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Wie der Landkreis junge Leute halten will

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Görlitz hat jetzt Bilanz gezogen. Abwanderung bleibt ein Problem, vor allem bei jungen Frauen.

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© Hochschule

Von Matthias Klaus

Landkreis Görlitz. Das klingt beim ersten Hingucken gar nicht schlecht: Von den 1 815 Beschäftigten in der Landkreisverwaltung sind immerhin fast 69 Prozent Frauen. An der Spitze sieht es dann allerdings schon etwas anders aus. In der Ebene „Dezernats- und Amtsleitung“ beträgt der Frauenanteil noch knapp 36 Prozent. Und von den knapp 19 Prozent Teilzeitbeschäftigten sind über 91 Prozent Frauen. Das sagt der Frauenförderplan der Landkreisverwaltung vom Oktober 2014. Andere Zahlen hatte Ines Fabisch während der jüngsten Sitzung des Görlitzer Kreistages nicht dabei. „Nach wie vor verlassen junge Frauen den Landkreis, das bleibt weiterhin ein Problem“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte. Sie zog jetzt im Kreistag eine Bilanz ihrer Arbeit für 2015/2016.

Ines Fabisch ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.
Ines Fabisch ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. © Archiv

Schwierige Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen in den Gemeinden

„Die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten gestaltet sich schwierig“, bilanziert Ines Fabisch. Nur wenige nutzen demnach die Angebote zu „gleichstellungspolitischen Themen“. Eine sehr gute Zusammenarbeit bestehe beispielsweise mit der Gleichstellungsbeauftragten von Weißwasser. Dort gibt es eine kleine Veranstaltungsreihe „Lust auf Mitgestaltung?! Frauen aktiv in der Politik vor Ort“. Frauen, so Ines Fabisch, sind in der Kommunalpolitik noch immer nicht entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung vertreten. Mit Veranstaltungen wie der in Weißwasser solle angeregt werden, sich zu beteiligen. Mit den hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten gebe es hingegen eine gute Zusammenarbeit und einen fachlichen Austausch „Es werden Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt und Aktionen geplant“, so Ines Fabisch.

Landkreis beauftragt Studie, wie man junge Frauen halten kann

„Verbesserung der Verbleibeperspektiven für junge Frauen im Landkreis Görlitz“ – hinter diesem sperrigen Titel verbirgt sich eine Studie der Hochschule Zittau-Görlitz. Görlitzer Sozialwissenschaftlerinnen hatten zunächst „nur“ untersuchen wollen, wie man junge, gut ausgebildete Frauen im Kreis halten kann. Inzwischen wurde das Projekt mit Blick auf die Männer ausgeweitet, die Frage gestellt, was man generell jungen und qualifizierten Menschen bieten muss, damit sie ihre Heimat nicht verlassen. Rund 650 Schüler an den neun Gymnasien des Kreises haben entsprechende Fragebögen ausgefüllt, rund 700 Studenten an den beiden Hochschulstandorten. Derzeit läuft die Auswertung.

Impuls Regio soll für Beruf und Studium Richtung weisen

Nicht nur für junge Mädchen ist das Programm Impuls Regio gedacht. Der Landkreis Görlitz will damit auf Beruf und Studium orientieren. Vor allem der große Bezug zur Praxis wird von Gleichstellungsbeauftragter Ines Fabisch herausgestellt. Die jungen Leute erhielten „die Möglichkeit, für Mädchen und Jungen eher untypische, regionale und außergewöhnliche Berufsfelder zu entdecken und auszuprobieren“. Unterstützt werden sie dabei von Ehrenamtlichen, die ihr Wissen weitergeben möchten. Zuletzt gab es 58 Teilnehmer am Programm.

www.pontes-pontes.eu/impulsregio