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Glasfaser für Dorfhains

Die Unternehmer im Ort drängen auf den Breitbandausbau. Nun gibt es die erste Kostenschätzung.

© Karl Ludwig-Oberthür

Von Franz Werfel

Dorfhain. Wie können es auch kleine, abgelegene Dörfer schaffen, dass sie den Zugang zu schnellem Internet bekommen? Engagiert wie derzeit wohl nur wenige kleine Gemeinden diskutiert Dorfhain über die Schlüsseltechnologie der Zukunft: das Breitbandinternet. Dabei kommt der Gemeinde mit ihren 1 100 Einwohnern zugute, dass sie ein wichtiger Gewerbestandort ist. Mit der Baufirma Jähnig etwa hat sich vor 24 Jahren ein großes Geologieunternehmen in dem Ort angesiedelt.

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Und dann gibt es Ralf Lehnert. Der mittlerweile emeritierte TU-Professor für Telekommunikation wohnt seit 20 Jahren in Dorfhain. Für schnelles Internet ist er ein ausgewiesener Experte. Seinem Heimatort gibt er nun etwas von seinem Wissen ab. Dabei wird er nicht müde zu betonen, dass es sich jetzt lohnt, ordentlich in die Zukunft zu investieren. Im Dorfhainer Gemeinderat sagte Lehnert kürzlich, dass die Ziele der Bundesregierung nicht ausreichen. Im Koalitionsvertrag steht, dass bis 2018 überall in Deutschland Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde erreicht werden sollen. „Das würde uns jetzt zwar helfen“, so Lehnert. „Doch langfristig müssen wir mindestens auf das Doppelte kommen.“ Viele Dorfhainer erreichen aktuell Übertragungsraten von nur zwei Megabit pro Sekunde. Um Filme im Internet in guter Qualität anschauen zu können, benötigt man eine Leitung, die bis zu 16 Megabit pro Sekunde überträgt.

Ein weiteres Beispiel hat Lehnert parat: Jetzt kommen die ersten 4-K-Fernseher auf den Markt. Mit dieser neuen Technologie kann man Fernsehbilder empfangen, die viermal so hoch aufgelöst sind wie die derzeit dominierende HD-Qualität. „Dafür braucht man aber auch entsprechend schnelles Internet, damit man diese Bilder auf den Schirm bekommt“, sagte Lehnert.

Heike Linné von der Dorfhainer Gemeindeverwaltung berichtet, dass nicht nur die ansässigen Unternehmen mit Nachdruck einen schnellen Internetausbau fordern. Dafür wären fast alle Dorfhainer Unternehmer sogar bereit, persönlich viel Geld für die Gemeinschaft zu investieren. Auch eine Heidenauer Wohnungsgenossenschaft, die in Dorfhain viele Wohnungen vermietet, habe ihr gesagt, dass viele Interessenten zuerst nach schnellem Internet fragen würden, bevor sie sich für eine Wohnung entscheiden. Das kann Ralf Lehnert gut verstehen. „Wir müssen bedenken, dass das Thema Home-Office, also die Erledigung von Büroarbeiten von zu Hause aus, immer wichtiger wird“, sagt er. Das gelte gerade auch für den ländlichen Raum. Doch wer bringt nun das schnelle Netz nach Dorfhain – und zu welchem Preis?

Dazu hatte das Landratsamt im vergangenen Jahr eine Studie in Auftrag gegeben, die nun den Gemeinden vorliegt. Auf Dorfhain kämen beim Breitbandausbau – je nachdem, wie man die Sache angeht – zwischen 500000 und einer Million Euro zu. Das Dorf hofft noch auf Förderung vom Landkreis in Höhe von mindestens 75 Prozent. Doch gerade den aufwendigeren Ausbau, bei dem die Glasfaserkabel bis an jede Haustür verlegt würden (Fiber to the Home), könne man sich nur leisten, wenn Land und Kreis ihre Förderung auf 90 Prozent erhöhten. Da waren sich die Gemeinderäte einig. Eine Idee brachte Ralf Lehnert im Gemeinderat noch ins Spiel: Man könne jetzt erst einmal den günstigeren Ausbau wählen. Und in den nächsten Jahren das Fiber-to-the-Home weiter ausbauen.