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Sebnitz

Wie belebt man Neustadts Marktplatz?

Neustadts Stadträte suchen schon lange nach Lösungen. Einige Ideen wirken durchaus vielversprechend.

Tatsächlich ist am Feitagvormittag niemand auf dem Marktplatz in Neustadt zu sehen. Das bereitet den Stadträten Kopfzerbrechen.
Tatsächlich ist am Feitagvormittag niemand auf dem Marktplatz in Neustadt zu sehen. Das bereitet den Stadträten Kopfzerbrechen. © Dirk Zschiedrich

Fast alle Parteien hatten sich vor der Neustädter Stadtratswahl am 26. Mai dieses Jahres vorgenommen, den recht verschlafen wirkenden Neustädter Marktplatz zu neuem Leben zu erwecken. Ein schwieriges Vorhaben. Die SZ hat die Parteien nach ihren Lösungen befragt.

NfN will Gratis-WLAN

Für die Stadträtin Silke Benusch (NfN) ist das durchaus eine Option: „Mittelfristig ist die Schaffung von Free WLAN-Zonen am Markt sicherlich eine gute Idee, um mehr Menschen in die Innenstadt zu locken“, teilt sie mit. Auch die Errichtung von Ladestationen für E-Bikes und E-Autos könne sich die NfN-Fraktion vorstellen, ebenso wie eine Büchertauschvitrine. „Dort kann jeder Bürger Bücher entnehmen, abgeben oder einfach tauschen“, so die Stadträtin.

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Als wichtig erachte die stärkste Fraktion im Neustädter Stadtrat auch, die vorhandenen Sitzgruppen am Markt 24 noch mehr zu begrünen und dadurch schattiger zu gestalten. Weiterhin sei es möglich, mit verschiedenen Wanderausstellungen am Rathaus Besucher anzulocken.

„Die schwierigste Aufgabe ist sicherlich, mehr Gewerbe anzusiedeln. Die Honorierung von Geschäftsgründungen wäre ein Weg der Unterstützung“, überlegt NfN die Möglichkeiten. Langfristig würde aber auch der Neubau des Museums zur Attraktivierung des Marktes beitragen.

Da das Thema Marktplatzbelebung aber sehr komplex sei, schlägt Silke Benusch vor, die Bewohner mit einzubeziehen und eine Bürgerbefragung durchzuführen. Im nächsten Schritt sei es dann nötig, ein Konzept zu entwickeln, und zwar in einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Fachleuten der Stadtverwaltung, Bewohnern und Stadträten.

FDP: Alle müssen umdenken

Neustadts einziger amtierender FDP-Stadtrat Christian Kowalow hat über das Thema lange nachgedacht: „Meine Beobachtungen in Urlaubsregionen haben ergeben, dass es vielleicht auch eine Frage der Mentalität ist,“ sagt Christian Kowalow.

„In der Stadt Berat in Albanien war der Marktplatz abends zwischen 20 und 21 Uhr voll. Junge Leute liefen in kleinen Gruppen durch die Gassen, Menschen saßen in Cafés und tranken Kaffee und Wasser. Bei uns in Neustadt sieht man das kaum. Abends trinken die meisten ihr Bier eher zuhause und schauen dazu fern. Früher saßen die Nachbarn noch gemeinsam im Garten, doch auch das ist heute immer seltener geworden. Wenn wir die Innenstadt und unseren Marktplatz beleben wollen, dann müssten wir alle wohl erst einmal umdenken“, schließt Kowalow seine Überlegungen.

CDU schlägt Wochenmarkt vor

Bei der CDU-Fraktion steht das Thema Innenstadtbelebung schon lange auf der Agenda: „Wir haben mehrere Ortsteile mit dörflichem Charakter“, sagt Matthias Mews, CDU-Fraktionsvorsitzender, und fragt: „Warum kann es nicht einmal im Monat am Samstag einen Bauernmarkt geben, mit frischen Eiern, Obst, Gemüse und vielen weiteren Ständen mit Bio-Produkten?“

Damit könnten Anreize geschaffen werden, um Menschen zum Markt zu locken. „Natürlich kann der Bürgermeister für die Gewerbetreibenden im Innenstadtbereich nicht neue deutlich günstigere Steuergesetze umsetzen oder gar Steuerfreiheit ausrufen, aber er kann Anreize geben,“sagt Mews und fügt hinzu: „Wir haben einen Wohnmobilhersteller in Neustadt. Rings um den Markt im Innenstadtbereich könnten die Modelle zum Anfassen präsentiert werden, nicht nur an einem Wochenende, sondern über zwei bis drei Wochen.“

Auch wünscht sich Matthias Mews für Touristen und Bewohner, dass sie zukünftig ein Gläschen Wein in ansässigen Restaurants trinken können: „Zum Beispiel auf der aufgebauten Terrasse der Gaststätte Börse, wo der Inhaber nicht für die Anzahl der Tische und Stühle zur Kasse gebeten wird.“ Dazu zähle aber auch, dass abends Ruhe auf dem Markt einziehe und die Fahrzeuge annähernd die erlaubten 20 km/h fahren, ohne quietschende Reifen und laute Musik. Das sollte künftig polizeilich und durch das Ordnungsamt überwacht werden.

AfD setzt auf neuen Museumsstandort

Die AfD, zweitstärkste Partei im Neustädter Stadtrat, sieht das Thema mit gemischten Gefühlen: „Es ist schwierig, die Innenstadt zu beleben“, antwortet Lothar Hoffmann. „Das Kaufverhalten der Menschen müsste sich wieder ändern, um sie zum Schlendern zu animieren. Auch die wenig schönen Häuser am Markt 11 und 12, die dringend saniert werden müssten, ergeben kein schönes Stadtbild. Da sie sich aber in Privatbesitz befinden, ist es vonseiten der Stadt schwierig, dagegen schnell etwas zu unternehmen.“ Die Partei hofft darauf, dass der neue Museumsstandort am Markt 23 in drei Jahren die Innenstadt beleben wird.

Und was sagen die Händler vom Markt?

Exemplarisch für viele hier Matthias Lange von „Pro Optik“. Er hat sich mit dem Thema ausgiebig befasst, wie er sagt, und festgestellt: „Neustadt hat nur zwei wirkliche Attraktionen, welche die Leute in die Stadt ziehen. Das sind das Mariba und die Neustadthalle. Nachteil dabei ist, dass dies zumeist Tagesbesucher sind.“

In den letzten Jahren wären nur wenige auswärtigen Gäste in sein Geschäft gekommen. Viele seien von der schönen Innenstadt und dem „netten Kleinstadtcharakter“ begeistert, aber die Leute seien eigentlich auf der Suche nach einem Café gewesen. Er wünscht sich, dass die Stadt künftige Einzelhändler mit einer „Starthilfe“ unterstützt, und die sollten dann etwas Mut mitbringen.

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