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Meißen

Lottomillionen fließen in den Landkreis

Mehr als 280 Millionen Euro nahm das Land zuletzt durch Glücksspiel ein. Das Geld fließt im Kreis vor allem in drei Orte.

Nur 50 Prozent der Lotto-Einnahmen geht an die Gewinner. Den Rest bekommen zu Großteilen die Bundesländer.
Nur 50 Prozent der Lotto-Einnahmen geht an die Gewinner. Den Rest bekommen zu Großteilen die Bundesländer. © Bodo Kemper/WestLotto

Für viele Menschen gehört es mittlerweile fast schon zur wöchentlichen Routine: Mehr als sieben Millionen Bundesbürger spielen regelmäßig Lotto. Dreimal so viele versuchen zumindest gelegentlich ihr Glück. Das zumindest zeigt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Doch was passiert eigentlich mit dem Geld, das die Lotto-Gesellschaften einnehmen? Schließlich werden nur 50 Prozent davon an die glücklichen Gewinner ausgeschüttet. Der Rest geht größtenteils an die Bundesländer. Die wiederum investieren es in Sport, Umwelt und Kultur. In den vergangenen fünf Jahren waren das in Sachsen immerhin mehr als 280 Millionen Euro. Die SZ gibt eine Übersicht, welche Städte im Landkreis Meißen besonders von den Lotto-Millionen profitieren.

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Neue Terrassen und Ausstellungsräume für Schloss Moritzburg

Kein Denkmal im Landkreis Meißen bekommt mehr von den Lotto-Einnahmen des Freistaates ab als Schloss Moritzburg. In den Jahren 2015 bis 2018 wurden fast 3,7 Millionen Euro aus dem Glücksspieltopf für die Sanierung des Barockschlosses verwendet. Unter anderem wurden von dem Geld die Ausstellungsbereiche des Schlosses erneuert. Außerdem wurde das im Schlosspark befindliche Fasanenschlösschen saniert. Auch die Fasanerie wird schon seit Jahren Stück für Stück wiederhergestellt. Und auch weiterhin soll reichlich Geld in das staatliche Schloss fließen: Im Doppelhaushalt 2019/20 sind 2,4 Millionen Euro an Lotteriemitteln für Schloss Moritzburg eingeplant. Unter anderem soll damit die Entschlammung des Großteiches finanziert werden.

Besonders im Sommer, wenn die Bäume in voller Pracht stehen und die Fassade im Sonnenschein funkelt, ist Schloss Moritzburg ein Magnet für Touristen. Um das Denkmal zu erhalten, nutzt der Freistaat auch Einnahmen aus Glücksspielen.
Besonders im Sommer, wenn die Bäume in voller Pracht stehen und die Fassade im Sonnenschein funkelt, ist Schloss Moritzburg ein Magnet für Touristen. Um das Denkmal zu erhalten, nutzt der Freistaat auch Einnahmen aus Glücksspielen. © Norbert Millauer

Frische Wandbilder und eine funkelnde Fassade für die Meißner Albrechtsburg

Auch die weltbekannte Albrechtsburg in Meißen profitiert vom staatlich zertifizierten Glücksspiel. Jährlich fließen zwischen 200.000 und 350.000 Euro an Lotteriemitteln in den ersten Schlossbau Deutschlands. In den Jahren 2015 bis 2018 kamen auf diese Weise knapp 1,2 Millionen Euro zusammen. Mit dem Geld aus den Lotto-Einnahmen wird schon seit Jahren unter anderem die Sanierung der Wandbilder auf der Albrechtsburg finanziert. Seit 2009 arbeiten Restauratoren daran, die mehr als 100 Wandbilder, die zu den kulturellen Schätzen des Freistaates zählen, in ihrem historischen Zustand zu erhalten. Darüber hinaus fanden in den vergangenen Jahren mehrere Ausbesserungsarbeiten an der Fassade der Albrechtsburg statt. Im aktuellen Doppelhaushalt des Freistaates sind wieder 400.000 Euro an Lotteriemitteln für die Albrechtsburg eingeplant.

