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„Wie der erste Mensch auf dem Mond“

Eliud Kipchoge will als erster Mensch den Marathon unter zwei Stunden laufen. Noch fehlen ihm 25 Sekunden.

Das Auto zeigt die Zeit an. Tempomacher unterstützen den Mann in Rot. Eliud Kipchoge ist 2017 in Monza gescheitert. Er probiert es 2019 in Wien noch mal.
Das Auto zeigt die Zeit an. Tempomacher unterstützen den Mann in Rot. Eliud Kipchoge ist 2017 in Monza gescheitert. Er probiert es 2019 in Wien noch mal. © Luca Bruno/dpa

Er ist Olympiasieger im Marathon und Weltmeister über 5 000 Meter. Im September 2018 gewann Eliud Kipchoge den Berlin-Marathon und stellte mit einer Zeit von 2:01:39 Stunden einen Weltrekord auf. Sein Ziel: die klassischen 42,195 Kilometer unter zwei Stunden zu laufen. Am 6. Mai 2017 scheiterte der Kenianer auf der Rennstrecke in Monza mit 2:00:25 Minuten knapp. Mitte Oktober greift der 34-Jährige diese Marke in Wien das zweite Mal an. 

Für den Versuch im Prater-Park ist ein Zeitfenster zwischen dem 12. und 20. Oktober ausgewählt worden. Der genaue Termin wird erst kurzfristig anhand der Wetterprognosen festgelegt. Das Gespräch mit Kipchoge fand im Rahmen einer Telefonkonferenz mit internationalen Journalisten statt.

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Herr Kipchoge, Sie haben Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Sommerspielen gewonnen und halten den Marathon-Weltrekord. Jetzt wollen Sie als erster Läufer einen Marathon unter zwei Stunden absolvieren. Wie wichtig ist Ihnen dieses Projekt im Vergleich zu anderen Erfolgen?

Wichtiger als alles andere. Es geht darum, Geschichte zu schreiben. Der erste Mensch, der unter zwei Stunden bleibt – das ist so etwas wie der erste Mensch auf dem Mond.

Der Rekord soll nicht in einem offiziellen Rennen fallen, sondern im Oktober in Wien auf einem eigens für Sie gesperrten Kurs, mit Tempomachern und einer Mannschaft aus Helfern und Sponsoren. Im Mai 2017 haben Sie das in Monza schon einmal versucht und sind knapp gescheitert. Was machen Sie dieses Mal anders?

Nicht viel. Ich bin derzeit im Trainingslager in Kenia. Was ich da mache, ähnelt dem Training vor Monza sehr und auch meinem Training vor einem normalen Marathon. Alles läuft gut. Ich freue mich sehr auf den Tag des Rennens. Ich will der ganzen Menschheit zeigen, dass keinem Menschen Grenzen gesetzt sind.

Was tun Sie dafür?

Ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf und laufe für etwa eine Stunde und 20 Minuten. Dann frühstücke ich, ruhe mich aus. Am Nachmittag trainiere ich ein zweites Mal. Ich esse, schlafe, mache alles am nächsten Tag noch mal. Ich laufe 200 bis 220 Kilometer pro Woche. Was sich im Vergleich zum letzten Rekordversuch verändert hat, ist die mentale Vorbereitung.

Was meinen Sie damit?

Ich habe dieses Mal einen freien Geist – auch, weil ich glaube, von meinen Erfahrungen in Monza profitieren zu können. In Monza war ich wie ein Boxer, der in den Ring gestiegen ist und nicht gewusst hat, was auf ihn zukommt. Dieses Mal weiß ich es. Mein Geist ist die größte Hürde. Ich muss absolut auf die 1:59 fokussiert sein.

In Monza kamen Sie nach 2:00:25 Stunden ins Ziel. Was war schiefgelaufen?

Monza war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Ich bin den schnellsten Marathon aller Zeiten gelaufen und habe die Zwei-Stunden-Marke nur um 25 Sekunden verpasst. Insofern würde ich nicht sagen, dass irgendetwas schiefgelaufen ist.

Wann wussten Sie, dass es nicht reichen würde?

Ungefähr einen Kilometer vor dem Ziel. Ich habe mir die Zeit angeschaut und versucht, noch einmal aufzuholen. Aber da war es zu spät und nichts mehr zu machen.

Was haben Sie daraus gelernt?

Die Strecke in Wien wird noch flacher sein. Ich denke, dass mir das hilft. Sie liegt im Prater-Park, wo mich viele Bäume vor Wind schützen. Außerdem sollte das Wetter gut sein. Optimal wäre eine Temperatur von elf, zwölf Grad Celsius beim Start des Rennens, und Wien ist eine sportverrückte Stadt.

Wie wichtig sind die Tempomacher?

Sehr wichtig. Marathon ist schon lange keine Einzelsportart mehr, sondern eine Teamleistung.

Falls Sie die Marke brechen, wird der Leichtathletik-Weltverband IAAF den Rekord nicht akzeptieren, weil es kein offizielles Rennen ist. Stört Sie das?

Mir geht es nicht um den offiziellen Rekord, sondern darum, Geschichte zu schreiben, der Nachwelt etwas zu hinterlassen, andere Menschen zu inspirieren. Außerdem: Den IAAF-Weltrekord im Marathon halte ich ja ohnehin schon.

Sie sind jetzt 34 Jahre alt. Treten Sie bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio noch einmal an oder beim Berlin-Marathon? Oder ist Wien eine Art Abschied?

Ein Abschied wird es auf keinen Fall. Wie es weitergeht, kann ich aber noch nicht sagen. Meine ganze Konzentration gilt dem Rekordversuch.

Haben Sie Zweifel, dass es erneut nicht klappen könnte?

Keinen einzigen.

Das Interview notierte Lars Spannagel. Mehr Infos über den Rekordversuch unter: www.ineos159challenge.com

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