SZ +
Merken

Wie der Schauspieler Joachim Zschocke in Dresden Karriere machte

Die Karriere des Mimen beginnt am Theater in Senftenberg und wird in Dresden gekrönt.

Teilen
Folgen

Von Ingrid Roßki

Mehr als 30 Jahre gehörte Joachim Zschocke zum Ensemble des Dresdner Staatsschauspiels. Er war Richard III., Tartüff, Othello. In Lessings „Nathan der Weise“ spielte er den Sultan Saladin an der Seite von Wolfgang Dehler. Zschocke war 1978 der Patient Ernesti, in Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ und 1981/82 der Schiffer Wulkow in Hauptmanns „Der Biberpelz“. Bereits 1965 spielte er in Martin Walsers Schauspiel „Der schwarze Schwan“ die Rolle des Gerold. Und als 1990 Taboris „Mein Kampf“ auf dem Spielplan stand, übernahm Joachim Zschocke den Lobkowitz. In schöner Erinnerung bleibt sein Auftritt im Volksliederabend des Staatsschauspiels vom März 1980 mit „Liedern aus sechs Jahrhunderten“ an der Seite von Rolf Dietrich, Lars Jung oder Gudrun Okras. Schauspieler war Zschocke mit Leib und Seele. „Theater muss Mut zum Leben verbreiten und aufmerksam machen auf die Gefahren, die dem Leben in der Gesellschaft innewohnen ...“, sagte er.

Geboren wird Joachim Zschocke am 11. August 1928 in Essen. Der Vater ist Polizeibeamter. Dass der Sohn einmal Schauspieler werden wird, ist im Elternhaus überhaupt kein Thema. Joachim besucht das Gymnasium. Als 16-Jähriger wird er 1944 zur Wehrmacht eingezogen. Die Zerstörung der Stadt Dresden erlebt er ganz aus der Nähe. Zurückgekehrt, lernt er in Lauchhammer Bäcker. Später arbeitet er in der Braunkohle der Niederlausitz. Zu dieser Zeit hat fast jeder größere Betrieb eine Laienspielgruppe. Zschocke gehört einer an, kommt auf den Geschmack. Am Theater der Bergarbeiter in Senftenberg ist er „Mädchen für alles“. Das genügt natürlich nicht. Also bewirbt er sich an der Schauspielschule Berlin, wird zur Aufnahmeprüfung zugelassen. Einer seiner Lehrer während des Studiums von 1951 bis 1954 ist der große Eduard von Winterstein. Mit dem Diplom in der Tasche kommt der junge Schauspieler nach Meiningen und anschließend für acht Jahre an das Landestheater Halle.

Die richtig große Karriere beginnt 1963 mit dem Engagement am Staatsschauspiel Dresden. Bereits in den ersten Jahren spielt er den Arturo Ui, den Puntila, Major Tellheim, Othello. Er hat das große Glück, mit Schauspielern wie Antonia Dietrich, Traute Richter, Hermann Stövesand, Rolf Hoppe auf der Bühne zu stehen. Und in jener fast zur Legende gewordenen Inszenierung von Christoph Heins „Ritter der Tafelrunde“ 1989 verkörpert er Keie.

Dieter Görne, bis 2001 Intendant des Staatsschauspiels, spricht von Zschocke als einer der „großen prägenden Persönlichkeiten des Ensembles“. Er erinnert sich an die „ungeheure Ernsthaftigkeit in der Arbeit, eine wunderbare Portion Humor und hohe Professionalität“. Schauspielkollege Rudolf Donath denkt an ihn als an einen Freund, auf den immer Verlass war. Sein letzter gemeinsamer Auftritt mit ihm war die 100. Aufführung der „Tafelrunde“ 1998. Auf einen bestimmten Typ lässt sich Zschocke nicht festlegen. Er hat ein breit gefächertes Repertoire, auch beim Film und Fernsehen: Als Mathematiker in „Dr. Schlüter“, als Wachtmeister Knoll in „Jungfer, Sie gefällt mir“, als König Volkrad im Märchenfilm „Die Gänsehirtin am Brunnen“. Schließlich ist der Mime sogar in der Komödie Dresden 2001 in der „Feuerzangenbowle“ als Schüler Husemann zu sehen. Er macht keinen Unterschied zwischen Haupt- und Nebenrollen. „Ich habe mich nie als großer Star gefühlt. Mein Anliegen war es, in einem Ensemble meinen Mann zu stehen und auch in der kleinsten Rolle zu überzeugen“, so Joachim Zschocke. Bis zu seinem Tod am 27. Januar 2003 lebt er in Dresden. Das Grab auf dem Striesener Friedhof ist liebevoll gepflegt. Von seiner Frau Hannelore und mitunter auch von Angela Rümmler, einer Mitarbeiterin des Staatsschauspiels.