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Boeing-Abstürze bremsen Rothenburger Flugplatz aus

In Rothenburg sollen künftig alte Flugzeuge zerlegt werden. Doch für das Abwracken gibt es nach schweren Flugunglücken zu wenige Maschinen.

Von Frank-Uwe Michel
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Der Besuch holländischer Militärflieger vor ein paar Tagen war für die Feuerwehrleute aus Rothenburg, Horka und Niesky der erste Ernstfall. Sie sichern hier künftig Starts und Landungen von Großflugzeugen ab.
Der Besuch holländischer Militärflieger vor ein paar Tagen war für die Feuerwehrleute aus Rothenburg, Horka und Niesky der erste Ernstfall. Sie sichern hier künftig Starts und Landungen von Großflugzeugen ab. © André Schulze

Das Jahr hat für den Verkehrslandeplatz Rothenburg gut begonnen. Zwar herrscht in den ersten Wochen die jahreszeitlich bedingte Flaute bei den Flugbewegungen. Doch die niederländische Armee brachte mit ihren Militärtransportern gleich das erste Highlight mit. Und eine völlig neue Bewährungsprobe.

Abwrackzentrum noch in der Warteschleife

Als die Flugzeuge vom Typ Hercules vor ein paar Tagen auf dem Airport landeten, war das nur ein Vorgeschmack auf das, was hier in den nächsten Monaten richtig anlaufen soll. Dann nämlich werden betagte Großraumflugzeuge erwartet, die nach dem Eintreffen in der Neißestadt in ihre Einzelteile zerlegt werden sollen. Das jedenfalls hatten Flugplatz-Chef Thomas Rublack, Landrat Bernd Lange und der Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke, Andreas Sperl, in einer gemeinsamen Absichtserklärung im August vergangenen Jahres angekündigt. Entstehen soll ein Zentrum zur Nachnutzung von Flugzeugkomponenten und zur Rückgewinnung von Wertstoffen.

Schwieriger Flugzeugmarkt

Tatsächlich zu sehen ist allerdings noch nichts. "Die Absicht besteht nach wie vor. Und wir sind sicher, dass wir sie auch umsetzen können", gibt sich Rublack hoffnungsvoll. Übertriebene Erwartungen möchte er jedoch nicht aufkommen lassen. Es gebe zwar genug Flieger - auch ältere, die eigentlich ausrangiert werden sollen. "Aber sie bleiben in der momentanen Situation eben weiter in der Luft." Grund dafür sei Boeings Problem bei der Herstellung des Typs 737 Max. Seit den beiden Abstürzen 2018 und 2019 mit insgesamt 346 Toten müssen Maschinen dieses Fabrikats am Boden bleiben, neue werden von den Fluggesellschaften rund um den Globus vorerst nicht in Dienst gestellt.  Bisher sei es deshalb noch nicht gelungen, eine ausrangierte Maschine verbindlich zu ordern.

Feuerwehren rüsten sich

Trotzdem ist man auf dem Rothenburger Airport nicht untätig geblieben. Mit den niederländischen Hercules-Transportern waren Mitte Januar erstmals Flugzeuge hier, deren Starts und Landungen feuerwehrtechnisch abgesichert werden mussten. "Wir haben deshalb mit den Feuerwehren aus Rothenburg, Horka und Niesky Vereinbarungen getroffen, die dann auch bei den Recycling-Kandidaten greifen werden", so Rublack. Ein Experte der Dresdener Flughafen-Feuerwehr vermittelte Wissen zum Aufbau der erwarteten Riesenflieger, zur Funktion der Bauteile, aber auch zu gefährlichen Stoffen, zu Löschmitteln und zur Brandbekämpfung im Ernstfall. 

Weitere Militärflieger werden erwartet

Darüber hinaus soll es 2020 natürlich noch weitere Aktivitäten auf dem Rothenburger Flugplatz geben. Thomas Rublack hofft, dass sich die Kooperation mit dem Truppenübungsplatz Oberlausitz noch forcieren lässt und übers Jahr weitere Militärmaschinen die Landebahn im Norden der Stadt ansteuern. "Wir sind da gegenseitig in ständigem Austausch. Werden auf dem TÜP Manöver angemeldet, sind wir als Flugplatz immer im Angebotspaket mit dabei."

Leichtflieger ziehen von Görlitz nach Rothenburg um

Flugsportvereine - sowohl aus der Region,  als auch aus anderen Teilen Deutschlands und sogar aus dem europäischen Ausland - können in diesem Jahr alle geplanten Veranstaltungen ohne Einschränkungen durchführen, darunter auch mehrere Fliegerlager. Dies helfe, den Flugbetrieb am Platz aufrechtzuerhalten, weiß Rublack. So freue man sich auf Gäste aus Karlsruhe, Leipzig, Würzburg und Hettlingen in der Schweiz. Darüber hinaus gebe es eine Reihe von Terminen, bei denen Publikum willkommen sei. "Ende April kommen die Modellflieger nach Rothenburg, Mitte Mai findet das schon traditionelle Pulsotreffen statt." Wegen des hier vorhandenen Höhenschlepps zögen zudem die Oberlausitzer Leichtflieger mit ihrer Veranstaltung "X-Lands Oberlausitz-Niederschlesien" von Görlitz nach Rothenburg um.

Zukunft des Görlitzer Platzes wird noch diskutiert

Auch in Görlitz setzt man weiter auf das Engagement der Vereine. Wie sich die Naturlandebahn selbst weiter entwickeln soll, dazu lässt sich der Chef der Flugplatzgesellschaft jedoch nicht in die Karten schauen. "Es gibt rege Diskussionen in der Stadt. Wir stehen dazu mit dem Oberbürgermeister und den anderen politischen Akteuren im Kontakt", erklärt Rublack.  Landrat Bernd Lange hatte im September 2019 in der Sächsischen Zeitung erklärt, es gebe zwar Pläne zur Asphaltierung der Piste, die Chancen für die Umsetzung seien aber gering. 

Weitere Firmenansiedlungen in Rothenburg?

Klar ist dagegen, wie sich der Flugplatz in Rothenburg entwickeln soll. "Hier gibt es regelmäßig diverse Ansiedlungsgespräche", bestätigt Thomas Rublack das Interesse aus der Wirtschaft. Verstärkt wird diese Tendenz durch die nur noch begrenzt vorhandene Kapazität des Industriestandorts in Kodersdorf. Die Gemeinde an der B 115 vermittelt Interessenten unter anderem ein paar Kilometer weiter Richtung Neiße.

Martin Beier von der Flughafen-Feuerwehr Dresden gibt den Kameraden der drei beteiligten Feuerwehren eine Einweisung, welche Gefahren bei Einsätzen an Großflugzeugen zu beachten sind.
Martin Beier von der Flughafen-Feuerwehr Dresden gibt den Kameraden der drei beteiligten Feuerwehren eine Einweisung, welche Gefahren bei Einsätzen an Großflugzeugen zu beachten sind. © André Schulze

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