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Wie die Bewohner in Arnsdorf integriert wurden

Seit 2007 hat das Haus am Karswald eine Außenwohngruppe. Der Anfang war damals schwer.

Von Sylvia Gebauer

Ein Plausch am Gartenzaun. Normal für die Arnsdorfer. Das war es schon immer. Doch als Gesprächspartner haben sie die Bewohner vom Haus am Karswald dazu gewonnen. Genauer geht’s um die Außenwohngruppe. Sie hat ihr Domizil in der Elfriede-Lohse-Wächtler-Straße. Wie sie im Ort integriert wurde und wie es ihnen so geht, ist Thema des dritten Teils unserer vierteiligen Serie zum 20. Geburtstag des Hauses am Karswald.

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Heutzutage können sich die Arnsdorfer die Außenwohngruppe nicht mehr wegdenken. Mitten im Ort unweit des oberen Zwölf-Eck-Hauses ist das Haus der Außenwohngruppe zu finden. Einst war in dem Haus die ehemalige Sattlerei untergebracht. Seit 2007 wird das Gebäude als Wohnhaus vom Haus am Karswald genutzt. 14 Erwachsene mit einer geistigen und/ oder psychischen Erkrankung leben hier. Der jüngste Bewohner ist 30 Jahre alt, der älteste 72 Jahre – quasi ein Mehrgenerationswohnen im Herzen von Arnsdorf. Wer sich die Wohnungen der Bewohner ansieht, hat das Gefühl in einem Studentenwohnheim zu sein. Nur die ordentliche und saubere Variante. Der Arbeitsalltag klingt total gewöhnlich. Die Bewohner stehen 6.30 Uhr auf, eine Stunde später beginnt ihr Arbeitsalltag. „Alle arbeiten in einer Werkstatt für behinderte Menschen bzw. erhalten Arbeits- und Beschäftigungsangebote in der Wohnstätte“, sagt Ines Schwenke. Sie ist eine von vier Mitarbeitern, die sich ausschließlich um die Außenwohngruppe kümmern. Dazu gehört auch eine Schlafbereitschaft von Montag bis Freitag. Da die Bewohner am Wochenende nicht früh aufstehen müssen, kann Ines Schwenke dann zu Hause schlafen.

Sie lassen ihre 14 Schützlinge selbstständig entscheiden und tun, zum Beispiel einkaufen. „Zwei gehen liebend gern in den örtlichen Supermarkt“, sagt Ines Schwenke. Sie und ihre Kollegen sind eher dafür da, Hilfestellungen zu geben, wo sie gewünscht und erforderlich sind. So schauen sie beispielsweise, dass die Wohnungen sauber sind. Genau diese Selbstständigkeit hat sich im Vergleich zu früher geändert. Beispiele gibt es viele, die das belegen, wie der Klamotteneinkauf. „Zu DDR-Zeiten kam im Frühjahr und Herbst jemand ins Krankenhaus mit Kleiderstangen voller Sachen“, erinnert sich Ines Schwenke. Das Kulturhaus verwandelte sich in einen Kleiderbasar. Am Ende hatten alle doch irgendwie dieselben Hosen, Hemden und Jacken. Nur die Farben waren anders. Heute ist es so, brauchen die Bewohner etwas, gehen sie in Dresden einkaufen. Ganz individuell. Aber auch gemeinsame Unternehmungen werden großgeschrieben. So ist es in allen vier Häusern und in der Außenwohngruppe vom Haus am Karswald.

Die 14 Bewohner sind angekommen. Der Anfang war schwierig, es waren nicht alle Bewohner, die anfänglich hier lebten, für die Außenwohngruppe geeignet. Veränderungen gab es. Heute ist es so, als gab es nie etwas anderes. Durch das Haus am Karswald wurde das möglich, früher waren die Patienten im Krankenhaus eher abgeschottet. Untergebracht auf der sogenannten Langzeitstation. Diese wurde 1994 aufgelöst. Das Haus am Karswald entstand. Zugleich blieb es, wie das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf im Trägerschaft des Freistaates. Beide sind zwei voneinander unabhängige Unternehmen. Heute sind die Bewohner im Ort integriert. Von den Anwohnern gibt‘s für die Außenwohngruppe auch schon mal einen großen Korb Äpfel als Geschenk.

Morgen erscheint der letzte Teil der Serie.