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Wie Corona einen Radeberger in Costa Rica ausbremst

Thomas Pferner lernte Bäcker, ging nach Mittelamerika und baute ein Restaurant auf – dann kam die Pandemie.

Thomas Pferner (M.) mit Freunden in seinem Restaurant in Costa Rica.
Thomas Pferner (M.) mit Freunden in seinem Restaurant in Costa Rica. © privat

Radeberg. Toms Pan Bakery ist in Costa Rica eine Institution. Dutzende Fotos sind im Internet zu finden, bei Bewertungsportalen gibt es gute Kritiken. Kein Wunder, findet der Tourist hier, was in Mittelamerika oft Mangelware ist: Schwarzbrot, Bratwurst und ein kühles Hefeweizen. "Wer im Urlaub gutes Brot oder Bier vermisst, kommt hier auf seine Kosten", schreibt einer. Der nächste: "Deutsche Speisen, wie Spätzle, Currywurst, Gulasch-Suppe und Bratwurst sind im Angebot. Können wir wärmstens empfehlen."

Seit einigen Wochen ist alles anders. Betreiber Thomas Pferner denkt daran, den Betrieb zu verkaufen. Begonnen hat alles vor gut 22 Jahren. Damals war er bei einer Firma angestellt, die für bekannte Musikgruppen Bühnen und Soundtechnik aufbaute. "Wir waren mit unter anderem mit den Prinzen und den Puhdys unterwegs", sagt der heute 51-Jährige. Thomas Pferner ist viel herum gekommen, in Radeberg dürfte er nicht ganz unbekannt sein. Einige Zeit lebte er in der Stadt. Die Firma, bei der er angestellt war, hatte hier seinen Sitz. Dann lernte er seine heutige Frau kennen, war mit ihr in Costa Rica auf Urlaubsreise. "Dort haben wir davon erfahren, dass in Nuevo Arenal Land verkauft wird. Warum nicht, habe ich mir damals gesagt, vielleicht als Alterssitz oder als Geldanlage und die Finca gekauft." Losgekommen ist er von dort nicht mehr. "Wir wollten natürlich zunächst wieder zurück nach Deutschland. Doch irgendwann sagten wir uns, wir bleiben hier. Wir bauen uns hier in Costa Rica eine Existenz auf", erzählt der ehemalige Radeberger. Die Bedingungen waren ideal. Im Umkreis von einhundert Kilometern gab es kein touristisches Restaurant. Vor der Tür der malerische Arenal-See. 

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Toms Pan Bakery in Nuevo Arenal in Costa Rica. Thomas Pferner hat sie aufgebaut. Touristen genießen hier europäisches Essen.
Toms Pan Bakery in Nuevo Arenal in Costa Rica. Thomas Pferner hat sie aufgebaut. Touristen genießen hier europäisches Essen. © privat

Dann noch das eigentliche Kapital von Thomas Pferner: Er hat in seinem ersten Leben, wie er sagt, Bäcker gelernt, konnte die leckersten Kuchen und Brote backen. Das gab es in dem mittelamerikanischen Land kein zweites Mal. Nicht lange und das Geschäft florierte. "Costa Rica ist für seinen Naturreichtum bekannt. Es gibt zahlreiche Naturschutzgebiete mit einer unglaublichen Tier- und Pflanzenwelt. Das zieht viele Touristen an." Allerdings musste er sich auf die Mentalität der Costa Ricaner einstellen. "Sie unterscheidet sich komplett von der deutschen. Hier denken die Menschen eher ans Heute, gemäß dem Motto: Was heute nicht wird, wird morgen. Es geht alles viel ruhiger zu. Paradiesisch." Der Laden brummte. Toms Pan Bakery wurde zum Tipp unter Urlaubern. Wer in Nuevo Arenal war, musste zu Tom. 

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Dann war im Fernsehen zunächst von einem unbekannten Virus in China zu hören, dann von den Grenzschließungen in Europa. "Schließlich kamen die Einschränkungen auch nach Costa Rica. Die Grenzen wurden dicht gemacht. Alles geschlossen. Das Land wurde auf Null heruntergefahren", sagt Thomas Pferner. "Der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen. Dabei leben 80 Prozent der Einwohner von diesem Sektor. Es können keine Zimmer mehr vermietet werden, Restaurants bleiben leer, niemand bucht einen Mietwagen." Die Bevölkerung leidet sehr darunter, sagt er. Es herrschte eine strenge Ausgangssperre, mittlerweile ist sie etwas gelockert. Hohe Strafen werden verhängt. "Viele haben praktisch kein Einkommen mehr. Es gibt kein Kurzarbeitergeld wie in Deutschland. Man kann zwar vom Staat einen Bonus beantragen, doch der ist gering."

Auch in seiner Bakery herrscht plötzlich Leere. "Ich habe in Costa Rica ja schon drei Krisen erlebt, die letzte war die Finanzkrise 2009. Doch so extrem, wie diesmal hat es uns noch nicht erwischt. Ich musste mein Konzept komplett umstellen." Statt Touristen zu versorgen, liefert er jetzt Brote an Supermärkte, unter anderen in die Hauptstadt San Jose. Doch kein Vergleich zum Umsatz  vor der Pandemie. In seiner Bäckerei in Nuevo Arenal verkauft er nur noch wenig. "Schwarzbrot ist bei den Einheimischen nicht so beliebt. Da herrscht eher der amerikanische Geschmack vor und es wird Weißbrot gegessen. Es findet mittlerweile ein Umdenken statt, doch das braucht Zeit."

Eine Rückkehr nach Deutschland kann er sich nicht vorstellen. "Ich habe hier meine Kinder, meine Frau und mein Haus. Außerdem habe ich mich an das Leben hier gewöhnt. Der Rhythmus in Deutschland ist ein ganz anderer." Eine zeitweilige Rückkehr kann er sich jedoch vorstellen. "Mal für drei, vier Monate in Deutschland zu arbeiten, um Geld zu verdienen, mit dem Gedanken habe ich schon gespielt. Ich würde mit offenen Armen empfangen. Bekannte haben mir gut bezahlte Jobs angeboten. Allerdings sind mit der Corona-Beschränkungen auch die Flugpreise in astronomische Höhen geklettert, wenn überhaupt ein Flugzeug abhebt." Thomas Pferner hofft, so über die Runden zu kommen. "Ich bin da zuversichtlich. Bisher gab es immer wieder einen Aufschwung. Das wird auch diesmal so sein."

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