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Wie der Hochwasserschutz das Elbland verändert

Mehr als 200 Bäume sollen den Deichen und Mauern weichen. Die Grünen sorgen sich deshalb um den geschützten Juchtenkäfer.

Die Elblandschaft in Nünchritz ist geprägt von zahlreichen Bäumen und Büschen. Manche von ihnen sollen für den Bau einer Hochwasserschutzanlage weichen. Doch das Vorhaben musste genau untersucht werden.
Die Elblandschaft in Nünchritz ist geprägt von zahlreichen Bäumen und Büschen. Manche von ihnen sollen für den Bau einer Hochwasserschutzanlage weichen. Doch das Vorhaben musste genau untersucht werden. © Sebastian Schultz;

Nünchritz. Das Thema Hochwasserschutz bewegt die Gemüter in und rund um Nünchritz bereits seit Jahren. Nachdem die Region 2002 und 2013 gleich zweimal einer verheerenden Flut zum Opfer fiel, kämpfen viele Anwohner darum, dass sich die Katastrophe nicht noch einmal wiederholt. Dazu soll auch eine neue Hochwasserschutzanlage beitragen, mit deren Planung die Landestalsperrenverwaltung (LTV) schon seit dem Jahr 2006 beschäftigt ist. 

Die rund drei Kilometer lange Anlage würde das Landschaftsbild zwischen Grödel und dem Wacker-Werk in Nünchritz grundlegend verändern. Und somit auch in die Natur eingreifen. Genau das beschäftigt auch den Grünen-Abgeordneten Wolfram Günther, der zur „Rodung wertvoller Gehölze bei Hochwasserschutzmaßnahmen in Nünchritz“ eine Kleine Anfrage im sächsischen Landtag stellte. Die SZ hat die wichtigsten Fakten aus der Antwort des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zusammengefasst.

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Wie viele Bäume sollen für den Hochwasserschutz gerodet werden?

Laut Angaben des Umweltministers Thomas Schmidt (CDU) sollen entlang der Elbe insgesamt 216 Bäume und elf Sträucher gerodet werden. Die Daten beruhen auf dem Landschaftspflegerischen Begleitplan des Vorhabens. Demnach müssen 118 Bäume mit einem Stammdurchmesser von 0,05 bis 0,3 Meter und 89 Bäume mit einem Durchmesser von 0,3 bis 0,6 Meter gefällt werden. 

Hinzu kommen neun Bäume mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern bis zu einem Meter. Gerodet werden müssen laut Angaben des Ministeriums all jene Bäume, die „unmittelbar in Aufstandbereichen der Hochwasserschutzanlagen“ stehen. Sprich: Überall dort, wo Deiche, Spundwände und andere Elemente der Anlage aufgestellt werden, kommen die Bäume und Sträucher weg.

Das Elbtal gilt als Lebensraum des streng geschützten Juchtenkäfers.
Das Elbtal gilt als Lebensraum des streng geschützten Juchtenkäfers. © Wikimedia, Nutzer Magnefl/Tønsberg

Beeinflusst die Maßnahme den Lebensraum des Juchtenkäfers?

Da die Hochwasserschutzanlage im Landschaftsschutzgebiet „Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg“ liegt, das als sächsischer Verbreitungsschwerpunkt des holzbewohnenden und streng geschützten Juchtenkäfers gilt, fürchten Naturschützer, dass der Lebensraum der Tiere durch den Bau der Hochwasserschutzanlage verloren gehen könnte. 

Laut Umweltminister Thomas Schmidt seien aber bereits Verträglichkeitsprüfungen durchgeführt worden. Sowohl im Jahr 2009 als auch 2017 wurden demnach Altbäume nach holzbewohnenden Käferarten untersucht.

 Zwar habe man 2017 an einem bereits gefällten Hochstubben bei Grödel den Juchtenkäfer nachweisen können, „ein Verlust potenzieller Habitatbäume ist nach gegenwärtigem Wissensstand aber ausgeschlossen.“ Zumal ein stark zurückgeschnittener Altbaum bei Grödel durch eine Anpassung der Planung erhalten bleiben solle.

Gibt es Alternativen zum geplanten Verlauf der Hochwasserschutzanlage?

Die Landestalsperrenverwaltung hat bereits bei Gesprächen vor Ort in Nünchritz angedeutet, dass es zur geplanten Hochwasserschutzlinie keine Alternativen gibt. Im Umweltministerium begründet man dies mit rechtlichen und örtlichen Rahmenbedingungen. 

„Eine Verschiebung ins Deichvorland hätte eine Verringerung des Überschwemmungsgebietes der Elbe und damit eine Retentionsraumreduzierung zur Folge, was wasserrechtlich unzulässig ist“, heißt es. Damit ist die Fläche gemeint, die bei Hochwasser überflutet wird und somit ein zu starkes Ansteigen des Wassers verhindert. 

Doch auch in die andere Richtung gibt es laut Ministerium keinen Spielraum: „Eine Verschiebung ins Deichhinterland würde private Grundstücke mit Wohnbebauung in den Ortslagen Grödel und Nünchritz beziehungsweise eine Zuwegung in Grödel stark beeinträchtigen.“

Wo finden Ausgleichspflanzungen für die gerodeten Bäume statt?

Laut Angaben des Umweltministers Thomas Schmidt sollen als Ersatz für die gerodeten Bäume zahlreiche Bepflanzungen stattfinden. Diese sind unter anderem an der Grödeler Straße vorgesehen, dort sollen 39 Bäume gepflanzt werden. 

Auch am Hochufer zwischen Nünchritz und Grödel sollen Pflanzungen stattfinden, insgesamt 13 Bäume sind hier eingeplant. Zudem soll eine Baumreihe am Kleingewässer „Moritzer Loch“ entstehen. 

Des Weiteren sollen an verschiedenen Stellen in der Gemeinde Büsche angelegt werden. Für alle Pflanzungen sind laut Ministerium eine Fertigstellungspflege sowie eine zweijährige Entwicklungspflege vorgesehen.

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