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Wie das Smartphone Lebensmittel rettet

Im Landkreis Meißen werfen erste Geschäfte weniger Essen weg. Das Konzept ist einfach.

Die Aral-Tankstellen in Meißen sind in der Smartphone-App „Too Good To Go“ gelistet. Im Landkreis Meißen machen bislang nur ein paar Geschäfte mit, um Lebensmittel vor dem Müll zu retten.
Die Aral-Tankstellen in Meißen sind in der Smartphone-App „Too Good To Go“ gelistet. Im Landkreis Meißen machen bislang nur ein paar Geschäfte mit, um Lebensmittel vor dem Müll zu retten. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ein Klick auf die App, und schon wird man zum Retter von Lebensmitteln. Ein paar Geschäfte im Landkreis Meißen machen schon mit, auch wenn es sich unternehmerisch nicht lohnt. Das sagt zumindest Thomas Tyralla. „Aber dafür beruhigt es das Gewissen“, so der Geschäftsführer der Aral-Tankstellen in Meißen und Coswig. Es geht um die Smartphone-App „Too Good To Go“, sprich: Zu gut zum Wegwerfen. Darüber sollen Lebensmittel zum Beispiel in Restaurants oder Supermärkten vor dem Müll gerettet werden. Aber wer nutzt das überhaupt schon in der Meißner Region?

„Wir nutzen die App in Meißen schon seit dem Sommer“, erzählt Thomas Tyralla. „Weil sie so gut bei unseren Kunden ankam, ist sie seit drei Monaten auch in Coswig verfügbar.“ Jeden Abend gibt es Portionen zum Abholen, die vorher in der App bezahlt und reserviert werden. Portionen: Das sind bei der Tankstelle zum Beispiel ein Mix aus belegten Brötchen, Schnitzeln oder süßen Backwaren. Das kostet den Kunden normalerweise 10 Euro – mit der App nur 3,50 Euro. „Das ist attraktiv für jeden, der sparen will“, sagt Thomas Tyralla. Er selbst verspricht sich davon, dass weniger weggeworfen wird. „Denn meist landen noch genießbare, frische Lebensmittel im Müll, die wir nicht mehr anbieten können.“ Laut Gesetzgeber dürfen Theken-Waren nicht länger als fünf Stunden gelagert werden – obwohl sie noch haltbar sind.

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Weniger Abfall bedeutet weniger Kohlendioxid

Jährlich landen circa zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, laut einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums aus dem Jahr 2015. Sechs Millionen Tonnen fallen allein auf die Haushalte, pro Kopf etwa 75 Kilogramm. Im Einzelhandel oder der Gastronomie sind es in Deutschland circa 2,2 Tonnen. Genau hier setzt die App an, die von einem schwedischen Unternehmen stammt und mittlerweile in elf Ländern aktiv ist. Weniger Abfall reduziert den CO²-Ausstoß. Wenn übriggebliebenes Essen weiterverwendet und nicht weggeworfen wird, muss weniger produziert werden. So entsteht weniger CO².

Mehr Menschen wollen auch im Alltag etwas für das Klima tun. Das berichtet auch Frank Grüneisen, Pressesprecher bei Real. Im Riesaer Markt wird die „Too Good To Go“-App von einem gemischten Publikum genutzt: „Von Studenten bis zu Familien.“ 80 Portionen pro Woche gibt es hier seit August 2018. „Das Angebot reicht von frischem Obst und Gemüse bis zu Produkten aus der Bäckerei. Frischfleisch sowie frischer Fisch sind jedoch grundsätzlich nicht im Angebot enthalten“, so Frank Grüneisen. Auch hier wird für 3,50 Euro verkauft. „In Riesa ist die Nachfrage so hoch, dass die Tüten in der Regel bereits um die Mittagszeit ausverkauft sind.“

Das Meißner Dorint Parkhotel testet die App seit Ende Oktober. Geschäftsführer Mark Anton bewertet seine ersten Erfahrungen positiv. „Die Kunden, die die App nutzen, sind begeistert“, weiß er. „Sie tragen dazu bei, den Speisenmüll nachhaltig zu reduzieren, und sparen dabei ordentlich Geld für hochwertige Produkte.“ Gerade Essen vom Frühstücksbüffet müsse das Hotel vernichten, aufgrund strenger hygienischer Standards – auch wenn es noch einwandfrei sei. Acht bis zehn Portionen pro Woche für je 3,90 Euro verkauft das Hotel über die App an hauptsächlich jüngere Menschen. Das Hotel kann so circa ein Viertel des anfallenden Speisenmülls reduzieren.

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