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Wie die Fans im Stadion

Begeisterung. In der Hains WM-Arena springt der Funke von der Leinwand über.

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Von Gunnar Klehm

Sieben Steppkes jagen Sonnabendabend auf dem eingezäunten Mini-Soccer-Feld in der Hains WM-Arena dem Ball nach. Der neunjährige Lucas drischt den Ball mit aller Wucht ins Tor. Im selben Moment springen 1 500 Menschen auf, die nur zehn Meter neben dem Spielfeld sitzen, kreischen, jubeln und schreien. Die Jungs lachen sich an, einer holt den Ball aus dem Netz, und weiter geht’s. Die ausgelassen feiernde Menge wird schlichtweg ignoriert.

Den Fußballspielern in den Trikots der deutschen Nationalmannschaft, Größe 128, galt der Jubel nämlich nicht. Gerade haben die erwachsenen Idole der kleinen Kicker ein Tor erzielt. Und die Fans nebenan sind nach dem 2:0 von Stürmer Podolski in Vorfreude auf einen Sieg im WM-Achtelfinale gegen Schweden.

Am Sonnabend hieß es im Biergarten des Hains zusammenrücken. 900 Sitzplätze gibt es dort, wenn acht Leute um einen Tisch sitzen. Diesmal strömten fast 1 500 Fans nach Hainsberg. Um einen der Tische nah an der Leinwand zu ergattern, musste man schon zwei Stunden vor Anpfiff da sein.

Carsten Wielobinski hat das wieder einmal beherzigt. Seine Trommel hat er natürlich auch dabei. Er hat sich so viele WM-Spiele im Hains angesehen wie möglich. Natürlich alle Auftritte der Deutschen. „Es ist doch geil hier“, sagt der 19-Jährige. An der außergewöhnlichen Stimmung hat er selbst einen Anteil mit seiner Trommel. „Nach dem Spiel der Deutschen gegen Polen war das Instrument hinüber“, erklärt Wielobinski. Beide Felle der Trommel waren durchschlagen. Das sollte der Stadion-Atmosphäre bei den nächsten Spielen aber keinen Abbruch tun. Verantwortliche des Hains stellten dem Fußballfan kurzerhand ein neues Schlaginstrument zur Verfügung. Seine Freude darüber war unüberhörbar.

Aber auch fast alle anderen Besucher präparieren sich vor dem Weg in die WM-Arena, als gingen sie ins Stadion. Die Farbkombination Schwarz-Rot-Goldgelb leuchtet überall, ob als Perücke, Hut, Banner oder Tattoo. In die Fangesänge, die über die Lautsprecher aus dem Stadion nach Freital transportiert werden, wird munter eingestimmt. Und wenn einer der Deutschen böse gefoult wird, springen Hunderte von ihren Bänken auf und schreien die Leinwand an, als könnten es die Spieler im Stadion hören.

Gegen 19 Uhr herrscht wieder einmal Glückseligkeit. Unsere Nationalmannschaft hat auch ihr viertes WM-Spiel gewonnen. Beim 2:0 ist es geblieben. Lucas schaut kurz zu der Menschenmenge hinüber, die sich nun in den Armen liegt. Für mehr ist keine Zeit. Während auf der Bildfläche die Schweden zu Boden sinken, rollt auf den Freitaler Steppke die nächste Angriffswelle der kurzbeinigen Gegner zu. Während für ihn dann eine Stunde später der Abend zu Ende ist, singt vor den großen Fußballfans nun die Band Schwarzkittel Five. Die Musiker halten die Stimmung am Kochen. Bis wieder König Fußball regiert und die Menge erneut die Leinwand anbrüllt.