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Bombastus investiert Hunderttausende in Freital

Die Firma nimmt eine neue Verpackungsmaschine in Betrieb. Sie ist schneller und kann mehr als die bisherige. Unser Video zeigt, wie das läuft.

Martin Köhler bedient die neue Maschine. Sie kann 145 Teebeutel pro Minute befüllen. Fast 500.000 Euro hat sie gekostet.
Martin Köhler bedient die neue Maschine. Sie kann 145 Teebeutel pro Minute befüllen. Fast 500.000 Euro hat sie gekostet. © Karl-Ludwig Oberthür

Es riecht schon ein bisschen nach Weihnachten dieser Tage bei Bombastus in Freital. Das liegt an der neuen Teesorte, die dort seit Anfang September verpackt wird. Winter-Teegenuss steht auf den kleinen Beuteln, die die große Maschine in sekundenschnelle auswirft.

145 Stück pro Minute kann sie schaffen, wenn alles ordentlich eingestellt ist. Dass das klappt, dafür ist Martin Köhler da. Der 32-jährige Maschinenführer kennt die neue Anlage schon ganz gut. Über ein Bedienelement mit Display und mehreren Knöpfen kann er das Gerät steuern. Und wenn es mal irgendwo klemmt, legt er Hand an. Feine Schraubendreher und Inbusschlüssel liegen bereit.

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Mit einer Handkurbel kann er die Maschine auch ganz langsam drehen und die Verpackung des Tees in den Filterbeutel, das Annähen des Fadens, die Befestigung des kleinen Schildchens, das Einschweißen in die Folientüte und das Abpacken in die Schachtel genau beobachten und justieren.

Rund 617.000 Euro hat Bombastus investiert. Die Maschine selbst kostet fast eine halbe Million, der Rest wurde in eine Klimaanlage und kleinere bauliche Veränderungen gesteckt. Notwendig ist die Verpackungsmaschine nicht nur wegen der neuen Sorte, die Bombastus ins Programm genommen hat. „Wir sind an unsere Kapazitätsgrenze gestoßen“, sagt Joachim Günther, Vorstand bei Bombastus.

Die fast baugleiche Maschine im Nebenraum tut nach wie vor zuverlässig ihren Dienst. Auch wegen dieser sehr guten Qualität habe man sich erneut für diesen Typ entschieden. „Der Preis hat allerdings auch eine Rolle gespielt“, gibt Günther zu. Denn es gebe inzwischen auch noch schnellere Maschinen. „Das ist für uns aber nicht sinnvoll.“ Kosten und Nutzen stünden mit der Neuanschaffung in einem guten Verhältnis. Weiteres Wachstum sei damit auch noch möglich.

„Wir haben jetzt 43 Sorten Tee im Programm“, sagt Vertriebsleiter Wieland Prkno. „Plus den neuen Wintertee, also 44“, korrigiert er sich gleich selbst. Zuletzt sei Maschine Nummer eins im Dreischichtsystem rund um die Uhr gelaufen. „Noch 2006 haben wir etwa 870.000 Packungen mit jeweils 20 Teebeuteln verkauft“, sagt Prkno. „2018 waren es schon über eine Million Packungen.“ Die neue Maschine wurde also dringend gebraucht. „Wir schulen unsere Leute jetzt für die Bedienung“, sagt Joachim Günther. 155 Mitarbeiter hat die Firma, weitere werden gesucht. Vieles sei ähnlich wie beim bisherigen Ablauf, aber manches auch neu.

So ist die Maschine nicht nur etwas schneller als ihre ältere Schwester, sondern verbindet Teebeutel und Faden auch ohne störende Metallklammer. Im Tee hängen dann nur noch der Zellulosebeutel und der Baumwollfaden. Ganz ohne Metall geht es aber trotzdem nicht. Denn das Schildchen am anderen Ende des Fadens wird nach wie vor geklammert. So müssen alle umweltbewussten Teetrinker beim Mülltrennen weiterhin die Aluklammer vom Papier fummeln.

400.000 Tassen aus einer Tonne Tee

Bei Bombastus ist in den vergangenen 30 Jahren immer wieder investiert worden. Seit 1989 seien insgesamt 21 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung der Produktion sowie in den Salbeianbau in Freital geflossen. Wenngleich der Salbei selbstverständlich nicht die einzige Zutat für die Tees ist.

Diese werden von Bombastus deutschlandweit eingekauft und in Freital tonnenweise angeliefert. So ein Bigpack mit einer Tonne Tee hängt dann in der Halle an einem Deckenkran und befüllt nach und nach die Maschine, die dann in jeden Teebeutel genau 2,5 Gramm einwickelt – sollten also 400.000 Tassen Tee aus einer Tonne werden.

Martin Köhler kommt derweil an der Maschine ein bisschen ins Schwitzen, denn ausgerechnet als die Journalisten da sind, läuft sie nicht ganz so reibungslos. Der berühmte Vorführeffekt. Gut zeigen kann er allerdings, wie die Qualitätskontrolle funktioniert. Vollautomatisch wird geprüft, ob der Faden fest am Beutel hängt. Wenn nicht, wird er ausgeworfen. Da muss Köhler gar nichts machen, freut sich aber natürlich, wenn möglichst wenig Ausschuss im Eimer landet.

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Der Weihnachtsduft übrigens, das sei kein Geheimnis, komme aus den Zutaten des neuen Wintertees: Zimt, Kardamom und Ingwer würzen den Aufguss. Diese Kreation, erklärt Wieland Prkno, sei auf Kundennachfrage entstanden. „Es gibt schon einen Wintertee von uns, der ist eher rötlich und etwas säuerlicher im Geschmack.“ Die neue Variante ist eher gelb und werde als noch angenehmer wahrgenommen, sagt der Vertriebsleiter. Am Ende sei das aber – wie immer – alles Geschmackssache.

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