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Großenhain

Wie die Axt im Walde

Das Straßenbauamt hat bei Blochwitz eine Feldhecke ersatzlos abholzen lassen – Anwohner und Naturschützer sind empört.

Hier muss wieder eine Hecke her: die Blochwitzer Manfred Grafe (l.) und Willi Loschelders an der abgeholzten Trasse für die Autobahn-Entwässerung.
Hier muss wieder eine Hecke her: die Blochwitzer Manfred Grafe (l.) und Willi Loschelders an der abgeholzten Trasse für die Autobahn-Entwässerung. © Manfred Müller

Blochwitz. Als eine Baufirma im vergangenen Herbst an der schmalen Ortsverbindung zwischen Linz und Blochwitz zu buddeln begann, ahnten die Bewohner des Lampertswalder Ortsteils nichts Gutes. Die Autobahnverwaltung wollte hier ein Regenrückhaltebecken ertüchtigen, in dem die Versickerung wegen des lehmigen Bodens nicht funktionierte. Deshalb wurde eine zusätzliche Ableitung geplant, die nach einem Kilometer in den Blochwitzer Tränkegraben führen sollte. 

Das Problem dabei: Entlang der Straße stand eine Feldhecke, die vor zehn Jahren als Ausgleich für den Flächenverbrauch der Deutschen Bahn bei ihren Arbeiten am Bahnhof Lampertswalde gepflanzt wurde. Die Ebereschen, Holunderbäume, Schlehen, Haselnusssträucher und Brombeeren waren inzwischen zu einem kleinen Naturparadies verwachsen, das stellenweise eine Höhe von vier Metern erreichte.

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 Das Straßenbauamt ließ rund 180 Meter der Hecke kurzerhand abholzen, um die Leitung und etliche Betonschächte in die Erde zu bringen. Als einige Blochwitzer bei den Bauleuten vor Ort anfragten, ob wieder nachgepflanzt werde, bekamen sie zur Antwort, dass da nix vorgesehen sei.

Lutz Runge schüttelt noch heute fassungslos den Kopf. Der Linzer war viele Jahre lang Chef des Nabu-Regionalverbandes „Großenhainer Pflege“, und der Naturraum beiderseits der A 13 liegt ihm besonders am Herzen. „Hier ist unter der Autobahn extra ein Wilddurchlass gebaut worden, der die Königsbrücker Heide und das Linzer Teichgebiet mit dem Strauch-Ponickauer Höhenrücken verbindet“, reklamiert Runge. 

Die anschließende Feldhecke sei zu dem Zweck angelegt worden, dass Kleintiere ungestört zwischen den Schutzgebieten hin- und herwandern können. Und nun komme jemand daher und holze das Refugium einfach ab. „Da hätte die Umweltbehörde beim Landratsamt ein Auge drauf haben und es verhindern müssen“, meint der Naturschützer.

Die Blochwitzer richten ihren Blick vor allem auf den eingeschränkten Erholungswert und die Sicherheit. Die Straße werde stark von Radlern und Spaziergängern frequentiert, sagt Manfred Grafe. Die Hecke habe ihnen Windschutz geboten und sei außerdem Nahrungsquelle und Rückzugsgebiet für die verschiedensten Vogelarten gewesen. 

„Uns geht es darum“, sagt Grafe, „dass hier wieder Bäume und Sträucher angepflanzt werden.“ Außerdem sei der Übergang von der Entwässerungstrasse zur Straße so schlampig ausgeführt worden, dass jetzt überall Abbruchkanten zu sehen sind, ergänzt Willi Loschelders. „Wenn hier einmal ein Kind mit seinem Fahrrad zu weit an diesen Straßenrand kommt, stürzt es ab.“

Lampertswaldes Bürgermeister Wolfgang Hoffmann will vom Leitungsbau, der ja auf Gemeindeland erfolgte, nichts gewusst haben. „Das Autobahnamt hätte uns erst mal fragen müssen“, sagt er gegenüber der SZ. Auf jeden Fall müsse ein Ausgleich für die abgeholzte Hecke her; die Kommune habe entsprechende Flächen in der Hinterhand.

Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises verweist darauf, dass es für den Entwässerungsbau ein Planfeststellungsverfahren gegeben hat. Dazu gehörten Ausgleichsmaßnahmen, wie die Rekultivierung der beanspruchten Flächen, die Wiederherstellung mittelwertiger Biotope und Baumpflanzungen in Wald und Offenland. Das umzusetzen, so Sachgebietsleiter Steffen Wesser, sei eine noch verbleibende Aufgabe des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv).

Eine SZ-Anfrage an das Amt – gestellt am vergangenen Donnerstag – blieb bis heute unbeantwortet. Auch mehrfaches Nachfragen bewog das Lasuv nicht, sich zu einer Antwort herbeizulassen. Bei so viel Behördenschlendrian muss man annehmen, dass es beim Planfeststellungsverfahren und der Bauausführung nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Die SZ wird an der Sache dranbleiben.

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