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Dresden

Bienenseuche aus Bayern eingeschleppt

Die Amerikanische Faulbrut setzt den Bienen in Dresden zu. Was die Imker dagegen tun und welche Auswirkungen das auf Anwohner hat. 

Diesen Bienchen geht es gut, sie krabbeln auf Waben der Hochschule Anhalt in Bernburg. In Dresden tritt immer wieder eine Bienenkrankheit auf.
Diesen Bienchen geht es gut, sie krabbeln auf Waben der Hochschule Anhalt in Bernburg. In Dresden tritt immer wieder eine Bienenkrankheit auf. © Jan Woitas/dpa

Wenn die typischen Zeichen zu sehen sind, ist es längst zu spät. Das Innere der Bienenbrutzellen verwandelt sich in eine zähflüssige Masse: Die Rede ist von der Amerikanischen Faulbrut. Vor vier Tagen wurde die Bienenseuche in der Dresdner Neustadt festgestellt. Was doppelt bitter ist, denn in diesem Bereich sind besonders viele junge Imker aktiv. Das liegt im Viertel absolut im Trend. 20 bis 30 sind vom Sperrbezirk betroffen, den das Veterinäramt jetzt angeordnet hat, sagt Tilo Lorz, der Vorsitzende des Dresdner Imkervereins.

Für die Anwohner hat dies keine Auswirkungen, die Faulbrut ist für Menschen ungefährlich, auch der Honig kann bedenkenlos weiterverzehrt werden. Doch die Imker haben jetzt ein Problem. Ihre Bienenvölker dürfen nicht wandern, Verkäufe und Käufe von Völkern aus und in diesen Bereich hinein sind verboten.

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Zusätzliche Arbeit hat auch das Veterinäramt. Der Amtstierarzt muss mit Kollegen sämtliche Völker, die im Sperrgebiet ansässig sind, mehrfach untersuchen und beproben. Viele Imker haben nicht nur eines, sondern mehrere Völker. Außerdem gelten strenge Regeln: Nur der Imker, der Tierarzt und Bienensachverständige dürfen zu den Bienenständen, damit möglichst keine Sporen übertragen werden. Denn diese können mehrere Jahrzehnte überdauern, sind hitzeresistent und daher äußerst schwer zu bekämpfen.

Manchmal müssen ganze Völker getötet werden

Der Erreger der Bienenseuche ist ein sporenbildendes Bakterium, das äußerst überlebensfähig ist. Er befällt die Brut der Bienen. Diese stirbt größtenteils, die Zahl der Bienen im Volk wird immer geringer, bis es nicht mehr die notwendige Stärke aufweist, um zu überwintern. Ein Drama für die Imker. Manchmal müssen auch Völker getötet werden, wenn ein starker Befall nachgewiesen ist.

Wie im Fall des Hellerauer Imkers, der sich im Juni dieses Jahres Bienen aus Bayern gekauft hatte. Sie waren von der Faulbrut befallen. Und das, obwohl ein amtliches Gesundheitszeugnis mitgeliefert wurde. „Das kommt leider immer wieder mal vor“, sagt Lorz. Denn in Bayern ist es keine Pflicht, das Volk vor dem Verkauf beproben zu lassen. Darauf müsse aber jeder Imker bei einem Kauf drängen, rät Lorz.

Dresdens Imker sind mittlerweile erprobt, was den Kampf gegen die Faulbrut anbelangt. 2017 mussten neun Sperrbezirke gebildet werden, die Völker von über 100 Imkern waren befallen. Insbesondere der Dresdner Westen war betroffen. Schon damals prognostizierte Tino Lorz, dass es fünf, sechs Jahre brauchen werde, um die Krankheit und ihre Folgen in Dresden zu überwinden. 

Dafür hatte sich der Imkerverein ohne öffentliche Unterstützung ein Bienengesundheitsmobil angeschafft. Mithilfe der Gerätschaften im Mobil können die Beuten ausgebrannt und die Rahmen, in denen die Bienen die Waben anlegen, mit Ätznatronlauge behandelt werden. All dies ist erforderlich, um die Sporen zu bekämpfen. Momentan steht das Fahrzeug auf dem Gelände des städtischen Tierheims in Stetzsch. Erst am 24. August haben sich dort 40 Imker getroffen, um ihre Beuten und Rahmen zu reinigen.

Bienen rauben schwache Völker aus

„Der Einsatz unseres Mobils hat uns sehr geholfen, die Krankheit in den Griff zu bekommen“, sagt Lorz. Das sieht man an den Zahlen der Ausbrüche deutlich. Statt neun Sperrbezirke im Jahr 2017 gab es bisher nur zwei. Die Schuld dafür, dass sich die Krankheit so ausbreiten konnte, sieht er auch bei den Imkern selbst und pocht auf klare Hygieneregeln. Das Wachs der Waben müsse nach der Saison eingeschmolzen und desinfiziert werden, die Beuten gereinigt, sagt er. Einige Imker würden jedoch darauf verzichten, sichtbar ist das an braunen Waben. „Dazu kommt, dass Bienen schwache Völker ausräubern. Oft sind aber genau diese Völker von der Seuche befallen, und so werden Sporen in die eigene Beute hineingetragen.“ Auch Honig aus anderen Ländern kann Krankheitsauslöser sein. Bienen finden jeden Rest Honig, selbst in Altglascontainern. Und da die Faulbrut in anderen europäischen Ländern mit Antibiotika bekämpft wird, sind die Sporen dennoch im Honig vorhanden“, sagt Lorz.

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Bevor die Sperrbezirke wieder aufgehoben werden können, muss der Amtstierarzt bei zwei Proben im Abstand von zwei Monaten feststellen, dass keine Sporen mehr vorhanden sind. Das könnte sich bis 2020 hinziehen, sagt Lorz. Er ist jedoch optimistisch, dass die rund 500 Dresdner Imker künftig auch durch eigene klare Regeln die Krankheit langfristig verbannen können. Da viele Neuimker Völker aus anderen Bundesländern oder Ländern kaufen ist Gefahr des Einschleppens weiter da. 60 neue Imker hat der Verein 2019 aufgenommen.

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