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Görlitz

Wie die Bundeswehr auf der A4 hilft

Wie lange der Bundeswehreinsatz auf der Autobahn dauert, steht noch nicht fest. Inzwischen wird der Stau immer kürzer und auch Görlitz ist entlastet.

Operation Wasserflasche: Soldaten sind auf der Autobahn im Einsatz.
Operation Wasserflasche: Soldaten sind auf der Autobahn im Einsatz. © Bundeswehr

Oberstleutnant Eric Gusenberg hat die Kaserne mit der Autobahn zwischen Bautzen und Görlitz getauscht. Noch am Donnerstagnachmittag  ist er hier unterwegs. Soldaten verteilen Wasser, Essen an jene, die seit Stunden im Stau stehen. Wie lange der Einsatz dauert, Eric Gusenberg weiß es nicht genau. "Das ist noch nicht entschieden", sagt er. Möglich wäre es, dass die Soldaten, wenn sie benötigt werden, bis übers Wochenende bleiben. Seit Mittwochabend sind sie im Einsatz. Gegen 22 Uhr startete die erste Hilfsfahrt. 

Panzergrenadiere mit Wasserflasche im Einsatz

Rund 50 Soldaten aus der Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg, Wettiner-Kaserne, und Marienberg, Erzgebirgskaserne, sind an die Grenze gekommen. Sie ergänzen die etwa 60 Helfer von DRK, Feuerwehren des Kreises Görlitz. 20 Bundeswehrfahrzeuge sind mit dabei. "Kleine, damit sie durch die Rettungsgasse passen", schildert Eric Gusenberg. Für die Rettungsgassen hatte das Technische Hilfswerk gesorgt. Sie freizuhalten ist nach wie vor ein Problem, sagt Polizeisprecherin Katharina Korch. Wenn Fahrer einschlafen entstehen Lücken im Stau. In die fahren dann andere Lkw hinein und versperren so die Rettungsgasse. 

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Die Rettungskräfte haben die Autobahn in mehrere Abschnitte eingeteilt. Die Bundeswehr ist in den Ablaufplan der Helfer eingegliedert. "Das hat sehr gut geklappt, wir wurden sehr gut aufgenommen", sagt Eric Gusenberg.  Die Bundeswehr sei eine willkommene Entlastung, so sein Eindruck. 

Fahrer freuen sich über Hilfe

Entlastung, darüber freuen sich die Fahrzeugführer auf der Autobahn. "Unsere Hilfe kommt sehr gut an", sagt Eric Gusenberg.  Neben frustrierten Fahrzeuglenkern hat er auch sehr viele gut gelaunte getroffen.  "Die meisten haben geschlafen, waren gut drauf und haben sich über die Hilfe gefreut", so der Oberstleutnant.

Die Soldaten selbst haben ihr Überlebenspaket dabei, unter anderem mit Schlafsack. Sie übernachten auf dem nahen Truppenübungsplatz Oberlausitz. Tagsüber werden sie auf dem zentralen Einsatzplatz in Klingewalde versorgt. 

Mehrmals am Tag machen sich die Soldaten auf den Weg, vom Stauende her. Der Stau wird kürzer, die Abkehr vom Fragebogen der polnischen Behörden macht sich bemerkbar. Zudem soll nun auf drei Spuren kontrolliert werden. Am Donnerstagnachmittag lag das Ende des Staus noch bei Bautzen Ost. Auch in der Stadt Görlitz selbst hat sich die Lage merklich entspannt. Am Donnerstagnachmittag gibt es am Übergang Stadtbrücke, den die polnischen Behörden nach Gesprächen mit der Landkreisverwaltung geöffnet hatten, praktisch keinen Stau mehr.

Stau in Görlitz hat sich Donnerstag aufgelöst

Das sah am Mittwochabend noch ganz anders aus. Da stauten sich die Fahrzeuge quer durch die Stadt bis fast an den Brautwiesenplatz. Die Bahnhofstraße war nahezu komplett gesperrt. Wer beispielsweise von der James-von-Moltke-Straße auf die Schillerstraße abbiegen und weiter Richtung Bahnhof wollte, für den war bereits auf der Bahnhofstraße vor dem Kino-Kreisverkehr Schluss. Die Polizei hatte ihn mit einem Einsatzfahrzeug kurzerhand abgesperrt. Vor allem für Ortsunkundige folgte eine zuweilen nervenaufreibende Suche nach einem Umweg. Davon ist am Donnerstag keine Rede mehr. Als ob nie etwas gewesen wäre, fließt der Verkehr.

Jetzt ist die Bundeswehr im Megastau auf der A 4 präsent. Am Donnerstagabend reicht dieser zwar "nur" noch bis Weißenberg. Dennoch bedeutete das weiterhin lange Wartezeiten für die Fahrer. 
Jetzt ist die Bundeswehr im Megastau auf der A 4 präsent. Am Donnerstagabend reicht dieser zwar "nur" noch bis Weißenberg. Dennoch bedeutete das weiterhin lange Wartezeiten für die Fahrer.  © Nikolai Schmidt

Wenn auch noch nicht ganz so fließend aber doch langsam vorwärts geht es auf der Autobahn. Die polnischen Behörden hatten bisher drei Kontrollen pro Einreisenden angesetzt: allgemeiner Gesundheitszustand, Fiebermessen und Ausfüllen eines Fragebogens. Vor allem Letzterers nahm viel Zeit in Anspruch. Nun ist es weggefallen. Zudem soll auf drei Spuren statt auf einer kontrolliert werden. "Wir hatten in den vergangenen Tagen die polnischen Kollegen schon unterstützt und Fragebögen auf deutscher Seite verteilt", schildert Michael Engler, Sprecher der Bundespolizei Ludwigsdorf. Damit sollte die Kontrolle schneller vonstatten gehen.

Unterdessen macht in Görlitz ein Gerücht die Runde. Demnach sollen polnische Helfer mit einem Kleintransporter im Stau unterwegs sein und ebenfalls Essen verteilen - allerdings gegen Bezahlung. Das kann Polizeisprecherin Katharina Koch so nicht bestätigen. "Es gibt einen polnischen Kleintransporter, von dem aus Hilfsgüter verteilt werden. Aber die wurden von einem polnischen Supermarkt gespendet und werden nicht verkauft", sagt sie. Zudem fahre der Transporter in Polizeibegleitung.

Keine bürokratische Hürde für Bundeswehreinsatz

Die deutschen Retter haben sich derweil eingespielt. Bis die Bundeswehr eintraf, übernahmen  drei Einsatzzüge die Versorgung, die sonst nur in Katastrophenlagen tätig werden. Sogar Notrufe in der Rettungsleitstelle Hoyerswerda hatte es wegen der angespannten Situation auf der Autobahn gegeben. "Gerade mit kleinen Kindern im Fahrzeug wird es natürlich in so einem Stau schwierig", sagt Alexander Peter, Kreisbereitschaftsleiter des DRK Görlitz. Mittlerweile hatte eine Motorradstaffel der Polizei Pkw und Tiertransporter von der Autobahn gelotst.

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Eric Gusenberg staunt derweil, wie schnell es vom Zeitpunkt des Antrages zur Hilfe der Bundeswehr bis zum tatsächlichen Einsatz ging. "Da ist sehr beschleunigt worden", sagt der Oberstleutnant. Der Anruf des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer bei der Bundesverteidigungsministerin hatte offenbar Wirkung gezeigt.

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