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Wie das Grundwasser gebändigt werden soll

Für den Fluss soll ein Rückhaltebecken gebaut werden. Erste Planungsentwürfe liegen vor. Zur Freude der Anwohner.

Von Anja Beutler

Auf diesen Moment haben Rolf Roob und Günter Netsch schon lange gewartet: Der erste Schritt für ein Hochwasserrückhaltebecken am Grundwasser ist getan. In der öffentlichen Ratssitzung hat Ingenieur Axel Eißler vom Oderwitzer Ingenieurbüro Giehler nun erste Entwürfe vorgestellt. „Wir waren schon drauf und dran, eine Bürgerinitiative zu gründen“, sagt Rolf Roob. Dass sie und viele andere Betroffene, deren Grundstücke hinter dem Zusammenfluss von Grund- und Landwasser liegen, das dann doch nicht als nötig erachtet haben, hat einen simplen Grund: „Uns ging es darum, dass die Gemeinde endlich einsieht, dass hier an dieser Stelle was getan werden muss“, sagt Günter Netsch. Und das sei nun auch öffentlich geschehen.

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Dass die Gemeinde Oderwitz tatsächlich dem Grundwasserzufluss nach dem Hochwasser 2010 nicht die größte Priorität zugemessen hat, bestätigt auch Bauamtsleiter Christian Wirrig. „Dass wir hier handeln müssen, hat sich nach den Ereignissen 2013 gezeigt“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass ein Rückhaltebecken an dieser Stelle nicht nur den unmittelbaren Anwohnern, sondern allen Landwasser-Anrainern im Unterlauf zugutekommt: „Alles, was wir an Zufluss zurückhalten können, hilft im Notfall größere Schäden zu verhindern“, sagt Wirrig. Die Pläne zum Rückhalt des Grundwassers sind demnach auch noch recht frisch – gerade mal in der Vorplanungsphase. Erste Absprachen und ein Plan, wie es aussehen könnte, sind getroffen. Folgendes ist demnach absehbar:

Was genau soll vor dem Zufluss des Grundwassers gebaut werden?

Nach Angaben von Planer Axel Eißler soll ein sogenanntes grünes Becken entstehen. Das heißt, dass nur dann Wasser in der natürlichen Senke durch den neu zu bauenden Damm zurückgehalten wird, wenn tatsächlich ein Ernstfall eintritt. Das Einzugsgebiet des Grundwassers ist dabei von der Fläche her noch nicht einmal besonders groß – aber die Wassermengen kommen von den Hängen des Kottmars mit großer Geschwindigkeit angeschossen. „Binnen vier, fünf Stunden nach Beginn des Regens ist das Wasser im Ort“, sagt Eißler. Der Damm, der nun die Fluten aufhalten soll, wird nach derzeitigen Planungen rund vier Meter hoch und 110 Meter lang. Zu beiden Seiten soll ein Erdwall aufgeschüttet werden, der etwa eine Neigung von eins zu drei haben müsste. Der Fluss selbst wird ganz normal das Bauwerk passieren können. Dafür wird eine Öffnung von vorab festgelegter Größe eingerichtet und offen gelassen. Wenn im Ernstfall mehr Wasser durch das Flussbett strömt, läuft dennoch immer nur die kleine Menge Wasser ins Landwasser ab, die durch diese Öffnung passt. Alles andere staut sich automatisch in dem Becken. Sollte die maximale Stauhöhe überschritten werden, überströmt der Fluss kontrolliert den Damm und fließt über die Hochwasserentlastungsanlage ab.

Sind die Grundstücksbesitzer und

die Nutzer mit im Boot?

Ja. Die Gemeinde hat mit dem Planungsbüro vor einigen Tagen ein gemeinsames Treffen mit der Agrargenossenschaft Eibau und den Grundstücksbesitzern organisiert. Wichtig ist vor allem die Agrargenossenschaft, denn sie ist zu hundert Prozent Nutzer der betroffenen Weideflächen, wie deren Vorstandsvorsitzender Gotthard Hoffmann bestätigt. „Wir sind für diese Pläne offen, wollen aber am Ende nicht schlechter gestellt sein als ohne dieses Bauwerk“, sagt er. In der Tat würden sich bei einem Hochwasser Schlamm und auch größere Gegenstände auf der Weide ansammeln – weitaus stärker als bislang. Deshalb soll ein Vertrag zwischen Gemeinde und Landwirtschaftsbetrieb abgeschlossen werden, der eine finanzielle Unterstützung der Agrargenossenschaft für die Beseitigung der Ablagerungen beinhaltet.

Wie stark wird dieses Becken

schützen können und was kostet es?

Abhalten soll das Bauwerk auf alle Fälle ein hundertjähriges Hochwasser, das ist die Standardanforderung. Allerdings muss der Damm so konzipiert sein, dass er auch bei einem 5 000-jährigen Hochwasser nicht bricht. Diese – statistisch errechnete Größe – wird bei Bauwerken dieses Ausmaßes generell gefordert. Wie lange es dauert, bis ein solcher Damm stehen könnte, ist derzeit noch nicht seriös absehbar. Auch zu den Kosten wurde Montagabend noch nichts gesagt. Fest stehe aber, dass man für ein solches Projekt Fördergelder einwerben will, wobei man allerdings nicht mit den hohen Quoten rechnen kann, wie es aktuell bei der Wiederaufbauhilfe ist, betont auch Bauamtsleiter Wirrig. Investieren muss die Gemeinde definitiv.

Sind die Anwohner mit dem Stand

der Dinge zufrieden?

Rolf Roob und Günter Netsch sind zunächst froh, dass die Sache angepackt wird. Wunder erwarte aber ohnehin niemand: Planungen, Genehmigungsanträge, Absprachen mit Natur- und Umweltschutz – das braucht Zeit, sagen beide zustimmend. „Wir wissen, dass so ein Bau nicht in drei Jahren steht. Aber es ist für uns eine Perspektive“, sagt Roob. Dass manch einer im Ort auch eine solche Bau-Lösung kritisiert, ist kein Geheimnis. Doch in einem so eng bebauten Flusstal wie in Oderwitz sind die Möglichkeiten eben eng begrenzt.