Auch Albrechtsburg und Dom in Meißen profitieren.
Auch Albrechtsburg und Dom in Meißen profitieren. © Claudia Hübschmann

Geldsegen für Schloss Nossen und Kloster Altzella

Die Kleinstadt Nossen ist der einzige Ort im Landkreis Meißen, der gleich doppelt vom Glücksspiel profitiert. Sowohl das Schloss Nossen als auch das Kloster Altzella wurden in den vergangenen Jahren mit Lotteriemitteln saniert und teilweise umgebaut. Das Schloss Nossen bekam zwischen 2015 und 2018 insgesamt rund 500.000 Euro von den Lotto-Einnahmen des Landes ab, ins Kloster Altzella flossen knapp 800.000 Euro. Beide Denkmale sollen auch weiterhin unterstützt werden: Im aktuellen Doppelhaushalt des Freistaates sind für Schloss Nossen weitere 300.000 Euro und für das Kloster Altzella weitere 400.000 Euro eingeplant.

Auch andere Denkmale bekommen Unterstützung

Neben den klassischen Lottospielen, wie beispielsweise die Ziehung „6 aus 49“, deren Erträge teils in die Staatskasse fließen, bieten die Lotto-Gesellschaften auch Varianten an, bei denen die Einnahmen nicht an den Staat, sondern direkt an Begünstigte ausgereicht werden. Hierzu zählt etwa die „Glücksspirale“. Über sie werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz regelmäßig kleinere Beträge an diverse Projekte im Kreis ausgereicht. In der Vergangenheit profitierten davon unter anderem das Schloss Jahnishausen in Riesa, die Klosterruine Heilig Kreuz in Meißen und die Dorfkirche Blochwitz.

Ina Schumann darf sich über Unterstützung für Schloss Nossen freuen.
Ina Schumann darf sich über Unterstützung für Schloss Nossen freuen. © Claudia Hübschmann

Was passiert mit den Lotto-Einnahmen?

Wer im Lotto gewinnt, kann sich oft auf einen Geldregen freuen. Hunderte Menschen sind in den vergangenen Jahrzehnten schon zum Millionär geworden, weil sie auf die richtigen Zahlen gesetzt hatten. Doch nur die Hälfte der Lotto-Einnahmen in Deutschland wird letztendlich als Gewinn an die Tipper ausgeschüttet. Der milliardenschwere Rest geht zu großen Teilen an den Staat. Doch der darf sich von dem Geld nicht einfach nehmen, was er will. Denn die Verteilung ist klar geregelt.

Grundsätzlich gilt: Der größte Anteil der nach Gewinnausschüttung verbleibenden Lotto-Einnahmen geht an die einzelnen Bundesländer. Sie bekommen etwa 40 Prozent des Geldes. Einerseits in Form der Lottosteuer in Höhe von circa 16,7 Prozent, andererseits in Form von Einnahmen zur Förderung von Kultur, Sport, Umwelt und Jugend in Höhe von 23 Prozent. Der restliche Teil des Geldes wird genutzt, um die Verwaltung der Lotto-Gesellschaften zu finanzieren und den Annahmestellen eine Provision auszuzahlen. Dennoch lässt die Regelung auch Spielraum.

Denn was genau die einzelnen Bundesländer mit ihrem Anteil der Lotto-Einnahmen anstellen, ist allein ihnen überlassen. In Sachsen ist die Verwendung des Ertrags aus Glücksspielen durch das Sächsische Ausführungsgesetz zum Glücksspielstaatsvertrag geregelt. Dort heißt es unter Paragraf 10: „Aus dem Reinertrag der vom Freistaat Sachsen veranstalteten Sportwetten, Lotterien und Ausspielungen werden die Bereiche Suchtprävention, Sport, Kultur, Umwelt, Jugend und Wohlfahrtspflege nach Maßgabe des Haushaltsplans des Freistaates Sachsen gefördert.“ Die Verwendung wird somit alle zwei Jahre neu festgelegt – immer dann, wenn die Regierung einen neuen Doppelhaushalt beschließt.

Anders ist das beispielsweise in Baden-Württemberg. Dort gibt es bereits seit 1948 einen sogenannten Wettmittelfonds. Darin ist geregelt, welche Sparte in welcher Höhe gefördert werden soll. Den größten Anteil macht dabei die Sportförderung aus, für sie sind fast 45 Prozent der finanziellen Mittel vorgesehen. In Sachsen ist der Anteil bedeutend geringer. Am Ende profitieren durch das staatliche Glücksspielmonopol aber allerorts nicht nur die Lotto-Gewinner von den Einnahmen, sondern auch der Rest der Gesellschaft. (SZ/ksh)