merken
PLUS

Wie die Dohnaische flott gemacht wird

1,2 Millionen Euro Bausumme, zweieinhalb Jahre Bauzeit: Pirna muss die Flutschäden an der Einkaufsmeile mit gewaltigem Aufwand beseitigen lassen.

© Norbert Millauer

Von Thomas Möckel

Pirna. Als das Ausmaß des Bauvorhabens bekannt war, gab es erschrockene Gesichter. Den Händlern auf der Dohnaischen Straße stehen in nächster Zeit große Einschnitte bevor. Die Stadt muss die Trasse zwischen Schössergasse und Dohnaischem Platz mit einem gewaltigen Aufwand sanieren lassen. Laut Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) sei dieses Projekt alternativlos. Die ansässigen Geschäftsleute befürchten, aufgrund der Baustelle könnten vermehrt Kunden ausbleiben. Hanke sagte zu, dass die Stadt die Händler so gut es geht unterstütze und auch die Bauabläufe gemeinsam mit ihnen abstimme, um die Belastung möglichst gering zu halten. Die SZ erläutert, wie der Bau ablaufen soll.

Anzeige
Große Jubiläumsaktion bei XXL KÜCHEN ASS
Große Jubiläumsaktion bei XXL KÜCHEN ASS

Zum 25-jährigen Geburtstag gibt es bei den sieben XXL KÜCHEN ASS-Fachmärkten in Sachsen den gewohnten Service und tolle Jubiläumsangebote.

So wird die Dohnaische Straße saniert

Warum muss die Dohnaische Straße aufwendig saniert werden?

Der Einkaufsstraße haften gravierende Mängel an, die noch von der Flut 2013 herrühren. Der Belag ist an einigen Stellen eingesackt, Steine sind lose. Beim Bau soll sie zudem so instand gesetzt werden, um künftige Fluten möglichst schadlos zu überstehen. Was die Sanierung so aufwendig macht: Im Untergrund liegt ein völlig desolater Abwasserkanal, der dringend ausgetauscht werden muss.

Wie lange wird an der Pirnaer Einkaufsmeile gebaut?

Die Sanierung soll im März 2016 beginnen und bis zum Juli 2018 dauern. Die Straße ist nicht über die gesamte Zeit komplett aufgegraben, saniert wird in mehreren Abschnitten. In die Bauzeit sind auch zwei Winterpausen eingerechnet, ob diese benötigt werden, wird das Wetter zeigen.

In welchen Abschnitten wird die Trasse saniert?

Die Bauphase 1 geht von der Schössergasse bis hinter die Einmündung Schuhgasse, sie dauert von März bis September 2016. Dann folgt Bauphase 2 ab der Schuhgasse bis hinter die Einmündung Schmiedestraße, sie dauert von August 2016 bis April 2017. Es schließt sich Bauphase 3 an, die von der Schmiedestraße bis ungefähr 25 Meter vor den Dohnaischen Platz geht und von Mai bis November 2017 dauert. Das Reststück bis zum Dohnaischen Platz wird von März bis Juni 2018 gebaut. Zum Schluss folgt der Ausbau des Knotenpunktes Dohnaische Straße/Jacobäerstraße, der im Juni und Juli 2018 geplant ist. Gebaut wird in den jeweiligen Phasen jeweils wechselseitig. Die Bauleute beginnen auf der Seite, die zum Markt zeigt, und wechseln nach Fertigstellung auf die Seite, die zum Bahnhof zeigt.

Wie wird der aufwendige Kanalbau ablaufen?

Dieses Vorhaben ist laut der Fachleute äußerst kompliziert. Fakt ist, dass der marode Kanal dringend ausgewechselt werden muss. Zudem werden auch die Leitungen für sämtliche andere Medien – Gas, Trinkwasser und Strom – neu- und umverlegt. Ausgenommen davon sind nur Telefonleitungen. Der neue Abwasserkanal wird in einer Tiefe von vier Metern verlegt, das Baufeld muss dafür mindestens fünf bis sechs Meter tief ausgeschachtet werden. Das funktioniert laut der Planer nur mithilfe schwerer Technik. Die Trasse des neuen Kanals verläuft auf der Seite der Dohnaischen Straße, die zum Markt zeigt. Dort werden auch die Bagger und Lkws stehen. Die Seite, die zum Bahnhof zeigt, bleibt von den Kanalbauarbeiten unberührt. Sie bleibt frei für Fußgänger und den Lieferverkehr. Der Kanal wird gemäß der einzelnen Phasen abschnittsweise gebaut. Damit der neue Kanal verlegt werden kann, müssen zuvor Provisorien für Gas und Trinkwasser installiert werden, die die Fachleute danach wieder abbauen. Der An- und Abtransport der Baustoffe führt über die Jacobäerstraße und den Dohnaischen Platz.

