in der aktuellen Situation einen Notbetrieb an, der über eine telefonische Terminvereinbarung geregelt beziehungsweise organisiert wird." Praktisch heißt das, dass bei der Terminanfrage eine Priorisierung zum Aufrechterhalten der kritischen Allgemeininfrastruktur und der Daseinsvorsorge vorgenommen wird. Diese Regelung gilt sowohl für Autohäuser und Zulassungsdienste, als auch für die Bürger. 

Bleibt da nicht die Möglichkeit, im digitalen Zeitalter das ganze Prozedere per Internet abzuwickeln? Nein, sagt dazu der Landkreis, weil es bei jedem Vorgang zu einer Einzelfallprüfung entsprechend seiner Priorität kommt. Des Weiteren werden bei fast allen Zulassungen Kennzeichen benötigt, die gesiegelt oder entstempelt werden müssen. Außerdem ist die Verfügbarkeit von Schilderprägediensten derzeit stark eingeschränkt. "Daher kann der Abschluss des Zulassungsverfahrens – trotz Terminvergabe – nicht garantiert werden", heißt es von der Kreisbehörde. 

Volle Warteräume bei der Zulassungsstelle vermeiden

Der Landkreis Görlitz bietet diesen Notdienst in allen Außenstellen zu den bekannten Öffnungszeiten der Zulassungsbehörde an. "Die Umstellung auf Terminvergabe ist notwendig, da voll besetzte Warteräume momentan nicht zu vertreten sind", begründet Sprecherin Glaubitz diese Entscheidung.   

Dass die Zulassungsbehörden zum Flaschenhals für die Autohändler geworden sind, kritisieren die Verbände der Branche. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) appellieren in einer gemeinsamen Erklärung vom Dienstag an Bund, Länder und Kommunen, "durch rasches Handeln Insolvenzen und Job-Verluste im Kfz-Handel abzuwenden, die aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus drohen". 

Automobilverbände fordern Neuzulassungen

Konkret fordern sie, die Neuzulassung von Fahrzeugen rasch bundesweit zu ermöglichen. Die Verbände schlagen das gebündelte Abwickeln von Zulassungen über den Handel vor, das gefahrlos durch Schleusen für Dokumente und Schilder ohne körperlichen Kontakt zwischen Menschen erfolgen kann. Eine kontaktlose Fahrzeugübergabe wäre auch in den Autohäusern möglich. Zudem argumentieren die Automobilverbände, dass die nicht verkauften Fahrzeuge Geld binden, das für die Händler jetzt besonders wichtig für ihr wirtschaftliches Überleben ist.

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Jedes nicht verkaufte Fahrzeug kostet Geld, bestätigt Bernd Budi. Er führt vier Automarken unter einem Dach. Entsprechend groß ist der Fahrzeugpark. Bei ihm steht die Ampel jetzt auf "Gelb" was das Geschäftliche betrifft, sagt er. Nicht nur im Fahrzeugverkauf ist bei ihm Stillstand, auch im Karosseriegeschäft. Denn sind nur einzelne Autos auf den Straßen unterwegs, passieren weniger Unfälle - und die Werkstätten bleiben nicht ausgelastet.     

Aktuelle Informationen zum Coronavirus:

Getrennte Welt auch im Autohaus Arndt in Görlitz. Während der Werkstattbereich noch offen ist, ruht der Autoverkauf nebenan. Nur telefonische Beratung ist möglich.
Getrennte Welt auch im Autohaus Arndt in Görlitz. Während der Werkstattbereich noch offen ist, ruht der Autoverkauf nebenan. Nur telefonische Beratung ist möglich. © Nikolai Schmidt

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