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Wie der Zufall so spielt

In Schleife sackte ein Radlader ein. Das führte zur überraschenden Entdeckung – eines historischen Brunnens.

Bis zur Kinderbibelwoche im August soll der Brunnen im Pfarrgarten Schleife fertig sein. René Käßler, Edgar Pawel und Norbert Struck (v.li.) packen dafür in ihrer Freizeit ordentlich an. Wie Mirek und Kito freuen sich schon viele Kinder darauf.
Bis zur Kinderbibelwoche im August soll der Brunnen im Pfarrgarten Schleife fertig sein. René Käßler, Edgar Pawel und Norbert Struck (v.li.) packen dafür in ihrer Freizeit ordentlich an. Wie Mirek und Kito freuen sich schon viele Kinder darauf. © Foto: Constanze Knappe

Schleife. Zufälle gibt‘s, die gibt‘s gar nicht. Das hat sich jetzt einmal mehr in Schleife gezeigt. Als dort im vorigen Jahr im Pfarrgarten die Arche Noah gebaut wurde, sollten Feldsteine zur Begrenzung verlegt werden. Außerdem war Erdreich übrig, welches zur Modellierung eines Rodelbergs dienen sollte. Für beides bedurfte es schwerer Technik, wie man sich leicht vorstellen kann. Deshalb rückte ein Radlader an. Als die Baumaschine rückwärts fuhr, sackte sie plötzlich mit dem linken Hinterrad ab. Eine Granitplatte darunter war gebrochen. Zum Glück ist aber nichts passiert. Soll heißen: Weder ist der Radlader versunken, noch kamen Personen dabei irgendwie zu Schaden.

Passiert ist anschließend aber trotzdem eine ganze Menge. Denn an der betreffenden Stelle wurde ein historischer Brunnen entdeckt. Schätzungsweise aus dem 15. Jahrhundert! Und den hätte unter der Grasnarbe nun wirklich niemand vermutet.

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Richtig „happy“ ist Edgar Pawel noch immer, wenn er sich an jenen Moment erinnert. Wie der Gemeindekirchenrat erzählt, habe er zunächst seinen Zollstock in das Loch reingehalten. Tiefer als zwei Meter musste das wohl sein. Und es sei erst gar nicht erkennbar gewesen, um was es sich da eigentlich handelt, sagt er rückblickend. Als sie die Stelle dann freilegten, kam ein Brunnen zum Vorschein. Das genaue Alter konnten Archäologen leider nicht mehr bestimmen. Dazu war der Eichenholzring im Inneren viel zu sehr vermodert. Aber fest steht immerhin, dass der Brunnen aus dem Mittelalter stammt.

Wie es vonseiten der Archäologen hieß, könne das Loch zugeschüttet werden. Im Gemeindekirchenrat Schleife war man da aber ganz anderer Meinung. „Über den Winter haben wir uns Gedanken gemacht und uns dazu entschlossen, den Brunnen aufzubauen“, erzählt René Käßler. Gesagt, getan. Als Vorbild diente die schematische Darstellung eines Feldsteinbrunnens mit Haspel von 1927, wie sie Wilhelm Bormann in seinem „Bäuerlichen Hauswesen“ beschrieben hatte. Komplett rund ist das Brunnenloch im Pfarrgarten Schleife nicht. „Sie haben sich bestimmt große Mühe gegeben, 100-prozentig gelungen ist es nicht. Aber einen Brunnen mit Feldsteinen so hinzukriegen, ist trotzdem bewundernswert“, lobt Norbert Struck die Brunnenbauer des Mittelalters. Auch das sei ein Grund gewesen, das zufällig entdeckte Bauwerk wieder herzurichten.

In den vergangenen Tagen nun wurde der Brunnen mit einem Innendurchmesser von etwa 1,60 Meter hochgezogen und dabei das aus Feldsteinen ganz ohne Mörtel bestehende Trockenmauerwerk gesichert. Das Brunnenloch wird abgedeckt. Der Überbau soll aus Robinie oder Akazie entstehen, damit er gut zur benachbarten Arche Noah passt. Nur gebe es die Stämme dafür wohl nicht in passender Länge. Notfalls, so sagt Edgar Pawel, „kann es auch Eiche rustikal sein“.

Zentraler Treff für Generationen

Die Anlage bekommt ein Dreibein mit Pfosten, an dem eine Kurbel befestigt wird – mit einem schönen Eimer dran. Ganz so, als könne man Selbigen zu Wasser lassen. Das geht natürlich nicht, weil sich an dieser Stelle das Grundwasser schon vor Jahrzehnten zurückgezogen hat. „Die ältesten Einwohner von Schleife können sich aber noch daran erinnern, dass in ihren Kindertagen aus dem Brunnen Wasser geschöpft wurde“, weiß René Käßler. Auch deshalb liegt es den Mitgliedern des Gemeindekirchenrats am Herzen, dieses Stück Schleifer Geschichte zu erhalten. „Selbst, wenn es trocken liegt“, so René Käßler. Es mache Spaß, den Brunnen für Generationen wieder herzustellen, fügt er hinzu. Als einen Treffpunkt für Jung und Alt.Das sieht auch Edgar Pawel so. Er verweist noch dazu auf den pädagogischen Zweck. Es gebe ja viele biblische Geschichten von der Arche Noah. Und Norbert Struck ergänzt, dass Brunnen in der Geschichte immer zentrale Treffs gewesen seien. Das stellen sich die drei Männer nun auch für den historischen Brunnen in Schleife vor. Und um das Bauwerk noch aufzuwerten, wurde Strom hineinverlegt. Damit lässt sich der Brunnen später sogar beleuchten.

Schöne Ergänzung für Arche Noah

Pfarrerin Jadwiga Mahling ist dankbar für den Einsatz der Ehrenamtler, die den Brunnen entdeckt, die Idee entwickelt und auch verwirklicht haben. „Das schätze ich sehr“, sagt sie. Etwa 600 Euro Materialkosten stehen zu Buche. Die notwendigen Arbeiten haben die drei Männer in ihrer Freizeit erledigt. Edgar Pawel wiegelt ab. „Wenn der Granitstein nicht gebrochen wäre, hätten wir den Brunnen nie entdeckt. Ohne die Sache mit dem Radlader wäre der Brunnen auch die nächsten 500 Jahre verdeckt geblieben “, ist er sich sicher. Und René Käßler findet, dass zwar der Zufall eine große Rolle spielt, dass es aber auch Glück war „und vielleicht noch ein bisschen Aberglaube“. Aus den Granitsteinen, die der Abdeckung des Brunnens dienten, entstand bereits ein Stehtisch. Der gebrochene Stein soll zu einer Sitzbank verarbeitet werden.

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