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Wie die Corona-Warn-App funktionieren soll

In der kommenden Woche wird die Anwendung zum Herunterladen zur Verfügung stehen. Doch es gibt viele Fragen.

Mit der App funkt ein Smartphone ständig eine Identifikationsnummer in die nähere Umgebung und empfängt Bluetooth-Signale von anderen.
Mit der App funkt ein Smartphone ständig eine Identifikationsnummer in die nähere Umgebung und empfängt Bluetooth-Signale von anderen. © Marijan Murat/dpa

Von Christoph Dernbach, Berlin

Für den Weg aus der Corona-Krise in die Normalität hoffen viele Menschen auch auf die seit Monaten angekündigte Corona-Warn-App. Sie soll dabei helfen, die Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen.

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Was kann die Warn-App leisten?

Die App kann dazu beitragen, dass Menschen nachträglich darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe infizierter Personen aufgehalten haben. Dabei erfährt man nicht, wer diese Personen waren – und auch nicht, ob man sich neben infizierten Personen befindet.

Wie funktioniert die Anwendung?

Mit der App verwandelt sich ein Smartphone in einen kleinen „Bluetooth-Leuchtturm“, der ständig eine Identifikationsnummer in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfangen kann. Halten sich Nutzer, die beide die App laufen haben, für eine bestimmte Zeit nebeneinander auf, tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

Gefährdet die App die Privatsphäre der Anwender?

Bei der Programmierung wurde ein mehrstufiges Konzept umgesetzt, um einen möglichst hohen Datenschutz zu sichern. Es werden nicht die Identitäten der Anwender ausgetauscht, sondern anonymisierte IDs, die sich mehrfach in der Stunde ändern. Die IDs der Kontaktpersonen werden nicht zentral gespeichert, sondern auf den jeweiligen Smartphones. Nur die Liste der anonymisierten IDs der Infizierten wird auf einem zentralen Server vorgehalten.

Wie unterscheidet sich die Corona-App von anderen Corona-Programmen?

Nach den Vorgaben von Google und Apple kann es pro Land nur eine offizielle Tracing-App geben, die infektiöse Kontakte nachverfolgt. Das ist die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts (RKI), die von SAP und Telekom entwickelt wird. Es gibt parallel dazu andere Anwendungen: Die Datenspende-App des RKI sammelt Informationen von Fitness-Trackern ein, um zu sehen, ob es in Regionen Auffälligkeiten gibt.

Was ist anders bei ähnlichen Anwendungen im Ausland?

Apps in asiatischen Ländern wie China, Singapur, Südkorea oder Indien erfüllen nicht die deutschen Datenschutzanforderungen, weil sie beispielsweise die Nutzer bloßstellen oder durch die Analyse der GPS-Signale ein Bewegungsprofil erstellen können. Die App in Frankreich ähnelt dem Ansatz in Deutschland, besteht aber auf einer zentralen Speicherung der Kontaktdaten. Andere Länder wie die Schweiz oder Österreich folgen wie Deutschland den Datenschutzvorgaben von Apple und Google.

Auf welchen Smartphones kann die App installiert werden?

Beim iPhone ist das aktuelle iOS 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Ein altes iPhone 5, 5S oder 6 reicht nicht aus. Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier muss zum einen Bluetooth LE unterstützt werden. Das ist ab Android 6 der Fall. Zum anderen müssen aber auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt.

Wird die Warn-App automatisch aktiviert?

Nein, der Austausch der anonymisierten Kontakt-IDs findet nur statt, wenn man die Corona-Warn-App freiwillig installiert und dem Datenaustausch aktiv zustimmt.

Könnte die Corona-App heimlich zur Überwachung eingesetzt werden?

Nein, das ist quasi ausgeschlossen. Der Quell-Code der App kann auf der Plattform GitHub transparent eingesehen werden. Bei Analysen des Codes wurden keine Hintertüren oder andere Anomalien entdeckt.

Gibt es für die Warn-App eine eigene gesetzliche Grundlage?

Nein, die Bundesregierung glaubt, dass bestehende Datenschutzgesetze ausreichen. Die Grünen und Linken fordern dagegen, dass der Einsatz der App durch ein Gesetz geregelt wird. So müsse nicht nur die Installation der App freiwillig sein. Es dürfe auch keine Verpflichtung geben, ein Smartphone mit laufender App mit sich zu führen. Die AfD verlangt, Diskriminierung von Nicht-Nutzern zu vermeiden.

Wie viele App-Nutzer sind nötig, damit der gewünschte Effekt eintritt?

Eine Studie aus Oxford sagt, dass der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr beteiligen. Das wird aber vermutlich nicht zu erreichen sein. Experten weisen aber darauf hin, dass jede Installation zählt und Effekte schon bei einer deutlich niedrigeren Quote erreicht werden können. (dpa)

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