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Zittau

Wie Corona jetzt den Straßenbau lahmlegt

Die Baufirmen in der Region haben die Arbeit größtenteils eingestellt. Die Chefs sehen sich außerstande, die Auflagen zu erfüllen - bis auf eine Ausnahme.

Nicht nur die Osteg-Baustelle auf der Äußeren Weberstraße in Zittau ruht derzeit.
Nicht nur die Osteg-Baustelle auf der Äußeren Weberstraße in Zittau ruht derzeit. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Frank Scholze hat seine Leute alle nach Hause geschickt. Jetzt fährt der Geschäftsführer der Oberlausitzer Straßen- und Tiefbau-Gesellschaft von Bürgermeister zu Bürgermeister. Die Städte und  Gemeinden in der Region sind seine Auftraggeber, und die Aufträge enthalten Vorgaben, Kostenrahmen und Zeitpläne. Die geraten jetzt gerade alle ziemlich durcheinander.

Das winzige Coronavirus hat jetzt auch die Großbaustellen lahmgelegt. "Ich sehe mich wirklich außerstande, die scharfen Auflagen des Ausnahme-Erlasses auf den Baustellen zu erfüllen", erklärt der Osteg-Chef. "Ich bin als Geschäftsführer ja nicht nur für die Aufträge verantwortlich, sondern auch für die Mitarbeiter. Die muss ich schützen."

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Die Probleme fangen schon damit an, dass die Kollegen nicht mehr gemeinsam in einem Kleinbus auf die Baustelle fahren können, erklärt Frank Scholze. Und bei der Arbeit könnten sie auch keinen Abstand von 1,50 Metern voneinander halten. "Das ist doch völlig illusorisch", sagt der Geschäftsführer.

Inzwischen fehlt die halbe Belegschaft ohnehin. Viele Kollegen sind zu Hause, weil sie die Kinder betreuen. Zudem hat Scholze vorige Woche auch alle Kollegen, die aus gesundheitlichen Gründen besonders gefährdet sind, die Vorerkrankungen haben und  über 60 Jahre alt sind, nach Hause geschickt. Bis auf sich selbst. Mit seinen 64 Jahren ist er jetzt der einzige im Betrieb, der zu den Gefährdeten zählt. Scholze winkt ab: Nützt ja nichts. 

Er kommt gerade vom Bürgermeister aus Olbersdorf. Hier hatte die Osteg den Zuschlag für den Bau von neuen Trink- und Löschwasserbehältern bekommen, und Bürgermeister Andreas Förster (FDP) hatte nun Bedenken, ob die Firma den Auftrag überhaupt erfüllen kann. Kann sie, hat Frank Scholze ihm erklärt. Womöglich ändert sich der Zeitplan.

In der Krise muss der Osteg-Geschäftsführer bei seinen Auftraggebern jetzt um Verständnis werben. Die Arbeiten auf den Osteg-Baustellen ruhen, drei allein in Zittau:  auf der Äußeren Weberstraße und an der Bergstraße, der Ausbau der Amalienstraße kann nicht planmäßig beginnen. 

Diese Woche haben Baufirmen noch Glück

Auch bei Franke-Bau ruht die Arbeit aus diesen Gründen. Dabei hätte das 100-Mann-Unternehmen aus Hainewalde alle Hände voll zu tun: Baustellen in der ganzen Oberlausitz, in Sohland, Olbersdorf, Jauernick, Bautzen, Nechern, Mittelherwigsdorf. Geschäftsführer Marco Franke wird mit dem Aufzählen gar nicht fertig.

Das Büro ist jetzt nur notbesetzt, sagt der 44-Jährige. Wegen der Kinderbetreuung fehlen ihm nicht nur Leute auf den Baustellen, sondern beispielsweise auch der Einkäufer, der für den Nachschub an Material zuständig ist. Einen Baggerfahrer haben sie nicht aus dem Urlaub zurückgelassen. 

Diese Woche haben die Baufirmen finanziell noch Glück. Bis Ende März gilt noch die traditionelle Winterpause auf dem Bau, die Saison-Kurzarbeit, für die es Schlechtwettergeld gibt. Ab April müssten die Bauarbeiter in die normale Kurzarbeit geschickt werden. Aber ob das auf dem Bau mit dem Verweis auf die Corona-Pandemie  überhaupt möglich ist, ist nicht eindeutig geklärt. 

Drohen den Firmen womöglich Vertragsstrafen?

Hartmut Horn, der Geschäftsführer der Löbauer STL Bau und der Bistra Bau aus Schmölln-Putzkau sieht die Branche gerade vollkommen in der Zwickmühle. "Es ist ein Spagat, den wir gar nicht verantworten können", sagt er. Einerseits seien da die Auflagen, die die Baufirmen von Bund und Land zum Schutz der Mitarbeiter bekommen, auf der anderen Seite die Bauherren, die auf die Erfüllung der Verträge pochen. 

Auch die STL hat den Auftraggebern am Montag angezeigt, die Bautätigkeit aufgrund höherer Gewalt vorerst einzustellen, unter anderem auch den Stadtwerken Löbau, in deren Auftrag die STL den Straßenbau am Rundteil beginnen wollte. Und eigentlich müsste die Firma jetzt dringend an der Ortsverbindung Malschwitz-Neucunnewitz weitermachen.

Hartmut Horn ist sich inzwischen aber nicht mehr sicher, ob die Corona-Pandemie als höhere Gewalt und damit als Baubehinderung auch beim Straßenbau anzuwenden ist. Er hat inzwischen auch schon die Erfahrung gemacht, dass eine Zahl von Auftraggebern das nicht anerkennt.

Deswegen, sagt er, will er die Arbeit auf den Baustellen ab Donnerstag nach und nach wieder aufnehmen. In kleinen Trupps und auch nur dort, wo das geht. Hartmut Horn hat Pläne gemacht, wie er das Problem mit dem Abstandhalten lösen kann. "Der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiter hat oberste Priorität", sagt er. Er tue das, um die Zukunft der Firma zu schützen, erklärt Horn. "Aufträge zu verlieren, das können wir uns nicht leisten - und Zeitverzug auch nicht." Die allgemeine Auftragslage sei ohnehin schon kompliziert genug.

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Marco Franke in Hainewalde hat noch einen Notfall-Plan. "Wir werden auf jeden Fall weiter für Havarie-Fälle da sein", sagt er. Irgendwie müsse das Leben ja auch weitergehen. "Wir hoffen jetzt alle, dass schnellstmöglich wieder Normalität einzieht."

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