Wie läuft der Straßenbau auf der Einkaufsmeile?

Parallel zum Kanalbau wird Dohnaische Straße grundhaft ausgebaut, dafür wird sie überall 70 Zentimeter tief ausgeschachtet. Mehrere Schichten werden neu aufgebaut, den Abschluss bildet zentral ein Streifen aus grauen Granitplatten, in deren Mitte eine drei Zentimeter breite Rinne als Regenwassereinlauf verläuft. Die Randbereiche werden mit Pflastersteinen aus rotem Granit gepflastert – so wie bei den schon fertigen Abschnitten zu sehen ist. Die Windrose bleibt erhalten, sie wandert aber in den Schnittpunkt der Achsen Dohnaische Straße/Jacobäerstraße.

Welche Einschnitte bringt der Ausbau für die Geschäfte mit sich?

Sämtliche Geschäfte sollen während der Bauphasen erreichbar sein, doch die Wege zu den Geschäften werden unter Umständen länger und komplizierter. Der wohl größere Einschnitt: Vor den Geschäften auf der Seite, die zum Markt zeigt, muss während des Kanalbaus eine Art Fußgängertunnel errichtet werden, etwa 2,50 Meter hoch und ebenso breit. Sämtliche dahinter liegende Geschäfte sind in der Bauzeit dann nicht zu sehen. Der Tunnel soll die Fußgänger schützen. Um die Grube für den Kanal auszuheben und die Rohre zu verlegen, ist schweres Baugerät nötig. Um die Lasten zu bewältigen, müssen die Baumaschinen ausschwenken. Im Schwenkbereich darf allerdings niemand gefährdet werden. Über diesen Tunnel sind die Geschäfte auf der Marktseite der Dohnaischen Straße aber erreichbar. Sobald der Kanalbau in einem Bauabschnitt beendet ist, wird der Tunnel wieder abgebaut.

Wie sehen die Händler die Riesenbaustelle?

Die ansässigen Gewerbetreibenden haben Sorge, dass Kunden und Umsatz ausbleiben. Weil zudem noch viele Baustellen im Zentrum parallel laufen, befürchten sie, dass sich dann kaum noch ein Kunde in die Altstadt wagt. Viele fürchten bereits um ihre Existenz. Nach Aussage einiger werde es Jahre brauchen, ausbleibende Kunden wieder zurückzugewinnen – für einige Geschäfte könnte das unter Umständen zu spät sein.

Wie nimmt Pirna die Händler während der langen Bauphase mit?

Pirna versucht, auf die Wünsche der Händler so gut es geht einzugehen. Ein Ergebnis dessen ist, dass in kleinen Abschnitten gebaut wird. Vor jeder Bauphase gibt es noch einmal gesonderte Beratungen mit den betroffenen Händlern, dem Citymanagement und der Baufirma, um sich über den konkreten Ablauf, Anlieferzeiten und Ähnliches zu verständigen. Im Gespräch sind auch verschiedene Anreize, um Kunden trotz Baustelle anzulocken, möglicherweise über reduzierte Parkgebühren.

Wie ist das Citymanagement in das Bauvorhaben eingebunden?

Citymanagerin Jana Türke wird vor und auch während der Bauarbeiten als Ansprechpartner für die Händler fungieren. Sie nimmt sich deren Sorgen und Anregungen an, vermittelt Kontakte zu Baufirmen und anderen Fachleuten und gibt die entsprechenden Rückmeldungen weiter. Über das Stadtmarketing soll darüber hinaus zusätzliche Werbung laufen, unter anderem auch überregional, um Kunden nach Pirna zu locken. Überdies ist in der Stadt zusätzliche Reklame geplant, um auf die geöffneten Geschäfte hinzuweisen – wichtig vor allem für jene Läden, die für eine Weile hinter dem Fußgängertunnel verschwinden.

Was kostet der Ausbau der Dohnaischen Straße?

Die Kosten für Straßen- und Kanalbau sind auf rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Das Vorhaben wird zu 100 Prozent aus Flutfördermitteln finanziert. Da die Flutschadenbeseitigung nach neuestem Stand erst bis 2019 abgerechnet werden muss, verliert Pirna keine Zuschüsse.

1 / 10