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Wie das Fastentuch Zittau bekannter macht

Seit 20 Jahren wird das Kunstwerk in der Kreuzkirche ausgestellt und lockt Besucher aus aller Welt an. Inzwischen tourt es sogar durch ganz Europa.

Volker Dudeck (links) und Peter Knüvener freuen sich auf das 20-jährige Jubiläum der Fastentuch-Ausstellung, das am Freitag und Sonnabend gefeiert wird.
Volker Dudeck (links) und Peter Knüvener freuen sich auf das 20-jährige Jubiläum der Fastentuch-Ausstellung, das am Freitag und Sonnabend gefeiert wird. © Rafael Sampedro

Die Einträge im Gästebuch sind überschwänglich. Ein Besucher schreibt, dass er schon viermal auf dem Jakobsweg in Santiago angekommen sei, aber das Zittauer Fastentuch habe ihn überwältigt. Ein anderer schlägt vor, das Fastentuch unbedingt ins Unesco-Weltkulturerbe aufzunehmen. In einem weiteren Eintrag wird das Kunstwerk als unschätzbares wertvolles Stück sakraler Kultur bezeichnet, das die Welt nach Zittau locken und staunen lassen soll. 

Das ist kein frommer Wunsch, sondern Realität. Der Anteil überregionaler Gäste liege, so schätzt Zittaus Museumsdirektor Peter Knüvener, bei etwa der Hälfte. Er habe in den zurückliegenden 20 Jahren - so lange wird das Große Fastentuch in der Kirche zum Heiligen Kreuz ausgestellt -  zugenommen, weiß Dr. Volker Dudeck, der frühere Museumschef und heutige stellvertretende Vorsitzende des Vereins Zittauer Fastentücher. Nachdem anfangs die Besucher vor allem aus Zittau und der Region kamen, wurde das Fastentuch über die Jahre auch außerhalb Sachsens und Deutschlands immer bekannter.

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Erst vor zwei Wochen bewunderte eine Gruppe aus Italien das Große Fastentuch. Sie war auf der Via Sacra unterwegs und wollte auch dieses Zittauer Kunstwerk besichtigen. "Wir haben sie leider nicht gefragt, woher sie von unseren Fastentüchern wussten", sagt Knüvener. Vielleicht ist es eine Werbeanzeige in einem Reiseprospekt oder Reiseführer gewesen. "Jedes Jahr geben wir sehr viel Geld für Werbung aus", erklärt der Museumschef. So ist die Präsentation in den Urlaubskatalogen der Oberlausitz fast schon eine Pflicht. 

Auch in Reiseführern dürfen die Fastentücher heutzutage nicht mehr fehlen. Mitte der 1990er Jahre sah das noch anders aus. Damals gab es zwar die Fastentücher - das Große hat eine über 500-jährige Geschichte - aber sie wurden noch nicht ausgestellt. Das ist erst seit 1999 mit dem Großen Fastentuch der Fall. 2005 folgte das Kleine Tuch, das im Franziskanerkloster zu sehen ist. Ob die Kunstschätze in der Stadt Zittau zu steigenden Übernachtungszahlen geführt haben, kann Knüvener nicht sagen, da es über den Grund des Aufenthaltes keine Erhebung gebe. Von mehreren Gastronomen der Stadt habe er aber gehört, dass ihre Umsätze höher sind als zu Zeiten, in denen die Tücher noch nicht ausgestellt wurden.

Mit einer eigenen Ausstellung, in der unter anderem eine Kopie des Kleinen Fastentuches und seit einem Jahr auch eine Kopie des Großen Fastentuches zu sehen sind, reisen die Zittauer durch ganz Europa. Gezeigt wurde sie bereits in Zittaus Partnerstadt Pistoia, in Rom und Turin, mehrfach in Berlin, in Essen und Würzburg und in kleinerer Variante zweimal in Jerusalem. Die Ausstellungen in Italien könnten auch die Reisegruppe vor zwei Wochen nach Zittau gelockt haben. Denkbar ist es.

Sicher ist, das die Reisegruppe aus Reutlingen in Folge der dortigen Fastentuch-Schau nach Zittau gekommen ist. Von Februar bis April machte die Ausstellung Station in der baden-württembergischen Stadt. Einige Wochen später reiste die Gruppe aus Schwaben ins Dreiländereck. Aus Baden-Württemberg kommen viele Fastentuch-Besucher, wie eine frühere Gäste-Analyse zeigt. Nach den Sachsen, die den größten Anteil der deutschen Besucher stellen, folgen die Gäste aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. 

Zu den Besuchern aus dem Süden des Landes gehörte 2018 eine große Gruppe des Rotary Clubs Nürnberg, wie Volker Dudeck erzählt. Auch dieser Besuch geht auf eigene Werbung zurück. Seit 2014 hat der frühere Museumsdirektor in vielen Rotary Clubs Vorträge über die Fastentücher und die Via Sacra gehalten.


Die Ausstellung mit den Kopien der Fastentücher ist derzeit in Prag zu sehen. Und lockt bereits die ersten Interessenten nach Zittau. Diese Woche ist ein Journalist aus Prag da gewesen, der im online erscheinenden Prag-Journal über die Kunstwerke schreiben will, erzählt Knüvener. Medienvertreter berichten immer wieder über die Fastentücher. So wird im Oktober ein Team des NDR im Dreiländereck einen Film drehen und den Schwerpunkt dabei auf die Fastentücher legen, weiß Dudeck. Ob der Film mehr Touristen aus dem Norden der Republik, die laut der Besucheranalyse vor ein paar Jahren noch schwach vertreten waren, wird sich zeigen.

Einen Trend sieht Dudeck schon jetzt: Die Zahl der Gruppenreisen ist rückläufig, dafür kommen mehr Individualtouristen zum Fastentuch. Die haben oft, wie Volker Dudeck in Gesprächen erfährt, von Bekannten von den Kunstwerken gehört und wollen sie sich nun mal anschauen. Diese Mund-zu-Mund-Propaganda sei ganz wichtig, findet er.

Die Städtischen Museen Zittau, zu der die Fastentuch-Kirche gehört, zählten bis jetzt bereits so viele Besucher wie im gesamten Vorjahr. Das liege vor allem an der Dali-Ausstellung, so Knüvener. Viele dieser Besucher hätten sich auch das Große Fastentuch angesehen, mit dem Kauf einer Kombikarte sei das problemlos möglich, sagt Knüvener. Deshalb rechnet er mit einer Steigerung der Fastentuch-Besucherzahl. Die lag in den Vorjahren zwischen 20.000 und 25.000. Das ist zwar weniger als in den Anfangsjahren, dafür kommen laut Dudeck mehr Touristen aus dem Ausland. Auch hier sind die Einträge in den Gästebüchern ein guter Beleg. Hier verewigten sich unter anderem Gäste aus Kanada, Australien oder China. Sie kommen nicht scharenweise aus diesen Ländern, aber eben auch von dort, meint Dudeck. Den größten Anteil der ausländischen Besuchern nehmen die US-Amerikaner, Tschechen und Österreicher ein.

Vielleicht kommt der eine oder andere Gast aus der Ferne auch am Wochenende vorbei, dann wird das 20-jährige Bestehen der Fastentuch-Ausstellung gefeiert mit einer zweitägigen Jubiläumstagung und einem Festkonzert sowie anschließendem Straßenfest am Freitagabend.

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