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Wie das ZCOM entstand

Teil 1 dieser Jubiläumsserie schaut in die Zeit vor 25 Jahren, als der Grundstein für das Computermuseum gelegt wurde.

Konrad Zuse (rechts) trägt sich am 19. September 1995 ins Gästebuch der Computerausstellung im Lautech-Gebäude ein.
Konrad Zuse (rechts) trägt sich am 19. September 1995 ins Gästebuch der Computerausstellung im Lautech-Gebäude ein. © Foto: Archiv

Von Gerhard Walter

Hoyerswerda. Es ist nicht schwer, aus der Reihe der Berühmtheiten, die Hoyerswerda beheimatete, einen Namen zu nennen, der weltweite Bekanntheit erlangte. Natürlich gehören auch Brigitte Reimann und Gerhard Gundermann zu jenen Persönlichkeiten mit internationaler Bedeutsamkeit. Schließlich sind ihr Werk oder seine Lieder, vielfach übersetzt, über den Globus verbreitet. Der Wahrnehmung der Schöpfungen Konrad Zuses standen hingegen Sprachbarrieren weniger im Wege. Zuse gilt als der Erfinder des modernen Computers. Die theoretischen und technischen Grundlagen verstehen sich ohne Worte. Auch Zuses Malerei, eine weitere Leidenschaft, kommt ohne erklärende Texte aus.

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Konrad Zuse (1910-1995) lebte von seinem 13. Lebensjahr bis zum Abitur, das er mit 17 ablegte, in Hoyerswerda. Diese wenigen Jahre prägten den technikbegeisterten jugendlichen Mann außerordentlich. An die Konstruktion und den Bau von Computern machte sich Zuse erst nach seiner Berliner Studienzeit. Rückblickend ist zu erkennen, welch tiefe Spuren das Wohnen in der Alten Post in Hoyerswerda, die als Telegraphenamt Fernmeldetechnik beherbergte, hinterließ. Nach zwei anfänglichen Versuchen gelang ihm 1941 mit dem Z3, einem Postrelais-Rechner, der einen Fernschreiber als Ein- und Ausgabegerät verwendete, der Durchbruch zum Weltruhm.

Bereits in den Vorwendejahren zeigte Konrad Zuse Affinität zu Hoyerswerda. So besuchte er die Stadt 1973 illegal, indem er sich von einem Informatik-Kongress in Dresden absetzte und in Hoyerswerda sein früheres Wohngebäude aufsuchte.

Glücklicherweise wurden die Stadt-Oberen nach 1990 auf Zuse aufmerksam. So kam der Wille auf, eine Straße und ein Gymnasium nach Konrad Zuse zu benennen. Zuse bemerkte wohl diese Ehrerbietungen und nahm sie dankend an. Er fuhr 1993 extra nach Hoyerswerda, um „seine Straße“ zu besichtigen. Die Ehrungen gipfelten ausgerechnet 1995, in Zuses letztem Lebensjahr, in dem man ihn zum Ehrenbürger von Hoyerswerda machte.

Die Idee einer Sammlung, der Vorstufe eines Computermuseums, hat mehrere Quellen. Einerseits boten sich mit Hoyerswerda durch den Sitz des Rechenzentrums des Gaskombinats Schwarze Pumpe und den Standort eines Zweigbetriebes des Kombinats Robotron Verbindungen zur Geschichte des Computers an. Andererseits entwickelte sich die Vorstellung über die nachhaltige Verbundenheit des Computerpioniers Zuse mit der Stadt Hoyerswerda.

Stadt-Dezernent Martin Schmidt äußerte bereits in den frühen 1990er-Jahren den Wunsch, in Hoyerswerda ein Computermuseum zu etablieren. Lautech-Geschäftsführer Dr. Christian Rentsch erkannte in der Seniorenakademie das Potenzial, alte Technik zu sammeln, wieder in Funktion zu setzen und zu präsentieren. So wurde im Vorfeld des Besuches des künftigen Ehrenbürgers 1995 eine kleine Computerausstellung im Lautech-Gebäude aus dem Boden gestampft. Der Ehrengast stimmte einem kurzen Besuch dieser Ausstellung zu, der sich dann über zwei Stunden ausdehnte. Dort ermunterte er die Hoyerswerdaer mit „Nutzt meinen Namen schamlos aus!“, auf sein Werk zu setzen. Konrad Zuse bestimmte, frei werdende Rechentechnik aus der Produktion der Konrad Zuse AG künftig nach Hoyerswerda zu bringen. Der Tag der offiziellen Eröffnung des Konrad Zuse Computer Museums, der 23. Oktober 1995, gilt heute als Geburtstag des ZCOM – des Zuse-Computer-Museums Hoyerswerda.

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