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Betrunken mit dem E-Roller unterwegs

Die Polizei erwischte jetzt einen 66-Jährigen in Zschaiten mit Alkoholfahne auf einem dieser Gefährte. Sie sind seit 2019 zugelassen. Es gibt erste Unfallzahlen.

Ein Mann fährt auf einem E-Scooter. Im Großstädten sieht man die Elektroroller oft. Aber auch im ländlichen Raum werden sie immer beliebter.
Ein Mann fährt auf einem E-Scooter. Im Großstädten sieht man die Elektroroller oft. Aber auch im ländlichen Raum werden sie immer beliebter. © Fabian Sommer/dpa

Nünchritz. Da werden auch gestandene Männer wieder zu Kindern. Die E-Roller, auch E-Scooter genannt, finden immer mehr Fans. Auch unter Menschen jenseits der 60. Die batteriebetriebenen Roller, die es auf Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h schaffen, sind handlich und für immer mehr Rentner ein gutes Fortbewegungsmittel für kürzere Strecken. Doch auch für diese Gefährte gibt es Regeln. Dumm nur, wenn man gleich mehrere nicht befolgt und einen die Polizei dabei erwischt.

So ist es in der vergangenen Woche einem 66-Jährigen im Nünchritzer Ortsteil Zschaiten ergangen. Er war auf der Weißiger Straße unterwegs, als ihn eine Polizeistreife überholte und anhielt. Die Beamten hatten bemerkt, dass an dem E-Scooter keine Versicherungsplakette angebracht war. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass der Rentner nicht vergessen hatte, sie sichtbar übern Hinterrad anzubringen. Das Fahrzeug besaß überhaupt keinen Versicherungsschutz, so wie vorgeschrieben ist. 

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Und als ob das noch nicht reichte, nahmen die Polizisten bei dem Mann auch noch Alkoholgeruch war. Ein durchgeführter Atemalkoholtest ergab ein Ergebnis von circa 0,4 Promille. Der 66-Jährige muss sich nun wegen Verstößen gegen das Pflichtversicherungsgesetz und Fahren unter Alkoholeinfluss verantworten.

Erst seit 2019 erlaubt

In Deutschland sind E-Scooter erst seit dem 15. Juni 2019 offiziell erlaubt. In Statistiken tauchten sie bisher nur unter "sonstige Fahrzeuge" auf. Seit Anfang dieses Jahres erfassen die Bundesländer die Unfallzahlen für Elektroroller. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat vor Kurzem die ersten gesicherten Zahlen veröffentlicht. 

Danach registrierte die Polizei in Deutschland von Januar bis März 2020 insgesamt 251 Unfälle mit E-Scootern, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, wurde ein E-Scooter-Nutzer getötet, 39 wurden schwer verletzt und 182 leicht.

Die Zahlen erlauben einen Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln, beispielsweise Fahrrädern: In den ersten drei Monaten des Jahres 2020 hat die Polizei deutschlandweit mehr als 12.700 Unfälle registriert, bei denen Fahrradfahrerinnen und -fahrer zu Schaden kamen. 52 Fahrradfahrerinnen und -fahrer kamen dabei ums Leben, 2.052 wurden schwer verletzt, 10.431 leicht. "Noch spielen E-Scooter im Unfallgeschehen somit eine vergleichsweise geringe Rolle", heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesamtes.

Laut Information der Polizeidirektion Dresden sei im Landkreis Meißen bisher nur ein einziger Unfall eines E-Scooters erfasst worden. Er stammt aus dem September 2019 und war auf einen Fehler eines Pkw-Fahrers zurückzuführen. Er hatte beim Ausfahren aus einem Grundstück in Weinböhla einen E-Scooter übersehen. Verletzt wurde dabei niemand. In diesem Jahr gab es noch keinen Unfall mit einem Elektroroller im Landkreis Meißen. 

ADAC empfiehlt Helm

Der ADAC hat bei einem im Juni veröffentlichten Vergleichstest verschiedener E-Scooter festgestellt, dass der Konkurrenzkampf um das preiswerteste Modell oft zu Lasten der Sicherheit geht. 2019 konnten die Tester noch kurze Bremswege erzielen. Die meisten Scooter kamen aus 20 km/h nach rund zwei Metern zum Stehen. In diesem Jahr beträgt der Bremsweg jedoch bei identischem Testverfahren im Schnitt 3,4 Meter. Auch wenn es bisher noch keine Helmpflicht für E-Scooter gibt, sei ein Helm aber empfehlenswert, so der ADAC.

Fahrer von Elektrorollern müssen, so weit vorhanden, Fahrradwege oder Schutzstreifen nutzen. Ansonsten sollen sie auf Fahrbahnen oder Seitenstreifen ausweichen. Gehwege sind für sie verboten. Einen Führerschein brauchen E-Scotter-Fahrer nicht, müssen aber mindestens 14 Jahre alt sein. In punkto Alkohol gilt die allgemein übliche 0,5-Promille-Grenze für Kraftfahrer. Unter 21-Jährige und Führerschein-Neulinge dürfen sich keinerlei Alkoholkonsum erlauben, wenn sie E-Scooter fahren wollen. 

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