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Wie der Musiksommer gerettet werden soll

Die Konzertreihe in Bad Schandau steht durch Kürzungen vor dem Aus. Die Kirchgemeinde will sich damit nicht abfinden.

Von Klassik bis Jazz: Die Sommerkonzerte in der Bad Schandauer Kirche sind seit Jahren etabliert.
Von Klassik bis Jazz: Die Sommerkonzerte in der Bad Schandauer Kirche sind seit Jahren etabliert. © Archiv: Steffen Unger

Erst am Freitagabend waren mit dem Akkordeon-Duo Elena und Ruslan Kratschkowski zwei international mehrfach ausgezeichnete Musiker in der Bad Schandauer St.-Johannis-Kirche zu Gast. Die Musiker brachten unter anderem Werke von Tschaikowski und Strawinsky zu Gehör. Ihr Auftritt könnte eines der letzten Konzerte des Orgel- und Musiksommers in Bad Schandau gewesen sein.

Die Reihe existiert seit 24 Jahren. Von Pfingsten bis September erklingt seitdem freitags Musik von Klassik bis Jazz in der Bad Schandauer Kirche. Annähernd 3 000 Besucher zählt die Konzertreihe jährlich und ist ein fester Bestandteil im Veranstaltungsprogramm der Stadt. Der Kirchenvorstand spricht von einem kulturellen Leuchtturm für die Region.

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Doch nun steht der Orgel- und Musiksommer offenbar vor dem Aus. Der Grund sind Umstrukturierungen im Kirchenbezirk, die, wie so oft, auch mit Stellenkürzungen verbunden sind. Bislang verfügte Bad Schandau über eine hauptamtliche Kirchenmusikerstelle. Die wird seit 2012 von Daniela Vogel bekleidet, die auch die damit auch die künstlerische Leitung des Musiksommers innehat und sich um die Buchung der Künstler und Organisation der Konzerte kümmert. Ab 2020 ist für Bad Schandau aber nur noch eine halbe und zudem niedriger qualifizierte Stelle vorgesehen. „Mit einem solchen Stellenumfang kann jedoch weder die gewohnte qualitativ hochwertige Kirchenmusik gewährleistet noch der Orgel- und Musiksommer organisiert und durchgeführt werden“, schrieb der Kirchenvorstand schon im Frühjahr im Gemeindeblatt.

Die Bad Schandauer Gemeinde startete eine Unterschriftensammlung, um die Landeskirche zur Rücknahme der geplanten Umstrukturierungen zu bewegen. Rund 1 800 Menschen unterschrieben die Petition zum Erhalt des Orgel- und Musiksommers. Doch weder diese Unterschriftenliste, noch die vorgebrachte Argumentation, dass Bad Schandau als führender touristischer Ort im Kirchenbezirk eine Sonderstellung einnehme, konnte die beschlossenen Strukturveränderungen verhindern.

Damit will sich die Bad Schandauer Gemeinde nicht abfinden. Sie hat jetzt eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Unter dem Titel „So klingt die Zukunft – Musiksommer retten!“ soll Geld gesammelt werden. Ziel ist es, die derzeitige hauptamtliche Stelle – und damit den Musiksommer – mithilfe von Spende zunächst für die kommenden drei Jahre zu erhalten. „Es hilft uns jede Spende“, heißt es in dem Aufruf, egal ob kleiner, großer, einmaliger oder regelmäßiger Betrag.

Auch die Stadt will die Konzertreihe erhalten. „Die Qualität ist hoch und die Nachfrage ist da“, sagt Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus). Gerade für die Urlaubsgäste sei das Angebot interessant. Es hat deshalb schon mehrere Gesprächsrunden mit dem Pfarramt gegeben, um nach Lösungen zu suchen. Selbst könne die Stadt die wegfallende Stelle nicht finanzieren, ein höherer Zuschuss für die Veranstaltungen als bislang sei aber denkbar.

Die nächsten Konzerte: 14. September, Reinhardtsdorf; 20. September, St.-Johannis-Kirche Bad Schandau;

27. September, Großes Abschlusskonzert, St.-Johannis-Kirche Bad Schandau.

Spendenkonto: Kirchenbezirk Pirna; IBAN: DE33 3506 0190 1617 2090 19; Zweck: Rettung Musiksommer

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